Heiner Döbbe: „Andreas Weber ist in keinster Weise meine Baustelle“

mlzSV Herbern Frauen

Heiner Döbbe ist neuer Trainer der Landesliga-Fußballerinnen des SV Herbern, er hat Andreas Weber ersetzt. Jetzt verrät Döbbe, dass er eigentlich gemeinsam mit Weber arbeiten sollte.

Herbern

, 05.03.2019, 11:25 Uhr / Lesedauer: 4 min

Heiner Döbbe hatte keine leichte Ausgangssituation, als er vor etwa zwei Wochen die Landesliga-Fußballerinnen des SV Herbern übernommen hat. Der SV Herbern hatte sich gerade „aufgrund von Unruhen“ von Trainer Andreas Weber getrennt, der mit dieser Aussage überhaupt nicht einverstanden war (wir berichteten). Jetzt erklärt der 61-jährige Heiner Döbbe, wie er den Trainerwechsel erlebt hat, wie seine neuen Spielerinnen ihn aufgenommen haben und warum er das Angebot, dass er bereits im Sommer vom SVH bekommen hatte, ausgeschlagen hat.

Herr Döbbe, Sie sind jetzt etwa zwei Wochen neuer Trainer der Landesliga-Frauen des SV Herbern. Der Übergang von Andreas Weber zu Ihnen war allerdings alles andere als fließend. Wie haben Sie die Sache mitbekommen?

Die Sache mit Andreas Weber und wie sie gelaufen ist, ist in keinster Weise meine Baustelle. Ute Krzyzosiak (Sportliche Leitung im Frauenbereich des SV Herbern, Anm. d. Red.) und Malte Gärtner (Abteilungsleiter Seniorenfußball, Anm. d. Red.) haben einfach auf die Situation reagiert, haben auch mit der Mannschaft gesprochen. Aber wie es vollzogen worden ist, da hatte ich null Einfluss drauf.

Heiner Döbbe will mit den SVH-Damen schnellstmöglich die Klasse halten.

Heiner Döbbe will mit den SVH-Damen schnellstmöglich die Klasse halten. © Heiner Döbbe

Wann wurden Sie denn genau vom SV Herbern darauf angesprochen, ob Sie die Landesliga-Frauen übernehmen würden?

Ich bin bereits im Sommer angesprochen worden, habe da gesagt, dass ich mir das bei den Herberner Frauen grundsätzlich vorstellen kann. Damals hat mich noch Katja Wellmann (ehemalige Sportliche Leitung im Frauenbereich des SV Herbern, Anm. d. Red.) angesprochen, die hat sogar mal bei mir in einer Bezirksliga-Mannschaft gespielt. Damals wurde mir die Option geboten, dass ich Trainer werden soll, gleichberechtigt mit einem anderen Trainer, aber das geht meiner Meinung nach gar nicht, deshalb habe ich abgelehnt.

Sollten Sie also den Trainerposten im vergangenen Sommer gemeinsam mit Andreas Weber übernehmen?

Ich denke, so sollte das damals sein.

Im Sommer haben Sie das Angebot noch abgelehnt, jetzt sind Sie aber doch Trainer geworden.

Ja, ich habe dann nochmal eine Anfrage von Ute bekommen, den Trainerposten alleine zu übernehmen und da habe ich dann zugesagt.

Andreas Weber hatte am Samstag, 16. Februar, vom Herberner Vorstand erfahren, dass er nicht mehr Trainer der Landesliga Fußballerinnen des SVH ist.

Andreas Weber hatte am Samstag, 16. Februar, vom Herberner Vorstand erfahren, dass er nicht mehr Trainer der Landesliga Fußballerinnen des SVH ist. © Foto Helga Felgenträger

Andreas Weber hat am Samstag, 16. Februar, vom Vorstand die Info bekommen, dass er nicht mehr länger Trainer der SVH-Damen sei, das war kurz vor den Freundschaftsspielen gegen Lüdinghausen und Ostbevern. Waren Sie dabei?

An dem Samstag, an dem Andreas das erfahren hat, war ich nicht da, ich war bewusst auch nicht bei den zwei Testspielen. Ich wurde dann am darauffolgenden Montag beim Training vorgestellt. Aber nochmal: Das ist nicht meine Baustelle, das ist vielleicht blöd gelaufen, aber ich kann nichts dafür, so gab es aber natürlich Unruhe.

Wie war denn dann das erste Training am Montag?

Zu meinem Start muss ich den Mädels ein Kompliment machen. Der Verein hat nunmal beschlossen, da jetzt Heiner Döbbe hinzusetzen – und die Spielerinnen haben mir eine faire Chance gegeben. Ich habe bei meiner Vorstellung dann gesagt, dass ich nichts dafür kann, wie es gelaufen ist.

Wie schätzen Sie Ihre neue Mannschaft sportlich ein?

Die Mädels sind sehr aufmerksam beim Training, das habe ich so nicht erwartet. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir das Ziel Klassenerhalt in der Landesliga auch schaffen, die Mannschaft hat nämlich eindeutig das Potenzial, die Klasse zu halten. Aber wir müssen dafür auch was tun, wir müssen kommunizieren. So langsam habe ich auch so zehn, zwölf Namen auf dem Schirm, das klappt immer besser (lacht).

Und wie verstehen Sie sich bisher auf menschlicher Ebene mit Ihren Spielerinnen?

Sehr gut. Ich musste zum Beispiel am Samstag nach dem Testspiel zuhause gegen Mecklenbeck alles abschließen, ich hatte den Schlüssel. Und ich wusste gar nicht, was ich machen musste. (lacht) Aber die Mädels haben mir dann mit allem geholfen.

Läuft es mit Ihrem Co-Trainer Björn Christ, der ja auch schon mit Andreas Weber zusammengearbeitet hat, genauso gut?

Björn Christ ist ein super Typ, er hat die gleiche Philosophie wie ich. Das Verhältnis ist super, das Training macht Spaß. Und jeder Trainer geht Sachen anders an, Karla Hackenberg hat zum Beispiel bei Andreas Weber hinten gespielt, ich sehe ihre Stärken ganz woanders.

„Das mit Andreas Weber ist blöd gelaufen.“
Heiner Döbbe

Sie trainieren auch noch eine Fußballkreisauswahl in Beckum. Wird es nicht stressig, beides zusammen mit Ihrem Job als Konditor- und Bäckermeister und einen Hut zu bekommen?

Also durch den Trainerjob ist jetzt immer der halbe Sonntag weg. Am kommenden Sonntag beim Spiel in Ibbenbüren bin ich ab 9 Uhr aus dem Haus und so um 15.30 Uhr wieder zuhause, da schreit meine Freundin Hurra (lacht). Aber Fußball ist nunmal mein Hobby Nummer eins. Ich komme aus Ahlen, es sind so 20 bis 25 Kilometer zum Herberner Trainingsplatz zu fahren, aber ich bin halt fußballverrückt. Wenn es mir meine Zeit erlaubt, dann gucke ich mir überall Spiele an, unter anderem auch immer noch bei Fortuna Walstedde, meinem Heimatverein, bei dem ich über 20 Jahre war.

Haben Sie sich im Vorfeld auch Spiele der Herberner Frauen angeschaut?

Ja, ich habe in der Hinserie die Mannschaft drei, vier Mal gesehen. Aber überhaupt nicht wegen dem möglichen Trainerposten, sondern einfach, weil mich Fußball halt interessiert. Ich hatte ehrlich gesagt ein bisschen Muffe, dass mir das jetzt zu Anfang als Vorwurf gemacht wird, aber das ist nicht passiert und wäre auch falsch gewesen, ich hätte jetzt auch noch weiter ohne Vereinssport leben können.

Wie lange werden Sie denn an der Seitenlinie der SVH-Frauen stehen?

Ich hoffe einfach, dass ich den Herberner Frauen helfen kann. Erstmal bin ich nur bis zum Sommer da, dann müssen wir uns nochmal zusammensetzen.

Wie sind Sie als Trainer?

Ich bin auf jeden Fall nicht Alleinherrscher, das ist keine One-Man-Show, ich bin ein Team-Player. Aber einer muss nunmal die Entscheidungen treffen, deshalb habe ich auch damals das erste Angebot des SV Herbern ausgeschlagen.

Und wie können Sie es schaffen, die Herberner Damen in der Landesliga zu halten?

Wir wollen jetzt eine gute Rückserie spielen, die ersten drei Mannschaften, die jetzt kommen, sind mit uns auf Augenhöhe. Wir müssen vorsichtig sein, das geht schnell im Fußball mit den Punkten: Wie in der Bundesliga mit Dortmund und Bayern. Wir müssen frühzeitig punkten um den Druck rauszunehmen, dann kannst du einfacher spielen - mit negativen Gedanken nicht. Ich will mit der Mannschaft ins gesicherte Mittelfeld.

Wie ist denn die Trainingsbeteiligung?

Die drei Wochen sind jetzt schonmal gut und rund gelaufen, die Mädels die da waren, haben ordentlich trainiert. Natürlich hat man nicht immer alle da, das macht die Sache kompliziert. Einmal waren 20 Mädels beim Training da, dann wieder nur zwölf. Aber das ist normal: Johanna Vorlop ist jetzt zum Beispiel im Urlaub. Auf den Kapverden ist es jetzt auch bestimmt schön (lacht). Das macht aber jeder, der es außerhalb der Ferienzeit machen kann, weil es einfach billiger ist. Ich übrigens auch (lacht). Wir nehmen es aber wie es kommt, anderen geht es auch so.

Ihre Kapitänin Laura Brockmeier hat zuletzt in den Vorbereitungsspielen gefehlt, sie ist noch nicht wieder ganz fit. Wie wichtig ist Sie für das Team?

Sie konnte jetzt nicht spielen, die Entscheidung wann sie wieder kann, überlasse ich ihr, sie ist nicht umsonst der Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft. Laura Brockmeier kann man einfach nicht 1:1 ersetzen, nur als Kollektiv - und das müssen und werden wir auch.

Die Landesliga-Fußball-Damen des Herbern absolvieren am Mittwoch, 6. März, um 19.30 Uhr auf dem heimischen Kunstrasenplatz am Siepenweg ein Freundschaftsspiel gegen RW Unna. Herberns Gegner kommt aus der Kreisliga A Unna/Hamm, führt hier die Tabelle an.
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