Auch im Sport in Werne und Herbern sorgt das Coronavirus für massive Einschränkungen. Wir haben nachgehört, wie sich diese Entwicklung auf die heimischen Vereine auswirkt.

Werne, Herbern

, 31.03.2020, 19:03 Uhr / Lesedauer: 4 min

Während für die Basketballer der LippeBaskets Werne die Saison 2019/2020 wegen der Corona-Krise bereits beendet ist, haben die heimischen Amateur-Fußballer noch keine Klarheit über einen möglichen Fortlauf der aktuellen Spielzeit. Doch entfallene Heimspiele bedeuten erst einmal entfallene Einnahmen - hinzu kommt die Planungsunsicherheit. Wir haben bei den LippeBaskets, dem SV Stockum, Eintracht Werne, dem SV Herbern und dem Werner SC nachgefragt, was die Corona-Krise für die Vereine finanziell bedeutet.

Wenig Bedenken hat Jens König, Geschäftsführer und Sportlicher Leiter der LippeBaskets. „Für uns ist das alles recht übersichtlich“, sagt König. Zwei Heimspiele hatten die Basketballer noch auf dem Plan stehen, darunter das Derby-Rückspiel gegen die HammStars, die als Ligaprimus ab kommender Saison in der 1. Regionalliga antreten dürfen.

„Das tat weh“, erklärt König, aber: „Sonst tangiert uns das nicht so sehr, wie vielleicht andere. Unsere neue Saison startet im September, bis dahin passiert noch vieles. Wir warten das ab. Wir haben sehr verlässliche Unterstützer, Förderer und Sponsoren, die seit Jahren mit im Boot sitzen und das mittragen.“

Laufende Kosten „kein großes Problem“ für LippeBaskets

Die laufenden Kosten stellen für den Verein „kein großes Problem dar aktuell“, erklärt König. „Der September ist noch ganz lange hin, wir planen ganz normal unsere Saison. Das ist auch nicht abhängig von den Finanzen, wir sind ein gemeinnütziger Amateursportverein, und auch ein Ausbildungsverein. Da haben andere, die andere Strategien fahren, sicher andere Sorgen.“ Klubs mit kostspieligen Importspielern beispielsweise.

Auch beim SV Stockum macht man sich noch keine großen Sorgen um die finanzielle Zukunft. „In erster Linie brechen die Einnahmen sonntags beim Spiel weg“, berichtet Geschäftsführer Yassine Najih. Das sind die Erlöse aus Pommes-, Würstchen- und Getränkeverkauf sowie das Eintrittsgeld, das entfällt.

Stockum kann sich „auf jeden Fall über Wasser halten“

„Im Großen und Ganzen können wir uns auf jeden Fall über Wasser halten“, erklärt Najih. „Klar sind das Gelder, die uns dann fehlen. Das ist nicht so schön. Aber da wir größtenteils über Sponsoren finanziert werden, hat das noch nicht so starke Auswirkungen.“ Allerdings müssten sich die Stockumer auch mit den Sponsoren kurzschließen, denn: „Die werden auch Einbußen haben.“

Zahlungen für den Spielbetrieb müssen die Fußballer während der Zwangspause nicht mehr leisten, das hatten die Verbände bereits angekündigt. Auch kleine Entschädigungen der Spieler seien erstmal eingefroren, wobei die Stockumer bei ihren Kickern aber auf offene Ohren gestoßen seien.

Jetzt lesen

Coach Jürgen Welp dagegen bekommt erstmal weiter sein Salär. „Wir müssen schauen, inwiefern das weitergeht oder ob das nächsten Monat anders ist, aber ich denke, wir werden keine Probleme damit haben und die Zahlungen weiter fortführen“, so Najih. Um Konkretes zu sagen, sei es aber noch zu früh. „Die Situation hatte noch niemand. Wir müssen abwarten, wann und ob sich die Situation in den nächsten Monaten beruhigt“, sagt Yassine Najih.

Planungsunsicherheit derzeit größtes Problem für die Eintracht

Ähnlich gestaltet sich die Situation für Liga-Konkurrent Eintracht Werne. „Im Moment können wir noch gar nicht absehen, wie das weitergeht. Wir sind auf Firmen aus dem Umkreis angewiesen“, erklärt Schatzmeister André Kalinowski.

Jetzt lesen

Im normalen Spielbetrieb sei alles in Ordnung. „Da sind wir sehr gut aufgestellt. Aber es ist schon eine komische Situation - wir wissen gar nicht, wie es überhaupt weitergeht. Erstmal müssen wir abwarten“, sagt Kalinowski.

Diese Unsicherheit erschwere die Planungen für die nächste Saison, gefährde aber nicht das Fortbestehen des Vereins. „Da haben wir keine Sorge. Es ist nicht so, dass wir so hohe Verpflichtungen haben, dass wir da in Schwierigkeiten kommen. Das ist bei uns kein Problem“, stellt der Schatzmeister klar, „nur mit der nächsten Saison, das muss man in der Planung mit berücksichtigen. Dass man erstmal mit Sponsoren spricht, in welcher Situation die sich befinden und das dann miteinplant.“

Jetzt lesen

Die Übungsleiter des Vereins bekämen derzeit ihr Geld normal weiter bezahlt. „Das ist gesichert durch die Mitgliedsbeiträge. Da müssen wir, wenn das länger dauert, mal sehen, wie das weiterläuft. Aber insgesamt ist eigentlich alles gesichert, von daher sehe ich keine Schwierigkeiten für Eintracht Werne“, sagt Kalinowski.

Der WSC sondiert die Lage

Der Werner SC sondiert derzeit die Lage, wie der Vereinsvorsitzende Lutz Hammer berichtet. Und weil beim WSC nicht nur Fußball gespielt wird, dauert das etwas länger. „Die Fußballer und auch die anderen Abteilungen gucken in den nächsten Tagen, was da noch an Kosten auf uns zukommt. Bei fast 2000 Leuten im Verein ist der Verwaltungsaufwand doch ein bisschen höher“, erklärt Hammer.

Jetzt lesen

In den nächsten Tagen will sich der Vorsitzende mit seinen Vorstandskollegen und Abteilungs- sowie Übungsleitern austauschen, welche Kosten noch wann auf den Verein zukommen. Eine erste Entwarnung kann Hammer aber geben: „Momentan brennt noch nichts bei uns. Das ist der Stand der Dinge.“

Herbern stellt Zahlungen an Trainer und Mitarbeiter ein

Auch Landesliga-Rivale SV Herbern ist ein großer Breitensport-Verein, bei dem Fußball nur eine Sparte ist. Auch in Herbern fehlen die Spieltagseinnahmen der Kicker. „Eigentlich haben wir sonst nur unsere Mitgliedsbeiträge und Werbeeinnahmen aus Bandenwerbung und Vereinsheft. Das kann man jetzt noch nicht abschätzen, wie sich das entwickelt“, sagt der Vorsitzende Jürgen Steffen. Insofern ist die Situation in Herbern wie in Stockum oder bei der Eintracht.

Jetzt lesen

Zahlungen an Spieler der ersten und zweiten Mannschaft seien eingestellt, und ab April bekommen auch die Trainer des SVH keine Aufwandsentschädigungen mehr. Auch die Reinigungskraft des Sportheims am Siepen bekomme ab April keine Zahlungen mehr. „Da ist jetzt nichts sauberzuhalten. Für März haben wir weitergezahlt, aber ab April wird das eingestellt.“

Bei den betroffenen Personen sei der SVH damit auf Verständnis gestoßen. „Da pocht keiner auf sein Recht, das sind alles vernünftige Menschen, die gesagt haben: ‚Das ist kein Problem, da wollen wir jetzt vom SV Herbern auch nichts haben‘“, berichtet Steffen.

Jetzt lesen

Einige kleine Kostenstellen liefen zwar noch weiter. Rasen schneiden, Heizkosten in den Vereinsräumen und die für das Heißwasser, um keine Legionellengefahr heraufzubeschwören. „Aber ich glaube nicht, dass wir deswegen Pleite gehen“, sagt Jürgen Steffen. „Die Mitgliedsbeiträge von sieben Euro laufen weiter, und mit dem Geld können wir jetzt im Moment hantieren.“

Sollte es aber doch Probleme geben, würde der SVH sich auch an die Gemeinde wenden oder den Landessportbund, der am Freitag bekanntgab, dass der NRW-Rettungsschirm auch für Sportvereine offen sei.

Lesen Sie jetzt