Jannik Prinz fährt über 300 Kilometer zu den Heimspielen seines Werner SC

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WSC-Stürmer Jannik Prinz wohnt seit August vergangenen Jahres in Hamburg. Trotzdem schnürt der 23-Jährige immer noch jedes Wochenende die Schuhe für seinen Werner Verein.

Werne

, 12.03.2019, 17:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tasche packen, Trainingsanzug anziehen, ab zum Sportplatz und raus aufs Feld. Für viele Fußballer ein ganz normaler Sonntag - auch für Jannik Prinz. Nur dass bei ihm zwischen „ab zum Sportplatz“ und „raus aufs Feld“ über 300 Kilometer und - im schlechtesten Fall - sechs Stunden Fahrt liegen.

Warum? Der 23-Jährige, der in der Landesliga für den Werner SC auf Torejagd geht, ist im August vergangenen Jahres nach Hamburg gezogen. „Ich habe nach meinem dualen Studium direkt einen Job in der Zentrale einer Krankenkasse in Hamburg angeboten bekommen.“ Da das eher selten sei - die Stelle war außerdem unbefristet - habe der WSC-Spieler sofort zugesagt.

Eigentlich hätte der Umzug das Ende der Karriere von Jannik Prinz beim Werner SC bedeuten müssen. Eigentlich. Da der Umzug mitten in der laufenden Saison stattfand, wollte Prinz wenigstens noch bis zur Winterpause spielen, pendelt also an den Wochenenden mit dem Auto von Hamburg nach Werne und zurück.

Für Jannik Prinz ist Pendeln nichts Neues

„Ich war das auch schon ein bisschen gewohnt, während meines Studiums musste ich öfter mal zwischen Baden-Württemberg und der Heimat hin und her fahren.“ Die Fahrerei an sich war also nichts Neues für Prinz - die Regelmäßigkeit aber schon. Jede Woche setzt sich Prinz, der bisher bei seinen Eltern in Hamm gewohnt hatte, ins Auto und macht sich von der Elbe auf den Weg in den Lindert.

Jannik Prinz pendelt jedes Wochenende zwischen Hamburg und Werne.

Jannik Prinz pendelt jedes Wochenende zwischen Hamburg und Werne. © Greis

Als es auf die Winterpause zugeht, merkt der 23-Jährige aber, dass es ohne seinen Werner SC einfach nicht geht. „Ich fühle mich in der Mannschaft einfach so wohl, dass ich auf jeden Fall bis zum Ende der Saison weitermache.“ Danach müssten er und die Verantwortlichen beim WSC sich nochmal zusammensetzen.

Aber wie sieht sein Wochenende denn eigentlich aus? Dank Gleitzeit fängt Prinz an Freitagen schon ganz früh an zu arbeiten und macht dann auch entsprechend früh Feierabend. Dann packt er das Nötigste zusammen und setzt sich ins Auto. „Ich fahre in der Regel so drei Stunden von Hamburg nach Hause, ich bin aber auch schon sechs gefahren, wenn Stau ist“, erklärt er.

Zusätzliche finanzielle Unterstützung bekommt Prinz vom WSC nicht

Kommt der 23-Jährige gut durch den Verkehr, steht er abends beim WSC-Abschlusstraining auf dem Kunstrasenplatz im Sportzentrum am Lindert. Geld kriege Prinz nach eigenen Angaben nicht vom Werner SC für den Aufwand, den er betreibt - abgesehen von der Auflaufprämie, „die jeder Spieler kriegt.“

Das sei aber auch in Ordnung für den frisch gebackenen Hamburger. „Wir müssen eventuell am Ende der Saison nochmal drüber sprechen, ob wir da irgendwas mit Spritgeld machen können“, erklärt der WSC-Stürmer. Über Unterstützung vom Verein würde er sich zwar freuen, den Aufwand würde er aber natürlich auch ohne Geld für seinen WSC weiterbetreiben: „Ich war im letzten Jahr ein paar Spiele gesperrt und stand am Wochenende trotzdem am Platz“ - die Leidenschaft kauft man dem 23-Jährigen spätestens jetzt ab. Ein Hamburger Verein wäre für Prinz - Stand jetzt - übrigens nicht in Frage gekommen.

Prinz wird trotz seiner Abwesenheit unter der Woche von WSC-Trainer Lars Müller immer wieder eingesetzt. Zuletzt, bei der 1:3-Niederlage gegen den BSV Roxel, in der Startaufstellung. „Ich gehe in Hamburg fast jeden Tag ins Fitnessstudio und mittwochs gehe ich mit ein paar Arbeitskollegen Fußball spielen.“ Seiner Fitness schadet das offensichtlich nicht - „das würde Lars auch sicher merken, wenn ich nichts machen würde“, lacht Prinz. Außerdem sei der 23-Jährige ja freitags fast immer beim Abschlusstraining der Werner.

Jannik Prinz wohnt an den Wochenenden bei seinen Eltern

Der Freitagmorgen startet für Jannik Prinz also in Hamburg, geht dann in Werne weiter und endet schließlich in Hamm - wo er an den Wochenenden bei seinen Eltern unterkommt. Der Stürmer hat immer nur eine kleine Tasche mit dem Nötigsten bei sich - das war aber nicht immer so, gibt der Fußballer zu: „Es gab auch Zeiten, da habe ich noch meine Wäsche mit nach Hause genommen“, sagt Prinz und lacht.

„Mein Trainer würde es merken, wenn ich unter der Woche nicht trainieren würde.“
Jannik Prinz

Den Stress, den der 23-Jährige durch die weiten Fahrten hat, merkt er vor allem beim Freitagstraining: „Das stundenlange Sitzen im Auto rächt sich da schonmal“, so Prinz. Und wie steht‘s mit seiner Fitness sonntags auf dem Platz? „Das kommt auf den Abend davor an“, lacht Prinz, der an den Wochenenden natürlich auch mit seinen Werner Freunden unterwegs ist. „Ich merke schon, dass ich in der letzten Zeit kaum richtig regelmäßig trainiert habe, bis jetzt geht es aber - denkt anscheinend auch mein Trainer.“

Die einzige Person, die ein Problem mit dem Pendeln hat, ist die Mutter von Jannik Prinz: „Mama nervt es ein bisschen, weil sie während meiner Autofahrten immer unter Strom steht. Aber so sind Eltern halt“, erklärt der 23-Jährige. Anders dagegen Prinz‘ Vater: „Der freut sich, dass er am Wochenende auf den Platz kann.“

Zu den Spielen am Sonntag fährt Prinz übrigens immer mit dem Auto, auch wenn die anderen zu Auswärtsspielen zusammen mit dem Bus fahren. Sonntags nach dem Abpfiff geht es für ihn nämlich direkt zurück nach Hamburg. Dann heißt es duschen, Tasche packen und ab nach Hause - eigentlich das gleiche, wie für jeden anderen Spieler auch. Nur, dass Prinz den Tatort um 20.15 Uhr wahrscheinlich verpasst.

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