Wegen Coronavirus: Auch der FLVW sollte die Saison absagen

mlzKlare Kante

Wie sollen bitte so viele Spieltage bis zum Sommer nachgeholt werden? Eine Fortsetzung des Spielbetriebs ist erstmal nicht denkbar. Die Saisonabsage dauert nicht mehr lange.

Selm, Werne, Lünen

, 23.03.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Machen wir uns nichts vor: Der Fahrplan der Amateurfußballer ist schon lange nicht mehr zu halten. Der Fußball- und Leichtathletikverband (FLVW) sollte daher handeln und zumindest schon einmal eine Saisonverlängerung bekanntgeben. Ob die reicht, ist aber keinesfalls sicher.

Sonntag, 24. Mai, ist der Stichtag in diesem Jahr. An diesem letzten Spieltag schließt die Fußballsaison der Amateure von der D-Liga in den 29 Kreisen bis hoch zur Oberliga im Landesverband Westfalen. Dann sollen Absteiger (bis auf einige Relegations- und Entscheidungsspiele) und Meister feststehen unter den rund 15.800 Mannschaften.

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Doch schon jetzt lässt sich erahnen: Der 24. Mai wird nicht reichen. Sollte der Ball nach dem 19. April - bis dahin gilt vorerst die Aussetzung des Spielbetriebs - wieder rollen dürfen, wie soll es noch klappen, die Saison an fünf Sonntagen zu Ende zu spielen?

Manche Mannschaften haben noch 15 Spiele zu absolvieren

Selbst wenn wir Sonntag, 31. Mai, noch in den Spielplan hinzunehmen und Englische Wochen im Rhythmus Mittwoch-Sonntag-Mittwoch spielen, könnte man in diesem Zeitraum maximal zwölf Spieltage abwickeln. Doch das wird nicht reichen.

Kontra-Beispiele gibt es reichlich.

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Nur eines von vielen: Der VfB Alstätte in der Fußball-Bezirksliga 11 ist wegen eines nicht bespielbaren Platzes schon einige Spiele im Verzug. 15 Partien muss das Ligaschlusslicht bis zum Saisonfinale austragen. Und dienstags, freitags und sonntags zu spielen, ist wohl kaum eine Lösung.

FLVW muss die Spielzeit verlängern

Daher ist schon jetzt absehbar: Bis 30. Juni muss der Verband die Spielzeit wohl verlängern, wenn er seinen Fußballern ein bisschen Luft zum Atmen zugestehen möchte. Doch dann drohen neue Probleme: Etwaige Einspruchsverfahren gegen Spielwertungen in Entscheidungsspielen hat es in den vergangenen Jahren oft gegeben. Union Lüdinghausen ging durch mehrere Distanzen, um sich die Bezirksliga zu erstreiten. Das dauerte Wochen.

Die hat der Verband aber nicht mehr wirklich, wenn er die nächste Saison ordnungsgemäß beginnen möchte - ein Dilemma. Und da in den vergangenen Tagen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens zunahmen, um die steigenden Infiziertenzahlen unter Kontrolle zu bekommen, dürften die nächsten zwei Wochen entscheidend sein, ob überhaupt noch einmal gespielt wird. Doch dass tausende Fußballer sich wieder wöchentlich treffen, dürfte nicht im Sinne der Gemeinschaft sein, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern.

Saisonabbruch wäre der sinnvollste Weg

Der Ausweg: Der FLVW sollte - wie es auch andere Verbände vorgemacht haben - zeitnah für Planungssicherheit sorgen. Wenn die Basketballer bei nur noch vier ausstehenden Spieltagen die Saison abblasen, ist es keine Schande, wenn die Fußballer es ihnen gleichtun.

Komplizierter ist es im Fußball aber allemal, damit alle Vereine zufriedengestellt sind. Die Saison war mit 60 bis 65 Prozent Fortschritt nicht weit genug, damit erste Entscheidungen sportlich fallen konnten. Vermehrter Aufstieg ist wohl kaum eine Option, wenn theoretisch noch zehn Vereine pro Liga aufsteigen könnten.

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