Niklas Laudahn möchte in den USA Meister werden

Fußball: Sportstipendium

In den USA lebt Niklas Laudahn seinen persönlichen Amerikanischen Traum. Der Olfener hat ein Sportstipendium bekommen und spielt seit Oktober für das College-Team der Franklin Pierce University. Die Unterschiede im Spiel zwischen europäischem und US-Fußball musste Laudahn schnell lernen – und sich anpassen.

OLFEN

, 23.12.2016, 15:06 Uhr / Lesedauer: 4 min
Niklas Laudahn ist als 17-Jähriger in die USA gegangen, um zu studieren und parallel Fußball zu spielen. Im College-Team war er ein „Freshman“, also ein Erstsemester. Laudahn musste sich in den Vereinigten Staaten einleben, hat den Anschluss aber nicht nur sportlich, sondern auch in den Noten gefunden. Seine Universität ist die Franklin Pierce University westlich von Bosten im Nordosten der USA. Laudahn ist in dem Team Stammspieler und trägt stolz den Raben auf der Brust.

Niklas Laudahn ist als 17-Jähriger in die USA gegangen, um zu studieren und parallel Fußball zu spielen. Im College-Team war er ein „Freshman“, also ein Erstsemester. Laudahn musste sich in den Vereinigten Staaten einleben, hat den Anschluss aber nicht nur sportlich, sondern auch in den Noten gefunden. Seine Universität ist die Franklin Pierce University westlich von Bosten im Nordosten der USA. Laudahn ist in dem Team Stammspieler und trägt stolz den Raben auf der Brust.

Zu Hause. Weicher Teppich im Wohnzimmer, an den Wänden hängen Fotos der Familie. Es ist das Wohnzimmer der Familie Laudahn. Sohn Niklas ist auf Heimatbesuch. Der 18-Jährige studiert an der Franklin Pierce University im Bundesstaat New Hampshire International Management. Dass er nach Olfen kommt, hat Seltenheitswert. Zum ersten Mal seit Monaten ist Laudahn zurück. „Olfen oder Deutschland wird immer die Heimat bleiben, aber man gewöhnt sich auch daran, die USA sein Zuhause zu nennen. Es kommt darauf an, wo man sich wohlfühlt. Und glücklicherweise fühle ich mich an beiden Orten sehr wohl. Deswegen kann ich beides mein Zuhause nennen.“

Nur ganz kurz rückte Laudahn im Sommer in den Fokus. In Merfeld bestritt der ehemalige Junioren-Bundesligaspieler beim Saisonstart der Fußball-Bezirksliga 45 Minuten als Einwechselspieler für die Olfener. Danach ging er in die Staaten. Freiwillig. Weg von dem, was er damals sein alleiniges Zuhause nannte. „Die ersten drei Wochen habe ich mir schon überlegt: Was hast du da gemacht?“, erzählt Laudahn. Mitspieler, Trainer und Freunde haben ihm das Leben aber erleichtert. „Die zwischenmenschlichen Beziehungen waren von Anfang an offener. Man muss sich dran gewöhnen. Nach einem Monat war ich dann richtig angekommen“, sagt er.

Das Problem haben auch andere Sportstipendiaten. Die Uni-Auswahl mit dem Raben auf der Brust ist international besetzt: Im Tor steht ein Junioren-Nationaltorhüter aus Trinidad und Tobago, die Abwehr bilden ein Neuseeländer, ein Engländer und der einzig gesetzte Amerikaner in der Stammformation.

Laudahn spielt mit einem Schotten auf der Doppel-Sechs. Im rechten Mittelfeld spielt ein Israeli, links meist ein weiterer Engländer. Hinter dem Stürmer, einem Norweger, wirbelt ein Schwede. Laudahn: „Wenn man als Freshman reinkommt, ist man der kleine Junge in der Mannschaft.“

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Gewöhnen musste er sich an die Spielweise: „Wenn man das Land versteht, weiß man, warum sie so Fußball spielen. Alles ist ein Wettbewerb in den USA und aus allem wird versucht, ein Event zu machen.“ Das Spiel sei wesentlich körperlicher und schneller, als Laudahn es kennt. „Ich habe in der Vorbereitung Muskelgruppen kennengelernt, nach denen ich 18 Jahre vergeblich gesucht habe.“

Er sieht die amerikanische Mentalität als Hauptgrund. „Es muss alles groß und spektakulär sein. Daraus sind Sportarten wie Football entstanden und das hat auch den Fußball geprägt. Man hat andere Vorstellungen, wie Sport aussehen muss.“ Nationalhymne, Cheerleader inklusive – die große Show eben, die Amerikaner lieben.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, was sich Niklas Laudahn für Ziele gesteckt hat und warum der Spielplan eine hohe Belastung mit sich bringt. 

Der American Dream erlaubt sogar die großen Ziele. „Ich sage es so krass, wie es ist: Ich möchte nationaler Meister werden. Wir haben die Mannschaft dazu und unfassbar viel Potenzial.“ Würde er dieses Ziel mit dem SuS haben, Laudahn würde man wohl schnell auf den Boden zurückholen. „Es ist ein Wettbewerb und man spielt, um zu gewinnen. Das bringen die Vereinigten Staaten dir bei. Der Zweite ist der erste Verlierer.“

Lange Bälle sind auf dem Rasen das probate Mittel. „Es wird sehr viel Langholz gespielt“, bestätigt Laudahn. Dafür sei das Spiel „weniger taktisch und weniger technisch, wo ich als Europäer Vorteile hatte, weil ich den meisten Spielern einen Schritt voraus bin“, sagte er. „Ich kann mir das Beste aus beiden Welten raussuchen und kombinieren.“

In Stellungsspiel, Ballannahme und Schusstechnik war Laudahn den Spielern der Franklin Pierce daher sofort ebenbürtig. „In diesem Bereich wird aber aufgeholt. Jürgen Klinsmann hat die Nachwuchsarbeit überholt“, sagte Laudahn, „der Fußball ist aber noch weit weg von den anderen Sportarten. Auch wenn die Zuschauerzahlen ansteigen, ist der Football eine Macht. An den Colleges sind die Stadien pickepackevoll.“ Davon kann Laudahn nur träumen, auch wenn bis zu 700 Zuschauer seine Spiele verfolgten. Gespielt wird übrigens mit „echter“ Spielzeit. Die Uhr stoppt bei Unterbrechungen – wie beispielsweise im Basketball.

Kompliziert ist der Spielplan: Im amerikanischen College-Soccer, dem Ligensystem der US-Universitätsteams, ist die Saison viel kürzer, aber um so kompakter. Gespielt wird nur im Herbstsemester, von September bis Ende Oktober läuft die Saison. Englische Wochen sind die Regel.

„Man muss körperlich topfit sein“, sagt Laudahn, „das ist eine hohe Belastung.“ Die Franklin Pierce University spielt in der Second Division, der Zweiten Liga, in einer von 19 sogenannten Conferences. Das sind landesweite Parallelstaffeln. Auf- und Abstiege sind nicht möglich, weil die Ligen geschlossen sind. „Wir sind Vierter geworden. Es war ganz eng oben an der Spitze“, erzählt Laudahn. 27 Punkte holt seine Mannschaft in 13 Spielen. Laudahn war einziger Spieler der Elf, der keine Sekunde verpasste.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie es ein Schuss von Laudahn in die Zeitung schaffte und welche Privilegien ein Uni-Sportler in den USA genießt.

Die besten acht Teams spielen anschließend Play-Offs im K.o.-Modus aus. Achter gegen Erster, Siebter gegen Zweiter und so weiter. Das Viertelfinale überstand Laudahns Mannschaft. Im Halbfinale war dann gegen den späteren Conference-Meister Schluss – 0:2. Das Saisonende bedeutete das Play-Off-Aus aber noch nicht. Eine Kommission nominiert danach Teams für das wichtigste Turnier des Landes, das Turnier der National Collegiate Athletic Association (NCAA).

„Es ist eine Ehre, dort mitzuspielen“, sagt Laudahn über das prestigeträchtige Turnier. Hier brachte der defensive Mittelfeldspieler mit seinem dritten Saisontor zum 2:2 die Ravens in die Verlängerung gegen Merrimack. Die lokale Zeitung „Sentinel Source“ in Rindge beschrieb seinen Schuss aus 16 Metern als „Rocket“, als Rakete. In der Verlängerung erzielte Merrimack dann das Golden Goal. Trotzdem gehört die Franklin Pierce University zu den Top 30 unter 800 Universitäten im Land.

Learning, Balance, Spirit, Community, Fairplay stehen auf der Medaille, die Laudahn als Teilnehmer mit nach Hause nahm. „Man sieht, dass es College-Sport ist. Lernen und Fairplay werden großgeschrieben. Auch von Schwalben ist da wenig zu sehen“, sagt Laudahn. „Ich habe es einmal versucht, aber man macht es lieber nicht. Beim American Football liegt auch keiner auf dem Boden und heult rum, wenn er nichts hat.“ Schauspielerei mögen die US-Amerikaner, vor denen Laudahn spielt, nicht.

Jetzt ist Off-Season, der Zeitraum zwischen zwei Saisons – der für einen Fußballer unangenehme Teil. Denn Pause ist bis zum September, entsprechend lange ist die Vorbereitung. „Es macht natürlich mehr Spaß, wenn man in der Saison ist“, sagt Laudahn. Dann hat Laudahn Privilegien, die er als Sportler in den USA genießt und um die ihn deutsche Sportler beneiden.

Denn in der Saison machten Dozenten für ihn einiges möglich, damit er für die Uni Fußball spielen konnte. Die langen Auswärtsfahrten mit dem Bus von bis zu 500 Kilometern bedürfen langer Planung: Anreise am Tag vorher, Übernachtung im Hotel, Abreise oft am Tag nach dem Spiel – dann sind die Studenten schon mal drei Tage der Uni fern, mitten im Semester. „Man hat den Laptop aber immer dabei. Ich studiere auch noch“, sagt Laudahn, „aber die Professoren helfen dir, indem sie Abgabefristen verlängern.“

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