Rote Karten in Testspielen: zu hart oder genau richtig? Wir diskutieren über das Aufreger-Thema beim Fußball. © Sebastian Reith
Pro & Contra

Diskussion um Rote Karten in Testspielen: Sollten Schiedsrichter eine harte Linie fahren?

Auswechslung statt Platzverweis: In Testspielen lassen manche Schiedsrichter bei rot-würdigen Vergehen Gnade vor Recht ergehen, andere greifen knallhart durch. Welcher Weg ist richtig? Wir diskutieren.

Ein grobes Foulspiel, eine Unsportlichkeit, eine Beleidigung oder gar Tätlichkeit? Nicht nur in Fußball-Meisterschaftsspielen passieren solche Dinge – leider auch in sogenannten Freundschaftsspielen. Da, wo sie eigentlich erst recht nicht hingehören.

Nicht selten kommt es vor, dass Schiedsrichter in solchen Fällen eine „lange Leine“ walten lassen – und von Platzverweisen absehen. Aber nicht immer. Wir diskutieren in unserem Pro & Contra:

Sollen Schiedsrichter auch in Testspielen eine harte Linie fahren?


Pro: Rote Karten müssen gezeigt werden, sonst lernen es die Spieler nicht.

Von Marcel Schürmann

Wie oft habe ich diese Aussage nun schon von heimischen Trainern gehört? Nachdem ein Referee einen ihrer Akteure mit dem Roten Karton vorzeitig zum Duschen geschickt hat, kommt häufig die Aussage: „Ich hätte den Spieler ja auswechseln können.“ Diese Herangehensweise wäre vollkommen daneben, doch leider kommt es immer wieder vor, dass Schiedsrichter sich von den Trainern bereden lassen oder gar selbst auf diese absurde Idee kommen.

Denn seien wir mal ehrlich: Mancher Spieler hat es nicht anders verdient, als auch in einem Testspiel mal die Augen geöffnet zu bekommen. Ja, es sind nur Testspiele. Aber gerade wenn der Freundschaftscharakter in dieser Phase der Saisonvorbereitung mit Füßen getreten wird, müssen die Schiris hart durchgreifen.

Schiedsrichter, die regelkonform handeln, sind die besseren ihres Fachs

Was passiert, wenn ein Schiri mal die lange Leine praktiziert, liegt doch auf der Hand: Die Spieler werden aus ihren Fehlern nicht lernen und spätestens im Meisterschaftsbetrieb wird der eine oder andere Rotsünder plötzlich doof aus der Wäsche gucken, wenn ein Schiedsrichter das Spiel für ihn mal frühzeitig mit einem Platzverweis beendet.

Die Marschroute ist daher klar: Schiedsrichter, die keinen Unterschied machen zwischen Test- und Meisterschaftsspielen, sind die besseren ihres Fachs.

Umfrage

Sollten Schiris auch in Testspielen so durchgreifen, wie sie es in Meisterschaftsspielen tun würden
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Contra: Eine Auswechslung ist in einem Testspiel ein adäquater Ersatz für eine Rote Karte.

Von Johanna Wiening

Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: Ein Abwehrspieler greift im heimischen Strafraum einen heraneilenden Stürmer mit Ball an, holt ihn von den Beinen. Ob er aber in dieser Situation erst den Ball oder erst den Gegner gespielt hat, war kaum zu erkennen.

Natürlich kann ein Schiedsrichter in dieser Situation die Rote Karte geben, wenn er davon überzeugt ist, dass der Abwehrspieler erst den Stürmer und dann den Ball trifft. Aber ist das in einem Testspiel wirklich nötig? Besonders in strittigen Situationen ohne Böswilligkeit sollte die Karte im Test definitiv stecken gelassen werden.

Der Platzverweis zieht einen Rattenschwanz hinter sich her, der niemandem hilft. Was bringt es dem gegnerischen Team, wenn es mit einem Spieler mehr im Test auf dem Feld steht? Nichts, denn die Voraussetzungen, unter denen dann getestet wird, ändern sich. Statt unter Normalbedingungen zu spielen, ist man plötzlich in Überzahl – eine Situation, die wohl nicht getestet werden sollte. Noch bitterer ist es natürlich für den betroffenen Rotsünder, der in der Vorbereitung mehrere Spiele fehlt und sich nicht zeigen kann.

Ein Ersatz ist da definitiv die Auswechslung. Sie würde das Fingerspitzengefühl eines Schiedsrichters beweisen. Außerdem würde der Spieler so Konsequenzen bekommen, ohne gleich für mehrere Spiele außen vor zu sein. Und auch für den Gegner gäbe es keinen Nachteil. Eine härtere Bestrafung ist in einem Testspiel in den meisten Fällen überflüssig.

Natürlich sollten Spieler, die sich heftige Entgleisungen – wie etwa Anspucken des Gegners – leisten, auch in Testspielen dementsprechend bestraft werden. Aber bei Fouls, die nicht böswillig oder sogar strittig sind, sollte die Rote Karte stecken bleiben.

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Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann
Redakteurin
Geboren im Münsterland, aber schnell verliebt in den Ruhrpott. Mit dem Herzen vor allem beim Fußball, aber auch begeistert von vielen anderen Sportarten. Seit 2018 bei Lensingmedia, seit 2020 Sportredakteurin.
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Johanna Wiening

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