Eintracht Werne verpflichtet Talent (18) - doch das darf noch gar nicht spielen

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Fußball-A-Ligist Eintracht Werne hat in diesem Sommer einen 18-Jährigen verpflichtet. Doch der darf in diesem Jahr gar nicht bei den Senioren auflaufen. Das untersagt ihm der Verband.

von Marcel Schürmann

Werne

, 16.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Er gilt als Spieler für die Zukunft bei Eintracht Werne, ist körperlich bereits sehr stark und auch sein Trainer hält große Stücke auf ihn.

Die Rede ist von Seyit Bulut. Der 18-Jährige reihte sich in diesem Sommer in die Liste der neun Neuzugänge von Eintracht Werne ein. Und doch wird sich der Mittelfeld-Mann noch mindestens ein halbes Jahr gedulden müssen, ehe er sein Seniorendebüt geben darf.

Regelung untersagt Bulut Senioren-Einsätze im Jahr 2019

„Als 18-Jähriger darf der Spieler 24 Monate vorher nicht für einen anderen Verein gespielt haben, oder aber der Spieler muss schon mindestens ein Jahr im Verein sein“, erklärt Mario Martinovic, Trainer von Eintracht Werne, die Regel des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FLVW), die es Bulut untersagt, schon zu Saisonbeginn für die Eintracht-Senioren aufzulaufen. Denn beides ist bei dem Neuzugang, der auf der Sechser-Position beheimatet ist, nicht der Fall. „Seyit hat zuletzt in der B-Jugend des Hombrucher SV in der Westfalenliga gespielt“, sagt Martinovic, „und wir haben ihn erst im Mai geholt.“

Sven Günther, Jugendfußball-Abteilungsleiter beim FLVW, bestätigte die Regel: „Als 2001er-Jahrgang darf der Spieler in der Hinrunde der Saison 2019/20 nur mit der sogenannten Seniorenerklärung für die Herrenmannschaft auflaufen, da er als Altjahrgang noch für die A-Junioren, die ja am Pflichtspielbetrieb teilnehmen, auflaufen darf. Die Seniorenerklärung ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.“

Trainer kannte Geburtsdatum nicht

Und die erfüllt Bulut nicht. „Als wir ihn geholt haben, wusste ich noch nicht, dass er gerade erst 18 geworden ist. Mir wurde gesagt, Seyit sei schon länger volljährig. Aufgefallen ist es mir erst, als ich dann den Spielerpass in der Hand hatte“, so Martinovic, der jetzt wie sein Schützling ein wenig Geduld aufbringen muss. Erst ab Januar 2020 ist Bulut bei den Senioren spielberechtigt. Solange trainiert er zwar bei der ersten Mannschaft mit, spielen wird er hingegen für die Werner A-Junioren in der Kreisliga B.

Sven Günther vom FLVW ergänzt: „Hätte der Spieler vor seinem Wechsel schon einmal 24 Monate in dem aufzunehmenden Verein gespielt, wären die Voraussetzungen für die Seniorenerklärung schon erfüllt, da er dann zu seinem Heimatverein zurückgekehrt wäre.“ Doch Bulut spielte in der Jugend nie für die Eintracht.

Martinovic hat Verständnis für die Regel

„Ich denke, diese Regelung ist zum Schutz der Spieler. Der Verband achtet darauf, dass es nicht schon in jungen Jahren zu früh losgeht. Daran haben wir uns zu halten“, hat Martinovic auch Verständnis für die Regelung. Dazu sagt Sven Günther vom FLVW: „Die A-Junioren sollen natürlich da spielen, wo sie altersgemäß hingehören. Es geht da natürlich auch um eine Schutzfunktion, dass Vereine, die keinen Jugendbereich betreiben, nicht einfach junge Spieler holen und hochschreiben, ohne einen eignen Beitrag für die Jugend zu leisten.“

„Dennoch“, meint Martinovic, „Seyit bringt die körperliche Verfassung mit. Ich glaube nicht, dass er Schwierigkeiten hätte, sich bei uns durchzusetzen.“

Dass Bulut ein halbes Jahr in der Eintracht-U19 auflaufen wird, habe für Martinovic auch Vorteile: „Er hat schon etwas länger nicht gespielt. Da ist es gut, dass er bei den A-Junioren den nächsten Schritt machen kann. Es wird ihm guttun, da zu spielen, denn da erhält er auf jeden Fall Spielpraxis.“

Die hätte ihm der Fußballtrainer in der ersten Mannschaft wohl nicht garantieren können. Martinovic: „Der Schritt aus der Jugend zu den Senioren ist nicht so einfach, wie sich die Jungs das immer vorstellen. Die wollen immer schnell hoch und am besten sofort Stammspieler werden. Dass die Gangart aber robuster ist, merken sie erst dann. Da müssen sich die Spieler erst anpassen.“

Ähnlicher Vorfall mit Deniz Ünal vor zwei Jahren

Vor zwei Jahren gab es bei der Eintracht bereits ein ähnliches Szenario: Damals verpflichtete der A-Ligist Deniz Ünal vom SV Herbern. Auch er musste zunächst ein Jahr lang bei den A-Junioren auflaufen, ehe ihn sein Verein zu den Senioren hochschreiben durfte.

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