Wenn die Mitgliederversammlung wegen Corona ausfällt - Vorstände bleiben weiter im Amt

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Neben dem Spielbetrieb sind durch das Coronavirus auch viele Jahreshauptversammlungen in den Vereinen abgesagt worden. Die Vorstände machen sich derzeit unterschiedliche Gedanken über das weitere Vorgehen.

Selm

, 05.04.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich hätten sich im März viele Selmer Sportvereine zur Jahreshauptversammlung (JHV) mit ihren Mitgliedern und Vorständen treffen sollen. Doch das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen machten ihnen einen Strich durch die Rechnung. Denn Versammlungen sind seit dem 16. März durch die Bundesregierung verboten, mehr als zwei Menschen dürfen sich nicht mehr treffen. Somit sind auch die Versammlungen erst einmal Geschichte, denn oft kommen bei den Vereinen über 50 Menschen in einem Raum zusammen.

Absage und Verschiebung lautet also das Motto, auch für den SuS Olfen, der sich eigentlich am 27. März mit seinen Mitgliedern und dem Vorstand versammeln wollte. Einen neuen Termin gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Vereinschef Bernhard Bußmann vermutet aber, dass die Jahreshauptversammlung nicht vor dem Herbst stattfinden wird. „Wir haben derzeit keine Eile, Vorstandswahlen standen nicht an und den Jahresbericht habe ich schon geschrieben. Den würde ich dann im September so präsentieren, als ob noch März wäre.“

Sitzung im Sommer eher unwahrscheinlich

Den späten Termin begründet Bußmann auch mit den satzungsgerechten Fristen. Denn der Vorstand müsse bei einer Verschiebung vier Wochen im Voraus einladen. „Wenn wir also im Juni ein Datum hätten, müsste ich schon im Mai einladen, und da wissen wir vielleicht noch gar nicht, ob es am Ende wirklich klappt. Außerdem liegen im Sommer auch noch die Ferien, in denen viele der Mitglieder vielleicht nicht da sind.“

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Ganz so spät würde Franz-Josef Schulte in Busch die Jahreshauptversammlung des Reitvereins Lützow nicht terminieren. „Wir haben sie zwar auf unbestimmte Zeit verschoben, machen uns aber wahrscheinlich ab dem 20. April wieder Gedanken um die Versammlung“, erklärt der Vorstandssprecher. Das ist nämlich der Zeitpunkt, bis zu dem die Einschränkungen der Bundesregierung durch das Coronavirus vorerst gelten. Der Verein werde aber alles in die Wege leiten, dass das Virus nicht weiter verbreitet wird. Dazu zähle auch die erneute Verschiebung nach hinten.

Vorstand bleibt vorerst bestehen

Extrem wichtige Beschlüsse hätte es bei der Sitzung des Vereins nicht gegeben. „Nichts, was man nicht auch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben kann“, erklärt Schulte in Busch. Zwar hätten anders als beim SuS Olfen die Wahlen auf dem Programm gestanden, doch der Vorstand bleibt erst einmal in seiner jetzigen Form bestehen.

Das gilt auch für alle anderen Sportvereine, auch wenn die Amtszeit von Vorstandsmitgliedern eigentlich bereits abgelaufen ist. Der Landessportbund NRW hat noch nicht festgelegt, wie lange dieser Zeitraum gelten soll.

Der SC Capelle hatte gerade noch einmal Glück mit seiner Jahreshauptversammlung, die in der ersten Märzwoche stattfand, bevor die Krise auch in Deutschland ankam. „Der Vorstand hatte sich gemeinsam dazu entschlossen, sie noch durchzuziehen“, erklärt der Vorsitzende Josef Mertens. Auch wenn der Verein seine Versammlung noch abhalten konnte, nachfolgende Vorstandssitzungen fallen auch beim SC Capelle aus.

Sitzung durch Coronavirus ins Netz verlegt

Dafür hat der Vorstand aber relativ schnell eine Lösung gefunden und die Besprechungen in den Videochat verlegt. „Jeden Montag treffen wir uns online, denn auch in Zeiten des Coronavirus muss es weitergehen“, sagt Mertens. Auf der Themenliste stehen dann die Mitgliederbeiträge und der Spielbetrieb, aber auch die Verwendung der Getränke, die noch in Kühlschränken auf dem Platz sind. „Wir müssen einfach weiter in Kontakt bleiben und uns im Vorfeld besprechen. Denn abwarten ist nicht.“

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Ob auch die Jahreshauptversammlung ins Netz verlegt wird, darüber haben sich Bußmann und Schulte von Busch bisher noch keine großen Gedanken gemacht. Möglich wäre es aber, falls in der Satzung auch andere Kommunikationsmittel erlaubt sind. Wenn dies nicht der Fall ist, müssen sich alle Mitglieder des Vorstandes darüber einig sein, dass die Veranstaltung auf anderem Weg erfolgt. Diese Möglichkeit erlaubt den Vereinen einen gewissen Vorsprung bei wichtigen Beschlüssen, zum Beispiel zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs, damit der Plan nach der Coronakrise schneller anlaufen kann.

Ausschluss eines Teilnehmerkreises?

Trotz alledem keine Option für den ersten Vorsitzenden des SuS Olfen. „Damit würde ich einen bestimmten Teilnehmerkreis, der diese Möglichkeit nicht hat, ausschließen. Und es sollten doch alle dabei sein dürfen“, erklärt Bußmann. Außerdem gäbe es bei solchen Videoversammlungen mit vielen Personen öfter auch technische Komplikationen und das Problem, dass eine Unterschriftenliste wie sonst nicht geführt werden könne.

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