„Schiedsrichterei wird immer gefährlicher“ - Helmut Klöpper plaudert aus dem Nähkästchen

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30 Jahre lang pfiff der Borker Helmut Klöpper Fußballspiele. Mit 80 Jahren ist nun Schluss. Spannende Anekdoten zur Schiedsrichterei, zum PSV und zum Fußball allgemein hat er genug.

von Nico Ebmeier

Bork

, 20.02.2020, 14:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer 30 Jahre lang Schiedsrichter war, hat so Einiges erlebt. Nicht nur zwei Welt- und Europameistertitel, sondern besonderes eine regelrechte Berg- und Talfahrt beim PSV Bork erlebte Helmut Klöpper in dieser Zeit mit.

Bis zuletzt lief der 80-jährige Schiedsrichter das Spielfeld rauf und runter, denn „ich bin für mein Alter noch richtig fit“, erzählt er stolz. 4000 Kilometer sei er alleine im vergangenen Jahr mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, zusätzlich zum regelmäßigen Rehasport. Dennoch - mit 80 Jahren muss auch mal Schluss sein. „Es ist überhaupt nicht so, dass ich dem Spiel nicht mehr hinterher kam. Aber trotzdem wird der Fußball immer schneller und dann musste ich eben auch mal Platz für die neue Schiedsrichtergeneration lassen.“

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Eine Generation, die sich nun mit Problemen rumschlagen muss, die Helmut Klöpper so selbst lange gar nicht kannte. „Ich war nie ein Mann des Sportgerichts“, sagt er mit einem herzlichen Lacher. „Als ich noch Spieler war, habe ich auch gerne und viel mit dem Schiedsrichter geredet und ihn auch mal kritisiert. Wohin aber momentan die Entwicklung geht, ist aber fast schon beängstigend.“

Helmut Klöpper: „Es ist fast schon beänstigend“

Was genau meint der 80-jährige Veteran? „Es ist alles irgendwie lauter und roher geworden. Das lernen die Kinder ja mittlerweile in der F-Jugend. Dieses ganze Lamentieren und Meckern, wie in der Bundesliga.“ Und Klöpper konnte diese Entwicklung genau mitverfolgen. Nach seiner aktiven Zeit bei Bork, spielte er immer noch lange in der Altliga und kassierte zuletzt noch am Platz den Eintritt zu PSV-Ligaspielen ab.

In diesen ganzen Jahren als aktiver und passiver Fußballer ist ihm aber eines besonders klar geworden: „Die Schiedsrichterei wird immer gefährlicher. Die Geschichte, die man von anderen Plätzen hört, machen richtig Angst.“ Er selbst sei von dem Ganzen aber stets verschont geblieben. Vielleicht aber auch, weil Klöpper in den letzten Jahren sich vom Männerfußball entfernt und nur noch die Frauen und die Jugend gepfiffen hat. Sein Lieblingsspiel war auch eine Damen-Partie. „Es war ein Landes- oder Oberligaspiel in Seppenrade. Da war schon ein ordentliches Tempo drin, das hat richtig Spaß gemacht“, sagt Klöpper.

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Besonders viele Geschichten hat der Schiedsrichter aber in seiner Heimat, beim PSV Bork erlebt. Die jüngere Vergangenheit macht ihm dabei etwas Sorgen: „Ich glaube dieser verpasste Aufstieg 2017 war ein großer Knackpunkt für die Entwicklung des Vereins. Da hatten wir eine wahnsinnig gute Offensive und die vielleicht einmalige Chance, in die Bezirksliga aufzusteigen.“ Vor drei Jahren wurde der PSV mit 124 Toren und 73 Punkten in der Kreisliga A Meister, verlor aber in den Entscheidungsspielen zur Bezirksliga sowohl gegen Unna als auch gegen Ennigerloh. Im folgenden Jahr wurde Bork dann nur 14., ehe im vergangenen Jahr sogar der Abstieg in die B-Liga folgte.

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„Das war auf allen Positionen eine überragend besetzte Mannschaft. Aber als es dann nicht gereicht hat, sind sie alle dem großen Geld gefolgt und in die oberen Ligen gewechselt“, erinnert sich der Ex-Schiri. Vielleicht sei das auch Problem des heutigen Amateurfußballs, erzählt er weiter. „Du kannst in den Kreisligen eigentlich nur noch richtig gut sein, wenn du richtig viel Geld investierst. Das macht die Kreisliga kaputt.“

Sorgen um den PSV Bork

Genauso sorgvoll macht ihn die aktuelle Situation um „seinen“ PSV Bork. „Mit Marco Logemann steht der Verein aktuell ja vor einem Umbruch und was ich mitbekomme, scheint ganz gut zu sein. Allerdings sollten sie im nächsten Jahr dringend wieder in die A-Liga aufsteigen, um nicht dort unten zu versauern.“

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