Annika Patzdorf ist die Meisterin des Spagats

SportFreund des Jahres

Annika Patzdorf ist das Gesicht des Werner Volleyball-Sports. Sie spielt selber in der Oberliga und führt die TVW-Jugend als Trainerin in eine erfolgreiche Zukunft – ehrenamtlich und neben dem Job. Dieses Engagement könnte nun belohnt werden.

Werne

von Juri Kollhoff

, 28.12.2017, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Spielen, coachen, anfeuern, loben: All diese Aufgaben übernimmt Annika Patzdorf beim TV Werne.

Spielen, coachen, anfeuern, loben: All diese Aufgaben übernimmt Annika Patzdorf beim TV Werne. © Greis

Annika Patzdorf ist Spielerin der Oberliga-Damen des TV Werne und gehört zum Kern der ersten Mannschaft. Doch das, was die 24-Jährige für den Verein so wertvoll macht, ist ihr unermüdlicher Einsatz in der Jugendarbeit. Trotz ihres jungen Alters engagiert sich Patzdorf schon unzählige Jahre für die Volleyballabteilung des TV Werne. Seit über sechs Jahren unterstützt sie den Vorstand und bekleidet aktuell den Posten der Jugendwartin – und das alles macht sie ehrenamtlich.

Unterstützung von der Chefin

Das Engagement von Patzdorf ist ein großer Grund dafür, dass auch die jüngsten Talente des TV Werne wieder überregionale Erfolge feiern können. Sie trainiert die zweite Damen des TV Werne, die als Nachwuchsmannschaft in der Bezirksklasse antritt, und betreut darüber hinaus mehrere Jugendmannschaften. Das alles schafft sie, ohne dass der Job darunter leidet oder ihre eigene Mannschaft zu kurz kommt. Patzdorf arbeitet als Logopädin in der Praxis für Sprachtherapie in Werne. Ihre Chefin ermöglicht es ihr, die Arbeitszeiten an ihre Trainingszeiten anzupassen und durch kurze Fahrtwege schafft sie den Spagat zwischen der Tätigkeit als Spielerin und Trainerin.

Dabei erhält sie auch Unterstützung von ihrem Freund Jonas, den sie als genauso volleyballverrückt wie sich selbst bezeichnet. Patzdorf opfert ihre Freizeit und auch ihren Urlaub, um ihre Mannschaften am Wochenende zu coachen oder ins Trainingslager zu begleiten. Als Opfer möchte sie das jedoch nicht gelten lassen. Die ganze Zeit, die sie in der Sporthalle verbringt, ist für „Olli“, wie sie von ihren Teamkameradinnen liebevoll genannt wird, der perfekte Ausgleich zum Arbeitsalltag. Auf die Frage ihrer Chefin wie sie denn all die verschiedenen Aufgaben in ihrer Vollzeitstelle, als Spielerin und Trainerin und im Haushalt organisiert bekomme, antwortet Patzdorf: „Das sind für mich keine Aufgaben. Als Trainerin erlebe ich eine Mannschaft, die eine unglaubliche Entwicklung durchlebt. Junge Spielerinnen wachsen zu großen Sportlerinnen heran und arbeiten diszipliniert und ehrgeizig – und so macht es mir einfach noch mehr Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“ Die Zeit beim Volleyball sei für sie wie aktive Erholung: „Die Sporthalle ist für mich wie für manch andere ein gutes Buch oder Nähen.“

Mit Herzblut dabei

Eine ihrer Schützlinge, Marla Bergmann, schaffte es kürzlich sogar in den Auswahlkader des Westdeutschen Volleyball-Verbandes, was für den TV Werne ein Riesenerfolg ist. Auch Annika Böhle, Vorsitzende der TVW-Volleyballer ist von den Fortschritten der Reserve und der Jugendmannschaften begeistert und weiß genau, bei wem sie sich zu bedanken hat. „Olli trägt super viel zum Verein bei. Sie trainiert und coacht jedes Mal mit viel Herzblut. Mit ihr zusammen können wir die Jugendarbeit im Werner Volleyball wiederaufbauen“, erklärt Böhle.

Selbst hat Patzdorf erst verhältnismäßig spät angefangen, Volleyball zu spielen. In der fünften Klasse kam sie über eine Volleyball-AG des Christophorus Gymnasiums zum TV Werne, davor machte sie Leichtathletik. Schnell wurde sie dann fester Bestandteil des Vereins, konnte in den folgenden Jahren als eine der jüngsten Spielerinnen sogar Einsätze in der 2. Bundesliga feiern. Und nun hilft sie ihrerseits dabei, den Nachwuchs behutsam an das Niveau der ersten Mannschaft heranzuführen. Mittlerweile trainieren bereits vier ihrer Schützlinge regelmäßig bei der Ersten mit. „Da fällt es mir manchmal schwer zu trennen, dass wir in dem Moment gemeinsam als Spielerinnen trainieren – und nicht ich der Trainer bin, sondern Bronek Bakiewicz und Bernd Purzner (Trainer der ersten Damen, Anm. d. Red.) für die Korrekturen und das Lob zuständig sind.“

Jugend macht „Riesensprung“

Ihre Coaches können da mit einem Lachen drüber hinwegsehen, denn auch sie wissen, wie wichtig ihre Universalspielerin für den Verein ist. „Olli nimmt sich immer wieder selbst zurück und tut das, was für den Verein am besten ist. Sie schaut über den Tellerrand hinaus und betreut auch mal eine Mannschaft des Werner SC, wenn das dem Volleyballsport in Werne weiterhilft“, sagt Bakiewicz. „Und dass ihr Engagement auch von Erfolg gekrönt ist, zeigt die positive Entwicklung unserer Jugendspielerinnen, die in den letzten Jahren einen Riesensprung gemacht haben.“ Darum sind es auch nicht zuletzt Patzdorfs eigenen Spielerinnen, die sich vor lauter Dankbarkeit eine Würdigung ihrer Trainerin als Sportfreund des Jahres 2017 ganz besonders wünschen.

Abstimmung: Ab dem 1. Januar können Sie, liebe Leser, abstimmen, wer die Auszeichnung zum „SportFreund des Jahres“ erhalten soll. Bis dahin stellen wir in den kommenden Tagen alle Nominierten im Porträt vor.

Lesen Sie jetzt