Die Deutsche Nationalmannschaft steigt am Dienstag vor Fans mit dem Spiel gegen Frankreich in die EM ein. © dpa
Fußball-EM

Vereins-Funktionär erwartet EM-Strapazen, aber: „Fußballer jammern ja immer“

Der Ball rollt, die EM ist in vollem Gange. Aber die Begeisterung hält sich weiterhin in Grenzen. Und es gibt im heimischen Fußballkreis nach wie vor Kritik.

Das Eröffnungsspiel der Fußball-EM ist bereits ausgetragen. Aber die Begeisterung unter den heimischen Fußball-Fans hält sich weiterhin in Grenzen. Das könnte sich ändern, wenn die Deutsche Nationalmannschaft am kommenden Dienstag ins Geschehen eingreift.

Christoph Golombek, Trainer BSV Heeren: „Eine paneuropäische EM war sicherlich mal eine schöne Idee. In den jetzigen Zeiten steht das aber in meinen Augen in keinem Verhältnis zu der momentanen Situation weltweit. Der Amateursport schaut seit neun Monaten in die Röhre und die Nationalmannschaften reisen über den Kontinent, das passt einfach nicht. Favorit ist aus meiner Sicht Frankreich. Die deutsche Mannschaft kann eigentlich nur überraschen. Wenn sie die schwierige Vorrundengruppe überstehen sollte, ist sicherlich alles möglich. Ein Vorrunden-Aus ist aber auch nicht unwahrscheinlich.“

Daniel Knapp vom FC Overberge glaubt, dass der DFB viele Sympathien verloren hat. © Archiv © Archiv

Daniel Knapp, Sportlicher Leiter FC Overberge: „Mein persönliches Interesse an der EM ist nicht besonders groß. Leider hat die deutsche Mannschaft und vor allem der DFB in der Zeit nach dem WM-Titel in Brasilien und dem Halbfinale 2016 viele Sympathien verloren. Allein der „Coca-Cola Fanklub“ und die Tatsache, dass „Die Mannschaft“ immer mehr zum Premiummarkenprodukt des DFB wird, belegt die Kommerzialisierung. Dem deutschen Team an sich traue ich – wenn sie alle mehr Emotionen, Willen und Kampfgeist zeigen – trotzdem das Viertelfinale zu. Als Favoriten setze ich Frankreich und England an die Spitze. Ich finde die Zeit nach der EM viel interessanter. Wie klappt der Wechsel von Löw auf Flick? Was ändert er und vor allem wie?“

„Vielleicht kommt der Hunger ja beim Essen.“

Stefan Kortmann, SV Langschede

Stefan Kortmann, Trainer SV Langschede: „Man ist momentan irgendwie nicht so richtig in Stimmung dafür. Natürlich werde ich mir die spannenden Spiele auf jeden Fall ansehen. Vielleicht kommt „der Hunger ja beim Essen“. Die Reiserei durch verschiedene Länder finde ich unmöglich und auch irgendwie ein falsches Zeichen. Man hatte genug Zeit, sich darauf anderweitig einzustellen. Da ist die UEFA ihrer Verantwortung nicht nachgekommen. Favoriten sind England und Frankreich. Ich hoffe, dass Deutschland vernünftig durch das Turnier kommt.“

Auch bei Helmut Meierjohann vom SV Frömern war die Begeisterung bei einem EM-Turnier schon einmal größer. © Privat © Privat

Helmut Meierjohann, Sportlicher Leiter des SV Frömern: „Die Begeisterung auf ein Fußballturnier war bei mir schon deutlich größer. Diese Einstellung scheint auch bei Firmen und Unternehmen Einzug gehalten zu haben, denn Merchandise-Artikel, die üblicherweise im Rahmen eines solchen Turniers zur Vermarktung dienen, fehlen fast gänzlich. Eine Ursache mag sicherlich darin liegen, dass das Turnier über den Kontinent verteilt ausgetragen wird.

Darüber hinaus sind die Leistungen unserer Nationalmannschaft natürlich auch nicht dazu angetan, Begeisterung auszulösen. So wäre es für mich schon überraschend, wenn Deutschland den Sprung ins Halbfinale schafft. Realistisch ist mit einem Ausscheiden in der Gruppenphase zu rechnen, nicht zuletzt deshalb, weil wir gleich auf den Turnierfavoriten Frankreich treffen.“

Bernd Schimanski, Geschäftsführer Kamener SC: „Dass die EM in 11 Ländern gespielt wird, finde ich persönlich völlig daneben. Und das nicht nur wegen Corona – es geht ums Geld. Allein das Rumreisen der Mannschaften, dann diese Anstoßzeiten (15 Uhr), da hat man schon keine Lust und auch keine Zeit, sich das anzuschauen. Aber auch hier wieder – es geht nur ums Geld. Meine Favoriten sind Frankreich, England und Belgien. Man muss aber auch abwarten, wie die Spieler die lange Saison weggesteckt haben. Denn: Fußballer jammern ja immer. Die sollten mal auf die Eishockeyspieler blicken: Samstags Halbfinale, sonntags Finale.“

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