„Es gab keinen Verein, wo ich wenig Geld bekommen habe“

mlzErkan Baslarli

Erkan Baslarli ist in der Werner Fußballszene bestens bekannt. Mittlerweile geht er in Bönen auf Torejagd – und erntet dort Neid. Eintracht Werne wünscht der werdende Vater den Aufstieg.

Werne

, 21.02.2019, 20:29 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Torjägerkanone der Ruhr Nachrichten gewinnen nur wenige Fußballer des Werner Verbreitungsgebiets. Erkan Baslarli gelang dieses Kunststück gleich zwei Mal. 58 Mal traf Baslarli 2016/2017 für Eintracht Werne, 18 Tore waren es ein Jahr zuvor für den Werner SC in der Bezirksliga. Das Stadtgebiet hat Baslarli (28) fußballerisch mittlerweile verlassen, mit der IG Bönen liegt er in der Bezirksliga auf Aufstiegskurs. Was sich nicht verändert hat: Baslarli wohnt immer noch in Hamm-Pelkum. „Das wird auch immer so bleiben“, sagt Baslarli in unserem Interview.

Herr Baslarli, Sie stehen bei der IG Bönen aktuell bei 14 Ligatoren. Sind in dieser Saison noch die 58 Tore drin, wie in der Saison 2016/2017 bei Eintracht Werne?

Ich habe diese Saison sehr viele Spiele beziehungsweise Minuten verpasst. In den ersten sieben, acht Spielen habe ich wenn überhaupt 200 Minuten gespielt. Ab dann habe ich regelmäßig auf der Zehner-Position gespielt und in sieben Spielen 14 mal getroffen. Auf 50 komme ich nicht, aber minimum 30 sollten es sein. Wichtig ist, dass wir aufsteigen.

30 Saisontore wären für Sie relativ wenig. Muss es dann der Aufstieg schon sein, damit Sie mit der Saison zufrieden sind?

Wenn man bedenkt, dass ich die Hälfte der Hinrunde verpasst habe, ist das schon erstmal okay. Der Aufstieg ist aber wichtiger als alles andere diese Saison.

Wenn Sie mit der IG Bönen aufsteigen, könnten Sie in der kommenden Saison in der Landesliga auf ihren Ex-Verein Werner SC treffen. Pflegen Sie noch Kontakte zum WSC?

Ja, das wäre möglich. Zum Werner SC habe ich gar keinen Kontakt. Ab und zu schreibe ich noch mit Jussef Saado, das war es dann auch schon.

Auch Eintracht Werne ist ein ehemaliger Verein von Ihnen. Die könnten am Ende der Saison aufsteigen. Verfolgen Sie die Eintracht noch?

Mit der Eintracht habe ich immer noch mit fast allen sehr guten Kontakt. Ich wünsche mir vom Herzen, dass die am Ende aufsteigen. Das gönne ich dem Verein, vor allem Trainer Mario Martinovic.

Könnten Sie sich vorstellen, zur Eintracht zurückzukehren? Vor allem, wenn sie nächstes Jahr Bezirksliga spielen sollte?

Ich glaube nicht. Wir haben mit der IG langfristig etwas vor. Und das wollen wir alle zusammen erreichen. Ich bin bei der IG auch glücklich. Wir haben eine Bombentruppe, auch was das Charakterliche angeht.

Erkan Baslarli (r.) ging für Eintracht Werne auf Torejagd. Hier ist er im Oktober 2016 gegen Yunus Emre Hamm am Ball. Mit 2:1 gewann die Eintracht damals. Torschütze zum 1:0? Natürlich Erkan Baslar.

Erkan Baslarli (r.) ging für Eintracht Werne auf Torejagd. Hier ist er im Oktober 2016 gegen Yunus Emre Hamm am Ball. Mit 2:1 gewann die Eintracht damals. Torschütze zum 1:0? Natürlich Erkan Baslar. © Foto: Dominik Gumprich

Wie man hört, zahlt Bönen auch ganz gut. War das auch ein Argument, dort hinzuwechseln?

Ich bin einer, der immer offen redet. Glauben Sie mir, es gab keinen Verein, wo ich wenig Geld bekommen habe. Deswegen sollte man nicht im Umfeld darüber reden, was die IG zahlt. Denn sobald wir einen negativen Lauf haben, sind viele glücklich. Und sobald es gut läuft, heißt es: zusammengekaufte Truppe. Wir sind alle gute Einzelspieler, die es geschafft haben, eine Bombentruppe zu werden.

Ist Neid etwas, dass Sie schon Ihre gesamte Laufbahn begleitet?

Nein. Jeder Fußballer ist für sich erfolgreich und gut. So wie jeder Verein. Aber bei der IG habe ich es extrem gemerkt, was man alles so im Umfeld redet. Das zeigt aber einfach, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Als Sie die Torjägerkanone für den WSC gewonnen haben, lautete unser Titel „Der Zlatan aus dem Dahl“. Haben Sie in Bönen schon einen neuen Spitznamen?

Zlatan Ibrahimovic ist wirklich ein Fußballer, den ich beobachte. Ein geiler Zocker mit einem geilen Charakter. In Bönen nennen die mich Erkan. Ist ja auch nicht einfach, ein Erkan zu sein oder zu werden (lacht).

Zu Ihrem Vorbild gehört auch der Zopf. Den haben Sie auch mal getragen. Ist das noch aktuell oder Vergangenheit?

Das ist Vergangenheit. Ich werde in Kürze hoffentlich Papa. Den Zopf werde ich dann schon mal für meinen Sohn vorbereiten (lacht).

Zlatan Ibrahimovic ist mittlerweile in die USA gewechselt. Hätten Sie auch Lust, Ihre Karriere im Ausland ausklingen zu lassen?

Man darf nicht vergessen, dass wir Amateure sind. Könnte ich die Zeit um sieben bis acht Jahre zurückdrehen, könnte ich vielleicht daran denken. Mein Traum war es, bei Fenerbahce Istanbul zu spielen. Das habe ich jetzt meinem Sohn übrig gelassen (grinst).

Wenn Ihr Sohn mal selbst gegen den Ball treten will – was kann er dann von Ihnen lernen?

Das Toreschießen natürlich (lacht).

Inwieweit wird die Geburt Ihres Sohnes Ihr Leben verändern?

Sehr, wirklich sehr. Natürlich denke ich erst mal nur daran, dass er gesund zur Welt kommt.

Werden Sie dann fußballerisch kürzertreten, vielleicht nur noch 20 Tore pro Saison schießen?

Nein. Das kommt nicht infrage. Solange es mir gesundheitlich noch gut geht, werde ich durchziehen. Fußball ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Ach, übrigens: Selbst wenn es der Fall sein sollte, werde ich mehr als 20 machen (grinst).

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