TTC-Vorstand Jäger-Kersting: „Es ist schwieriger geworden, junge Menschen zu begeistern“

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Die Tischtennisspieler des TTC Selm feiern 50-Jähriges am Freitag, 25. Oktober: In der Gaststätte Suer erinnern die Mitglieder an gute, alte Zeiten. Doch auch die Zukunft ist ein Thema.

Selm

, 24.10.2019, 18:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind keine einfachen Zeiten für den Tischtennissport, in denen der TTC SG Selm sein 50-jähriges Bestehen. Er hat zu einem kleinen Festakt am Freitagabend ins Gasthaus Suer eingeladen. Sinkende Mitgliederzahlen, kaum Nachwuchs und sportlich hat die erste Mannschaft als Bezirksklasse-Schlusslicht die besten Zeiten auch länger hinter sich. Werner Jäger-Kersting, der von 2006 bis 2012 den Verein schon einmal führte, ist seit 2018 wieder Vorsitzender - und blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft.

Welche Erinnerungen kommen bei Ihnen hoch, wenn Sie an 50 Jahre TTC Selm zurückdenken?

Eigentlich ging es ja schon viel früher los. 1946 spielten die Ersten Tischtennis. Der TTC SG Selm wurde 1969 aus zwei Vorgängervereinen gegründet. Wenn ich als Schüler mein Spiel gewonnen hatte, konnte ich mit dem Spielbericht in die Kneipe gehen und bekam eine Cola oder eine Fanta - aber nur, wenn wir gewonnen haben! (lacht)

Ist Ihnen nicht manchmal Angst und Bange um den Tischtennissport?

Angst habe ich nicht, aber wir sind in einer anderen Zeit. Es ist schwieriger geworden, junge Menschen zu begeistern. Wir haben jetzt 17 Jahre Jugendarbeit gemacht und mussten sie leider im Moment beenden. Wir hatten keinen Trainer mehr und kaum noch Jugendliche.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Wir hoffen auf die jungen Väter, die hoffentlich wieder einsteigen und ihre Kinder zum Tischtennis führen. So ist es in kleinen Vereinen häufig gewesen. Bei mir war es mein Onkel, der uns animiert hat. Bis Mitte der 80er-Jahre hatten wir einen Trainer, Willi Grieshaber, der viel geleistet hat. Es liegt immer an Einzelnen.

TTC-Vorstand Jäger-Kersting: „Es ist schwieriger geworden, junge Menschen zu begeistern“

Werner Jäger-Kersting © Mario Bartlewski

„Ansonsten ist die Altersgruppe der ersten Mannschaft schon im Bereich 40/50. Das Alter der anderen Mannschaften ist noch etwas höher.“
Werner Jäger-Kersting

Ist das nicht ungesund?

Mitte der 80er-Jahre hatte der Verein einen Boom erlebt. Da lief es: Verbandsliga, Oberliga - da kamen andere Spieler von außen. Zu der Zeit hat es über Jahre eine gute Jugendarbeit gegeben. Dazu gehört ich seinerzeit auch. Viele sind auch geblieben. Heute machen die jungen Leute Abi, gehen studieren und sind irgendwo verteilt.

Die Altersstruktur ist heute so, dass man den Verein „überaltert“ nennen würde.

Wir müssen damit leben, dass David Köppeler nicht spielt, und Michael Arndt ist auch unter 40, ist aber gerade junger Papa geworden und will nicht so regelmäßig spielen. Ansonsten ist die Altersgruppe der ersten Mannschaft schon im Bereich 40/50. Das Alter der anderen Mannschaften ist noch etwas höher. In der vierten ist das eher 60 plus. Wir hoffen, dass immer mal junge Spieler zurückfinden.

Sie sagen, dass Sie „hoffen“, müssten Sie nicht mit einem Konzept an das Problem rangehen, statt auf das Prinzip Hoffnung zu setzen?

Es gibt immer wieder Versuche, mit Stadtmeisterschaften an Grundschulen heranzutreten. Oft ist die Rückmeldung, dass die Kinder drei bis fünfmal kommen. Heute sind so viele Möglichkeiten da, Freizeit zu gestalten. Wir haben auch mit der Einführung der Ganztagsschule beobachtet, dass einige aufgehört haben. Häufig bekommen wir die, die beim Fußball aussortiert wurden oder alles mal ausprobiert haben. Es fehlt bei den Kiddies auch manchmal der Ehrgeiz.

TTC-Vorstand Jäger-Kersting: „Es ist schwieriger geworden, junge Menschen zu begeistern“

„Mitte der 80er-Jahre hatte der Verein einen Boom erlebt. Da lief es: Verbandsliga, Oberliga - da kamen andere Spieler von außen“, erzählt Werner Jäger-Kersting. © Mario Bartlewski

Obwohl es in Timo Boll einen Weltklasse-Spieler in Deutschland gibt.

Ja, nach Düsseldorf sind wir mit Jugendlichen auch schon einige Male hingefahren. Da wird nochmal ein anderer Ball gespielt wird. Wir bewegen uns aber im Breitensport. Der Mut ist natürlich da, aber er ist verhalten.

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