„Ich tue mir gar nichts an“

Fußball

Reinhard Behlert soll den SC Capelle vor der Kreisliga B retten. Im Interview erklärt er, warum er für einen Verein mit den Farben Schwarz und Gelb nicht mehr zum FC Schalke gehen wird.

Capelle

15.12.2017, 15:01 Uhr / Lesedauer: 5 min
Reinhard Behlert ist als Trainer des SC Capelle vorgestellt worden. Seine erste Einheit leitet er am 14. Januar. „Ich werde die Jungs auch nur an der Eigenverantwortung packen können“, sagt Behlert.

Reinhard Behlert ist als Trainer des SC Capelle vorgestellt worden. Seine erste Einheit leitet er am 14. Januar. „Ich werde die Jungs auch nur an der Eigenverantwortung packen können“, sagt Behlert. © Helga Felgenträger

Er ist der neue Mann beim Fußball-Kreisligisten SC Capelle, aber so neu ist er gar nicht. Unter Trainer Martin Ritz war Reinhard Behlert (55) bereits zweimal Co-Trainer, nun ist er Cheftrainer und soll das Ligaschlusslicht vor dem Abstieg bewahren. Im Interview mit Redakteur Sebastian Reith sprach er über seine Vergangenheit als Trainer in Kaiserau, warum sein Dienst für den SCC befristet ist – und warum er überhaupt den Abstiegskampf aufnimmt.

Capelle ist Letzter – Sie haben eine schwierige Mission. Warum tun Sie sich das an?

Die Frage kann ich natürlich nicht so stehen lassen. Die Frage ist: Warum beschäftigt man sich überhaupt mit Fußball? Warum ist man fußballinteressiert? Warum trainiert man überhaupt? Und das ist für mich unabhängig von einer Liga. Ich habe das Glück gehabt, dass ich die Jungs kennenlernen konnte und das ist das, was ich mir vorstelle. Jeder Mensch hat seine Philosophie und meine ist nicht, irgendwo hinzugehen und zu sagen: „Da machst du was draus und holst fünf neue Leute!“ Das habe ich in Kaiserau auch so gesehen. Aus unserem Dorf, wo die Kinder zusammen spielen, baut man sich eine Mannschaft. Deswegen müssen sie in der Jugend gefördert werden. Und deshalb tue ich mir gar nichts an, sondern genieße das eigentlich.

Wie gehen Sie die Vorbereitung an?

Das Schöne ist, dass ich Martin sehr lange kenne. Es ist fünf Jahre her, als wir zusammen eingestiegen sind. Ich werde sicherlich versuchen, meine Erfahrungen umzusetzen. Die Rückrundenvorbereitung wird für eine Winterpause vielleicht etwas zu lang. Wir werden sechs Wochen Vorbereitung absolvieren. Auftakt ist der 14. Januar. In der Hinrunde war durch einige Verletzungen die Kontinuität nie da gewesen. Die Vorbereitung wollen wir nutzen, um kräfte- und konditionstechnisch wieder auf ein höheres Level zu kommen. Wir werden keinen taktischen Umbruch machen, sondern hoffen, dass wir einfach mehr Glück haben.

Dann hätte Martin Ritz ja nicht aufhören müssen, wenn nur Glück fehlte.

Der Grund, dass Martin Ritz aufgehört hat, war sicherlich nicht nur die Erfolglosigkeit. Er ist ein sehr kritischer Mensch, der sich auch hinterfragt. Ich werde die Jungs auch nur an der Eigenverantwortung packen können.

Ihr Vorgänger Martin Ritz wünscht Ihnen: keine Verletzten, keine Abmeldungen im Winter und ein glückliches Händchen (aber Sie hätten ohnehin mehr Ahnung von Fußball als er). Wie war die Arbeit mit ihm?

(überlegt lange) Martin war damals auch Vorsitzender. Er kam eines Tages zu mir, sagte, dass Kurt Gumprich aufhört, und fragte, ob ich mitmachen kann. Damals bin ich mit reingerutscht. Martin hat – das kann ich ihm gleich zurückgeben – eine unendliche Ahnung von Fußball. Ich habe noch nie so ein Training gesehen, wie er es seit Jahren anbietet.

Was ist so besonders?

Er hat sich vorbereitet und ist schon vor dem Training am Platz gewesen – mit allem, was dazugehört. Das ist ein hohes Niveau. Das war imponierend. Ich habe zur Aufstellung meine Meinung gesagt und er hatte seine Meinung – und daraus hat er sich zusammengesucht, wie er die Mannschaft letztlich aufgestellt hat.

Planen Sie Neuzugänge?

Nö, der Kader ist super besetzt. Das Potenzial ist da.

Sehen Sie die Aufgabe als ein Halb-Jahres-Projekt an?

Die Planungen laufen so, dass wir aus privaten Gründen intensiv einen Nachfolger für die kommende Saison suchen.

Wie war Ihr erster Kontakt zu Capelle?

Ich war überrascht, als ich damals vom Landesligisten Kaiserau nach Capelle kam und mir ansehen wollte, was das für ein Dorfverein ist. Hammer, wie er organisiert war! Was der Verein auf die Beine stellt, Hut ab, da war ich schwer begeistert und hatte mich schon geschämt für meine ersten Gedanken. Ich konnte nirgendwo helfen, weil der SC Capelle super aufgestellt ist.

Sie haben einen engen Draht zum Sportlichen Leiter Mario Lohmann, nicht zuletzt über den Schalke-Fanclub. Musste er sie lange überreden, Trainer in Capelle zu werden?

Eigentlich nicht. Wir unterhalten uns viel über den SC Capelle. Irgendwann hatten wir dann beschlossen, dass wir es gewuppt kriegen.

Sie übernehmen als Königsblauer einen Verein mit den Farben Schwarz und Gelb. Was sagt Ihr Gewissen?

Das geht super. Ich bin Fußballfan und natürlich wahnsinniger Schalke-Fan, aber kein Anti-Dortmunder. Ich gucke super gerne Fußball und auch Dortmund. Damit habe ich kein Problem. Kaiserau war auch Schwarzgelb. Das war der Grund, warum ich im Tor stand. Damals brauchte ich das Trikot der Feldspieler nicht anzuziehen.

Sie haben in einem früheren Gespräch gesagt, dass Sie für den SC Capelle das zeitliche Engagement für den FC Schalke zurückfahren. Meinten Sie das ernst?

Nächste Woche werde ich noch hinfahren können, aber in der Rückserie werde ich kein Spiel angucken. Das haben wir mit der Familie abgestimmt. Ich komme ja nicht nach Hause und erzähle, dass ich jetzt Trainer bin. Ich habe gesagt, wenn ich den Trainer in Capelle mache, dann gehe ich nicht mehr auf Schalke. Ein Tag am Wochenende ist halt etwas fußballlastiger und das ist dann der Sonntag, wenn Capelle spielt. Das ziehe ich durch.

Auf Ihrem Pullover stehen zwei Wörter: Erstens „Kumpel“, zweitens „Maloche“ – sind das zwei Worte, die auch auf Kreisliga-Fußball zutreffen?

So sehe ich den Fußball. Ich komme aus Bochum. Ich möchte mit denen zusammenspielen, mit denen ich abends auch ein Bier trinken kann. Das sind dann meine Kumpels. In der Vorbereitung werden wir sicherlich nicht rennen, beißen kratzen und über Hürden springen, aber man muss immer gewinnen wollen, wenn der Schiedsrichter anpfeift. Da gehört auch dazu, dass man malocht. Wir können uns sicherlich gut sehen lassen, aber technisch sind andere Mannschaften der Liga besser aufgestellt.

Ist es ein Vorteil, dass jetzt die ersten beiden Rückrundenspiele vor der Winterpause ausgefallen sind?

Wenn mein Vorgänger die beiden Spiele gewonnen hätte, hätte ich mich gefreut, dass ich zwei Spiele weniger habe. Das weiß vorher niemand. Die Konstellation mit den vielen Ausfällen war aber nicht so rosig. Deswegen ist es ein Vorteil für uns, weil wir hoffentlich im März besser besetzt sind.

Mit dem SuS Kaiserau sind Sie in die Landesliga aufgestiegen – wie war das?

Als Spieler und Trainer bin ich mit Kaiserau aufgestiegen. Nachdem wir die Klasse gehalten hatten, habe ich aufgehört. Am 4. Juli 1998 war mein erster Trainingstag, am 5. Juli 1998 wurde meine Tochter Marie geboren. 2003 wurde dann Moritz geboren. Am letzten Spieltag war meine Frau hochschwanger. Mit beiden Geburten habe ich meine Trainertätigkeit quasi eingerahmt. Der Verein hat mich riesig geprägt. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich aus Methler wegziehe.

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