Das Finale um die deutsche Futsal-Meisterschaft fand 2015 mit Unnaer Beteiligung und vor 2500 Zuschauern statt. © Bernd Paulitschke
Fußball

Kreisliga-Trainer spielte vor Jahren vor 2500 Fans um die deutsche Futsal-Meisterschaft

Ein Kreisliga-Trainer aus Unna stand vor sechs Jahren im Finale der deutschen Futsal-Meisterschaft. Das ging zwar verloren, an die besondere Atmosphäre wird er sich aber immer erinnern können.

In den Genuss einer solchen Kulisse kommt man als Amateursportler nicht oft. Vor sechs Jahren standen die Futsaler von Holzpfosten Schwerte im Finale um die Deutsche Meisterschaft, der Gegner hieß Hamburg Panthers. Über 2500 Zuschauer – angeführt von den lautstarken Holzpfosten-Fans – verwandelten die Hagener Ischelandhalle zwischenzeitlich in ein Tollhaus. Mittendrin: Ein Spieler Schwertes, der mittlerweile Kreisliga-Trainer in Unna ist.

Patrick Kulinski geht am Abend gegen 20 Uhr ans Telefon. Der Trainer von Fußball-A-Ligist Rot-Weiß Unna hat gerade seinen ersten Arbeitstag nach einer Woche Urlaub hinter sich. Der 31-Jährige ist in der Fußballakademie von Borussia Dortmund angestellt – und hat am ersten Tag direkt mal Überstunden geschoben. Solche Tage gebe es halt, bemerkt Kulinski müde.

Angesprochen auf seine Futsal-Karriere, muss er kurz lachen und plaudert anschließend munter drauf los. Von der Abgekämpftheit nach dem langen Arbeitstag ist nichts mehr zu spüren.

Patrick Kulinski im Holzpfosten-Trikot.
Patrick Kulinski im Holzpfosten-Trikot. © privat © privat

Die „goldene Zeit“ habe er damals miterlebt, berichtet Kulinski. Als Futsaler hat er jahrelang für die Holzpfosten Schwerte gespielt und stand bei den Finals um die Deutsche Meisterschaft 2014 und 2015 auf dem Platz. Vor allem das Endspiel 2015 ist dem heutigen Trainer von RW Unna besonders im Gedächtnis geblieben.

„Das war so ein besonderer Moment: Vor über 2500 Zuschauern in die Halle einzulaufen, dann die Nationalhymne zu hören, die auch noch live gesungen wurde“, beschreibt Kulinski die Augenblicke vor dem Anpfiff.

Nachdem Schwerte das Endspiel ein Jahr zuvor mit 3:5 gegen Nafi Stuttgart verloren hatte, sah es gegen Hamburg diesmal besser aus: Patrick Kulinski selbst war es, der sich beim Stand von 1:1 ein Herz nahm und aus der Distanz abzog – der knallharte Schuss, gezogen wie an einer Schnur, zappelte im Netz.

„Als ich das 2:1 geschossen habe, herrschte komplette Ekstase, Glücksgefühle pur. Das war so ein Moment im Leben, den man nur ganz schwer mit Worten beschreiben kann“, erinnert sich Kulinski, „den man aber niemals vergessen wird“.

Kulinski und die Holzpfosten verlieren in der Verlängerung

Vergessen würde Kulinski vielleicht gerne den Rest des Spiels. Sein Tor sollte nicht das Letzte gewesen sein: Nach der regulären Spielzeit stand es 3:3, in der Verlängerung setzten sich die Hamburger letztlich mit 6:3 durch.

An die Holzpfosten-Zeit, die für Kulinski zugunsten der Trainer-Karriere vor zweieinhalb Jahren endete, erinnert er sich in der Summe aber gerne zurück: „Von 2013 bis 2015 war es gefühlt ein Profileben im Amateursport.“ Kulinski spielte parallel Fußball und Futsal, trainierte an vier Tagen in der Woche und spielte am Wochenende samstags und sonntags.

Auf die Fans von Holzpfosten Schwerte war stets Verlass.
Auf die Fans von Holzpfosten Schwerte war stets Verlass. © privat © privat

„Bei den Auswärtsspielen sind wir freitags los, ich bin früher von der Arbeit weg oder habe einen halben Tag Urlaub genommen. Abends waren wir im Hotel, samstags haben wir Futsal gespielt und sind sonntags wieder zurück“, beschreibt Kulinski, der dann noch auf dem Fußballplatz stand.

„Von der Belastung her war es das Pensum eines Profis und vielleicht der Grund dafür, dass ich meine Schuhe ein oder zwei Jahre früher an den Nagel gehangen habe als geplant“, mutmaßt Kulinski. Etwas ändern würde er rückblickend allerdings nicht: „Nein, das war eine mega Zeit. Wir waren in ganz Deutschland unterwegs und es hat einfach nur Spaß gemacht.“ Genug Spaß, um auch nach einem langen Arbeitstag allein durch die Erinnerung nochmal ins Schwärmen zu geraten.

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Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
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