Warum der SV Fortuna Seppenrade die Kooperation mit dem DFB beendet hat

DFB-Stützpunkt

Sieben Jahre lang war die Anlage von Fortuna Seppenrade DFB-Stützpunkt. Der einzige in dieser Region. Doch die Fortuna wirft den Deutschen Fußball-Bund raus. Hier sind die Gründe dafür.

von Nico Ebmeier

Selm

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Warum der SV Fortuna Seppenrade die Kooperation mit dem DFB beendet hat

Der Vertrag ist gekündigt - Seppenrade ist auf eigenen Wunsch ab August kein DFB-Stützpunkt mehr. © Verena Hasken

Die Sportanlage in Seppenrade verliert seinen Status als DFB-Stützpunkt. „Es hat uns unglaublich Spaß gemacht, DFB-Stützpunkt zu sein“, erklärt Walburga Krebber, Vorsitzende der Fortuna. „Doch unter diesen Voraussetzungen ist es für uns leider nicht mehr möglich.“ Seit 2012 gab es die Kooperation an der Reckelsumer Straße, aber nun kommt es am 31. Juli endgültig zu der Trennung.

Nutzungsentgelt vom DFB viel zu gering

Der Grund ist einfach: Es geht - wie fast immer - um´s Geld. „Wir bekommen zwar vom DFB ein sogenanntes Nutzungsentgelt, aber das ist für die anfallenden Betriebskosten erheblich zu wenig“, sagt die Vorsitzende, ohne eine genaue Zahl zu nennen.

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Die 2012 geschlossene vertragliche Vereinbarung beinhalte, dass der Deutsche Fußball-Bund jeden Montag drei Stunden lang die Seppenrader Anlage zum Stützpunkttraining nutzen darf - inklusive aller Kabinen und Ballräume. „Es war hier permanent in dieser Zeit alles belegt“, so Walburga Krebber. „Sowohl die Schiedsrichterkabine als auch die Ballräume. Und wer sich im Fußball auskennt, weiß, dass bei so vielen Jugendmannschaften die Ballräume generell schon überfüllt sind.“

Auch Wasserkosten für die Duschen oder Stromkosten für das Flutlicht im Winter muss der Verein selbst tragen und zudem unregelmäßig am Wochenende Räume für Sichtungs- oder Weiterbildungslehrgänge anbieten. „Und da hat das Nutzungsentgelt bei Weitem nicht gereicht, um diese Kosten zu decken“, sagt die Seppenraderin.

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Näherungsversuche aus Seppenrade wurden zerschlagen

Aber die Fortuna wollte nicht sofort die Reißleine ziehen. „Es gab eigentlich immer eine gute Zusammenarbeit, also dachten wir, dass wir uns bestimmt entgegenkommen können“, so Krebber. Also traf sich der Seppenrader Vorsitz mit Herbert Hrubesch, Koordinator für die westfälischen Stützpunkte, doch dieser habe von Beginn an klar gemacht, dass es keine materiellen oder finanziellen Annäherungen geben könne.

„Uns hätten ja auch alle zwei Jahre mal 20 neue Bälle gereicht oder mal ein paar Eintrittskarten für ein Bundesligaspiel“, sagt Walburga Krebber lachend. „Aber es hieß permanent nur, dass alle Stützpunkte gleich behandelt werden müssten und deshalb keine Annäherung stattfinden könnte.

DFB-Stützpunkt sein lohnt sich für Vereine nicht

Generell hat sich die Zeit als Stützpunkt kaum für die Fortuna gelohnt. „Klar, man denkt, die Kinder kommen in Massen, weil so ein Schild an deiner Anlage hängt. Aber so ist es leider nicht. Wir konnten keinen höheren Andrang seit 2012 feststellen.“

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Nun muss sich der DFB wohl auf die Suche nach einem neuen Stützpunkt hierzulande machen, obwohl Seppenrade „immer für Gespräche zu haben bleibt“. Auf de Homepage des Vereins klang das noch ganz anders: „Die Aussagen in den Sonntagsreden der DFB-Funktionäre, den Amateurbereich zu stärken, gehen gemessen an der alltäglichen Realität daneben. Der DFB als mitgliederstärkste Sportfachverband der Welt mit seinen starken Finanzmitteln (95 Mio. € freie Rücklagen lt. Geschäftsbericht 2018) tritt seinen Amateurbereich mit Füßen und lässt die Vereine vielfach im Regen stehen.“

Gibt es einen neuen Stützpunkt?

Die Suche nach einem neuen Stützpunkt in der Region könnte schwer werden. „Die Anforderungen an einen Verein sind sehr hoch. Es muss zwei Trainingsplätze geben, die beide am besten mit Kunstrasen bestückt sind und Flutlicht haben, damit auch im Winter trainiert werden kann“, sagt Krebber.

Vor Seppenrade hatte es in der Region in Dülmen einen DFB-Stützpunkt gegeben, doch diese Kooperation wurde aufgrund des fehlenden Kunstrasens aufgelöst. Insgesamt gibt es laut DFB-Internetseite bundesweit 366 Stützpunkte. Von Seppenrade aus befinden sich die nächsten Stützpunkte in Albersloh, Massen, Dortmund-Hörde, Herne, Marl und Hochmoor. Eine Karte im Internet zeigt alle Standorte an.

Der DFB nimmt keine Stellung

Auf Anfrage der Ruhr Nachrichten zu den Gründen für die Kündigung der Kooperation sowie zur Suche nach einem neuen Stützpunkt antwortete der DFB bis Mittwochnachmittag nicht.

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