Richard Wollheim (58, r.) ist mit dem Ball am Fuß die Ruhe selbst. © Schürmann
Fußball

„Na, Opa! Spielst du immer noch?“ – Kreisliga-Kicker hält auch mit 58 Jahren noch die Knochen hin

Der eine oder andere Spruch ist vorprogrammiert, wenn dieser Spieler auf dem Rasen steht. Die Nickligkeiten der Gegner steckt der Routinier locker weg. Denn er läuft manch Jüngerem immer noch davon.

Von den Gegenspielern manchmal belächelt, von den eigenen Mitspielern bewundert: Dieser Kreisliga-Kicker ist ein echtes Unikat. Auch mit 58 Jahren hält er immer noch die Knochen hin für seinen Verein, für den er alles gibt – an manchem Wochenende ist er sogar doppelt im Einsatz.

Richard Wollheim ist noch fit wie ein Turnschuh. Deshalb hilft er gerne auch in der zweiten Mannschaft des SV Afferde in der Kreisliga D aus. „Aber nur, weil wir zurzeit echt große Personalprobleme haben. Eigentlich sollte die Jugend spielen“, sieht sich Afferdes Routinier mehr als Back-up.

Zuletzt war er am vergangenen Wochenende im Einsatz: Ist er für gewöhnlich nur für die Alten Herren der SG Afferde/Wickede aktiv, war er am Sonntag für die zweite Seniorenmannschaft im Spiel gegen BR Billmerich II (2:6) im Einsatz. Hier stand er über die vollen 90 Minuten auf dem Platz.

„Na Opa, spielst du immer noch“

„Ich wollte eigentlich gar nicht spiele, da ich gerade noch eine Zerrung auskuriere“, sagt Wollheim mit einem Lachen. Von der Blessur hat man am Afferder Weg am Sonntag aber mal gar nichts gesehen.

„Richie“ Wollheim befreite den SVA so gut es ging von den Angriffen der jungen Billmericher Mannschaft, die immerhin als ungeschlagener Tabellenführer angereist war. Er hielt auch verbal nicht zurück und maßregelte den Billmericher Coach, von Außen doch bitte nicht so viel Hektik ins Spiel zu bringen – mit Erfolg.

Der Respekt sei immer da, auch wenn es von dem einen oder anderen Gegenspieler mal einen Spruch gibt. „Das ist immer der gleiche: ‚Na, Opa! Spielst du immer noch?‘ Aber da höre ich weg.“ Denn erstaunlicherweise könne der „Opa“ manch einem 30-Jährigen immer noch davonlaufen, sagt Wollheim. „Das ist dann schon sehr bedauerlich.“

„Richie“ Wollheim kann noch genauso spielen wie mit 30 – und ebenso feiern

In seiner Karriere hatte der erfahrene Abwehrmann auch andere Stationen als nur den SV Afferde. Er war im Dortmunder Raum und zu Bundeswehrzeiten in Bremen aktiv, „aber das ist schon so lange her. Ich erinnere mich kaum“, so Wollheim weiter.

Als Jugendtrainer nahm er um die Jahrtausendwende eine ganze Mannschaft aus Königsborn mit nach Afferde und durchlief mit ihr alle Jahrgänge. „Da war auch die eine oder andere Meisterschaft dabei“, lag für Wollheim die Jugendarbeit immer am Herzen. Doch auch bei den Senioren half er mal als Interimstrainer aus.

Nicht mehr der Schnellste, aber mit gutem Stellungsspiel gesegnet: Richard Wollheim, der in seiner gesamten Laufbahn von schweren Verletzungen verschont geblieben ist. © Schürmann © Schürmann

So viel Engagement bringt ihm einen besonderen Status im Verein ein. „Er ist einfach eine Legende“, schießt es aus Mitspieler und Trainerkollege Angelo Lo Giudice heraus, als er auf Wollheim angesprochen wird.

Dass er auch mit 58 Jahren noch mitwirken kann, bezeichnet Wollheim als großes Glück: „Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich nie groß verletzt war. Davon bin ich immer verschont geblieben. Ich kann auch heute noch genauso spielen wie mit 30 Jahren – und ebenso feiern.“

Vertrag bis 2031 – Wollheim will weiterspielen, so lange es geht

Nicht mehr der Schnellste sei er heute. Aber die fehlende Spritzigkeit mache er immer noch durch sein starkes Stellungsspiel und seine Erfahrung wett. Davon kann der SVA wohl noch eine ganze Weile profitieren. „Ich habe bei Afferde für die nächsten zehn Jahre unterschrieben“, sagt Wollheim scherzhaft. Und ernsthaft? „Ich schaue einfach, wie es mir geht. Vielleicht ist nächste Woche Schluss, vielleicht aber auch erst in ein paar Jahren.“

Die Afferder Reserve ist Tabellenletzter in der D2. Die Ergebnisse stimmen nicht, dafür aber die Stimmung in der Truppe. Wollheim: „Klar, wir verlieren nicht gerne. Aber wir sind auch nicht deprimiert. Man spürt bei uns, dass alle Lust haben. Von der Haltung ist es immer so: ‚Nächste Woche packen wir‘s.‘ Deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass wir noch den einen oder anderen Punkt holen werden.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann

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