So viele Kinder - wie hier bei einem Hallen-Jugendturnier im vergangenen Jahr - sollen bei den Mini-Kickern künftig nicht mehr auf dem Platz stehen. © Art

SG Massens Mini-Kicker-Coach schlägt Alarm: „Die Kinder verlieren zwei Jahre“

Der Fußballkreis Unna/Hamm setzt zur neuen Saison eine DFB-Reform um. Die betrifft in erster Linie die jüngsten Kicker. Massens G-Jugend-Coach ist davon alles andere als begeistert.

Kleinere Spielfelder, Mini-Tore, nur noch „Drei gegen Drei“. Die DFB-Reform „Funino“ sieht für die jüngsten Fußballer ab der kommenden Saison eine Änderung des Spielmodus vor. Der Fußballkreis Unna/Hamm hat bereits angekündigt, diese Regeländerung sofort umsetzen zu wollen.

Bald wird also auch im Kreis Unna/Hamm Funino gespielt. Funino – ein Kofferwort aus dem englischen „Fun“ (Spaß) und dem spanischen „Niño“ (Kind) – bezeichnet einen speziellen Modus im Fußball, der im Kleinfeldbereich künftig auch auf den heimischen Plätzen angewandt wird.

Kinder lernen die Fußball-Grundlagen künftig erst ab der E-Jugend

Für die Vereine und die Mini-Kicker-Trainer im Kreis bedeutet das eine ganze Reihe an Veränderungen. Dominik Beier ist der G-Jugend-Coach bei der SG Massen. Er ist von der angekündigten Reform alles andere als begeistert und sieht besonders die Kinder als Verlierer der Reform.

„Ich finde die Reform ehrlich gesagt nicht so toll. Für die Kinder wird es in meinen Augen viel schwieriger, später die Grundlagen zu lernen, sobald es nicht mehr um Funino geht“, äußert er seine Bedenken. Die Grundlagen des Fußballs erlernen die Kinder heute schon in ihren Mini-Kicker-Mannschaften. Dort spielen sie im Modus „Sieben gegen Sieben“ – mit einem festen Torwart.

Dominik Beier würde gerne weiterhin jeden Samstag auf den Platz gehen

„Wir haben einen Spieler bei uns, der immer gerne ins Tor geht. Der soll jetzt plötzlich im Feld spielen“, glaubt Beier, dass auch nicht alle Kinder begeistert von dem neuen Spielmodus sein werden.

Dominik Beier, SG Massens G-Jugend-Coach, ist kein Befürworter der Reform.
Dominik Beier, SG Massens G-Jugend-Coach, ist kein Befürworter der Reform. © SGM © SGM

Weitere Inhalte der Reform sind etwa, dass nur noch alle 14 Tage statt wie bisher jeden Samstag gespielt wird. Die Mannschaften spielen künftig kleine Turniere, an denen an jedem zweiten Wochenende vier Mannschaften teilnehmen – die sogenannten Spielfeste. „Ich hatte mich schon daran gewöhnt, jeden Samstag um 8 Uhr auf dem Platz zu stehen. Das sollte auch weiterhin so sein“, meint Beier.

F-Junioren werden ebenfalls an Funino herangeführt

Schon ab der Saison 2021/22 sollen auch die F-Junioren an den Funino-Modus herangeführt werden. Drei Spielfeste sollen pro Halbjahr in den normalen Spielbetrieb integriert werden, ehe ab der Saison 2022/23 auch die F-Junioren komplett im Funino-Modus spielen – in dieser Altersklasse allerdings im Modus „Vier-gegen-Vier“.

„Ich glaube, dadurch verlieren die Kinder ganze zwei Jahre. Im Drei-gegen-Drei oder später Vier-gegen-Vier werden sie nur noch hin und herlaufen. Das Zusammenspiel wird dabei völlig vernachlässigt“, glaubt Beier.

Der G-Jugend-Coach weiß, dass es auch Befürworter der Reform gibt: „Na klar, das sieht ja jeder anders. Bei der Entwicklung haben ja auch Psychologen mitgewirkt. Die werden sich beim DFB ja auch etwas dabei gedacht haben. Aber ich persönlich bin nicht überzeugt.“

Viele Neuanmeldungen: SG Massen plant dritte Mini-Kicker-Mannschaft

Die Massener stellen derzeit zwei Mini-Kicker-Mannschaften. Die elf Kinder der G1-Jugend steigen im Sommer allesamt zu den F-Junioren auf. Viele der knapp 20 Kinder der G2-Jugend springen in den Altjahrgang. Es gibt aber auch zahlreiche Neuanmeldungen. Und zwar so viele, dass die SGM plant, eine dritte G-Jugend-Mannschaft zu gründen.

Mit der Reform wird dann künftig vieles schwieriger. „Allein schon von der Organisation“, sagt Beier, „da müssen wir Trainer plötzlich unsere Augen auf viel mehr Kleinfelder verteilen. Es ist schwierig, mit zwei Trainern so viele Kinder auf dem Platz zu betreuen.“

Die geringsten Sorgen macht sich Beier dabei um das nötige Material, schließlich brauchen die Vereine für die Umsetzung der Spielfeste viel mehr kleine Tore. „Wir haben in Massen schon sechs davon. Wenn wir noch zwei mehr brauchen, ist das wohl das kleinste Problem.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann