Herta-Vorstand Michael Gassner (51) widerspricht Westfalia Vinnum: „Wir sind keine Täter!“

Westfalia Vinnum

Wie geht es weiter mit dem SV Herta Recklinghausen? Westfalia Vinnum fordert den Ausschluss des Klubs, wenn dieser nicht kooperiert. Ex-Geschäftsführer Michael Gassner widerspricht Vinnum.

Vinnum

, 19.11.2019, 15:05 Uhr / Lesedauer: 3 min
Herta-Vorstand Michael Gassner (51) widerspricht Westfalia Vinnum: „Wir sind keine Täter!“

Michael Gassner wehrt sich gegen die Vorwürfe von Westfalia Vinnum und ist besorgt über die Zukunft seines Vereins. © Michael Gassner

Es waren schwere Anschuldigungen, die Fußballverein Westfalia Vinnum in der vergangenen Woche in Richtung SV Herta Recklinghausen und den Fußballkreis Recklinghausen abgefeuert hatte. Unter anderem warfen die Vinnumer in der veröffentlichten Stellungnahme der Vereinsführung der Hertaner vor, das Verhalten der mittlerweile abgemeldeten ersten Seniorenmannschaft zu dulden und somit zu unterstützen. Daher forderte Vinnum öffentlich den Ausschluss des Klubs, der für die Massenschlägerei in Vinnum mit acht Verletzten verantwortlich war.

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Michael Gassner ist seit 28 Jahren Mitglied im SV Herta. Eine Funktion im geschäftsführenden Vorstand hat er nicht mehr, ist aber noch beratendes Mitglied des Vorstandes. Der 51-jährige frühere Geschäftsführer des Klubs wehrt sich in einem schriftlichen Kommentar, der in der „Recklinghäuser Zeitung“ veröffentlicht wurde, massiv gegen die Vorwürfe. Darin erklärt, dass ein Ausschluss die vielen nicht involvierten Mitglieder schwer treffen würde, und hinterfragte zudem, ob Provokationen vorangegangen seien.

„Ich habe mich entschieden, dass wir nicht alles über uns ergehen lassen müssen“, begründete Gassner am Dienstag im Gespräch, warum er die Zeilen verfasst hat. „Es gibt noch genügend Vereinsmitglieder, die überhaupt nichts mit den Vorgängen zu tun haben. Wer einen Ausschluss fordert, trifft genau diese nicht beteiligten Mitglieder“, so Gassner.

Herta Recklinghausen ist ein Traditionsverein in der Stadt

Das schrieb er auch in der Stellungnahme. „Unser Verein ist der älteste nicht fusionierte Verein der Stadt Recklinghausen. Es gibt hier genügend langjährige, treue, friedvolle und ehrenwerte Vereinsmitglieder“, schrieb Gassner, der den Weg über die Öffentlichkeit kritisierte: „Warum läuft die Kommunikation des Vereins Westfalia Vinnum nur über die Presse?“

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„Wir, der verbliebene Vorstand, ehrenamtlichen Helfer und Mitglieder des Vereins SV Herta waren nicht vor Ort und können uns für das Geschehene nur entschuldigen, aber wir sind keine Täter“, schrieb Gassner weiter. Zudem solle die Westfalia nicht die gesamte ehemalige Erste zu Tätern verurteilen. Jeder, der sich dem Vorwurf, Täter zu sein, ausgesetzt sieht, fühle sich angegriffen.

Michael Gassner entschuldigt sich für Gewalt

Einig sei man sich in einem Punkt: „Körperliche Gewalt ist natürlich nicht entschuldbar“, schrieb Gassner. Daraus habe der Verein auch die Konsequenzen mit der Abmeldung der Mannschaft gezogen. Der Verein, teilte Gassner mit, werde die Abmeldungen auch in der Verhandlung vor dem Sportgericht vorlegen.

Auch verteidigte Gassner den derzeitigen Vorstand. Viele Mitglieder der ersten Mannschaft, aber auch Vorstandsmitglieder wie Teammanager Zakaria Chamdin oder ein Ex-Vereinskassierer, die beide infolge der Schlägerei zurückgetreten waren, seien für den Verein nicht mehr greifbar.

SV Herta fehlt der Zugriff auf ehemalige Mitglieder

„Wir haben mit ihnen gar nicht mehr gesprochen. Wir haben keinen Zugriff mehr. Sie stellen sich nicht zur Verfügung, um Aussagen zu machen. Vielleicht wissen sie, wer es war, wollen aber nichts sagen“, sagte Gassner auf Nachfrage.

Und was ist mit der deaktivierten Vereinshomepage und gelöschten Facebook-Auftritten des Skandal-Teams? „Derjenige aus unserem Verein, der den Server betreut, hat technische Probleme. Wir mussten die Seite deswegen runternehmen. Bei Facebook hat sich die Mannschaft selbst verwaltet. Da hatten wir nichts mit zu tun“, antwortet Gassner. Vinnum hatte dem Klub vorgeworfen, die Aufklärung durch die Löschungen zu erschweren.

Michael Gassner geht von Vinnumer Provokationen aus

Gassner vermutet auch, dass es im Vorfeld Provokationen seitens der Vinnumer gegeben habe, bevor die Schlägerei begann. Gassner wörtlich in der Stellungnahme: „Welche Gründe hat es gegeben, die zu so einer körperlichen Auseinandersetzung am 15. September führten? Zu einem Streit oder einer Auseinandersetzung gehören immer zwei Parteien (Provokation kommt vor Eskalation)!“

Mit einem Vereinsausschluss rechnet der SV Herta derzeit nicht. „Mit unseren Strukturen und restlichen Mitgliedern wollen wir weiter im Verband bleiben“, sagte Gassner.

Aber schon eine hohe Geldstrafe werde für den Verein existenzbedrohend. Denn die Vereinskasse ist leer. Und der Verband schließt einen Klub schnell aus, wenn dieser mit Zahlungen im Verzug ist. Gassner: „Wir werden bestraft. Davon gehen wir aus. Ein Strafmaß, das den Verein kaputtmachen würde, wäre aber verheerend.“

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