„Ich war eine Kanone“ - Eintrachts Linienrichter Günter Puziak feiert 82. Geburtstag

mlzEintracht Werne

Seit zwei Jahren hält er für die Eintracht die Fahne hoch - als Linienrichter. Als Sportler hat Günter Puziak (82) eine bewegte Karriere hinter sich. Er blickt auf seine aktive Zeit zurück.

von Marcel Schürmann

Werne

, 28.10.2019, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie applaudierten lautstark und standen auf dem Platz im Sportzentrum Dahl Spalier für ihren Linienrichter. Vor dem Meisterschaftsspiel des Fußball-A-Ligisten Eintracht Werne gegen den TuS Wiescherhöfen II überreichten die Evenkämper ihrem ältesten „Mannschaftskollegen“ am Sonntag einen Blumentrauß und gratulierten Günter Puziak nachträglich zum 82. Geburtstag, den der gebürtige Ahlener in der vergangenen Woche feierte.

„Eine sehr schöne Geste, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sagte Puziak nach dem Spiel - immer noch sichtlich gerührt. Seit zwei Jahren gehört er zum festen Stamm bei der Eintracht, wenn auch nur an der Außenlinie als Linienrichter. Auch auswärts ist Puziak mit der Eintracht immer dabei.

„Das macht dich halt fit“

Puziak ist auch in seinem hohen Alter noch fit. Die Gründe dafür hatte er natürlich parat. „Schon als Kind bin ich meinem Vater auf dessen Mofa hinterhergerannt. Das macht dich halt fit“, sagte Puziak mit einem Augenzwinkern.

„Ich war eine Kanone“ - Eintrachts Linienrichter Günter Puziak feiert 82. Geburtstag

Günter Puziak in seinem Element. © Schürmann

Bei der Eintracht hat Puziak seine neue sportliche Heimat gefunden. „Der Vorstand, das gesamte Umfeld“, sagte er, „das ist einfach einmalig hier. Das ist kein Vergleich zum SVF Herringen.“ Von dort kam Puziak vor zwei Jahren zur Eintracht. Nach mehr als sechs Jahrzehnten in Herringen machte er Schluss mit seinem Ex-Klub. „Was da abgelaufen ist - da lief es zuletzt drunter und drüber“, so Puziak ohne dabei weiter ins Detail zu gehen. „Mit dem Masseur bin ich dann hierhin abgehauen. Und ich bin sehr glücklich, jetzt hier an der Linie zu stehen.“

Von 287 Kämpfen nur 26 verloren

Puziak sagt von sich selbst: „Als Sportler war ich wirklich eine Kanone.“ Der immer noch in Herringen lebende Puziak boxte in seiner aktiven Zeit in der Deutschen Nationalmannschaft, nahm an Kämpfen auf der ganzen Welt teil. „Den größten Kampf hatte ich aber in der Dortmunder Westfalenhalle - vor mehr als 10.000 Menschen. Da habe ich Karl-Heinz Johannpeter nach Punkten geschlagen. Die Johannpeters - das war damals ein richtig großer Name hier in der Region.“

Puziak bestritt insgesamt 287 Kämpfe. „Und ich habe nur 26 verloren“, so der siebenfache Bezirksmeister. Selbst wenn er nach der Arbeit unter Tage mit Boxhandschuhen und Sandsack auf den Sportplatz ging, „waren da manchmal über 200 Menschen und haben mir zugeguckt“, so Puziak. „Die Kinder haben sich wahrlich darum gestritten, wer meine Sporttasche tragen durfte“, erinnert sich Puziak. In den 50er- und 60er Jahren war das. Sein größer Triumph war, als er „den polnischen Europameister Zygmunt Milewski nach Punkten besiegt“ hat.

Tausendsassa Puziak

Aber auch in der Handball-Nationalmannschaft war Puziak aktiv. „Mich haben sie beim TuS Ahlen damals mit 14 Jahren schon aus der Jugend geholt und zu den Senioren in die Oberliga gesteckt, so gut war ich.“ Und als Leichtathlet hielt Puziak lange Zeit den Ahlener Stadtrekord: „Mit 17 Jahren bin ich die 5.000 Meter in 15 Minuten und 23 Sekunden gelaufen.“

„Ich war eine Kanone“ - Eintrachts Linienrichter Günter Puziak feiert 82. Geburtstag

Aykut Kocabas (r.) überreichte Günter Puziak (l.) im Namen der Mannschaft einen Blumenstrauß. © Schürmann

Neben der Handball-, Leichtathletik- und Boxkarriere trat Puziak selbstverständlich auch vor den Ball - „wenn auch nicht so erfolgreich“, sagte er lachend. Von den Fußballern des TuS Ahlen wechselte er später zum SVF Herringen und spielte dort in der zweiten Mannschaft in der Kreisklasse. „Die vielleicht wichtigste Entscheidung in meinem Leben - über diesen Wechsel habe ich nämlich auch meine Frau kennengelernt, mit der ich schon 60 Jahre verheiratet bin. Sie ist wirklich eine tolle Frau“, so der Vater einer Tochter, „sie macht wirklich alles mit und duldet es seit sechs Jahrzehnten, dass ich die Wochenenden regelmäßig am Sportplatz bin.“ Manchmal gab es Wochenenden, an denen Puziak samstags ein Fußballspiel bestritt und sonntagmorgens zum Handball fuhr.

Ans Aufhören denkt Puziak noch lange nicht. Fest steht für ihn aber: „Wenn ich irgendwann mal aufhöre, gehe ich in keinen anderen Verein mehr rein.“

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