Kathrin Wacker springt nur noch mit den Großen

Wernes Sportlerin des Jahres 2014

Die Südkirchenerin Kathrin Wacker hat ein enorm erfolgreiches Sportjahr 2014 hinter sich. Die 16-jährige Reiterin des RV St. Georg Werne gewann auf Moglie unter anderem den Nationenpreis in der Pony-Dressur mit dem deutschen Team. Ihr Pferd wurde verkauft, Wacker konzentriert sich nun auf das Springreiten und hat auch damit bereits Erfolg.

WERNE/SÜDKIRCHEN

17.02.2015, 14:40 Uhr / Lesedauer: 4 min
Die Vertrauensbasis stimmt zwischen Viola und Reiterin Kathrin Wacker.

Die Vertrauensbasis stimmt zwischen Viola und Reiterin Kathrin Wacker.

Die Dämmerung schiebt sich schon über das Münsterland. Das freundliche Lächeln und die langen blonden Haare Kathrin Wackers sind allerdings schon aus der Ferne erkennbar. Ihre positive, freundliche Art bricht sofort das Eis – wohl eines der Geheimnisse, die die 16-jährige Reiterin vom RV St. Georg Werne in den vergangenen Jahren zu einer der erfolgreichsten ihres Alters im Dressur-Viereck in ganz Deutschland werden ließ und obendrein zu Wernes Sportlerin des Jahres 2014.

Dass Kathrin Wacker einen guten Draht zu ihren Vierbeinern hat, wird schnell deutlich. Beherzt packt die großgewachsene, schlanke junge Frau zu, um ihr Springpferd Viola dazu zu bewegen, sich auf dem Hof perfekt für ein Foto zu positionieren. Und Viola folgt ihrer Reiterin prompt und gerne. „Wir kennen uns ja auch schon lange. Und Viola ist ein gutes Pferd“, erklärt Wacker.

Das Pferd, mit dem Wacker unter anderem im Bundeskader ritt und international Erfolge feierte, war allerdings ein anderes. Und dieses Pferd steht mittlerweile nicht mehr auf dem Wackerschen Hof. Der 14-jährige Rappwallach Moglie, ehemaliger Stall-Nachbar Violas, lebt und trainiert mittlerweile im dänischen Kopenhagen.

Zu alt für Ponys

Kathrin Wacker hat die Altersgrenze erreicht, bis zu der sie Ponys reiten darf. Daher jetzt der Wechsel auf das Großpferd. „Ich bin nun zu alt und auch zu groß geworden für Moglie. Das sieht dann eben auch nicht mehr so gut aus, wenn eine große Person auf einem Pony reitet. Und es geht uns auch nicht nur um den Erfolg. Darum haben wir Moglie verkauft“, berichtet Kathrin Wacker.

Ein schwerer Einschnitt in die sportliche Entwicklung, ein schwerer Einschnitt aber auch für Familie Wacker, denn Moglie kam schon als Zweijähriger nach Südkirchen, ist zu einem Teil der Familie geworden. Kathrins Mutter Sandra Wacker ritt zunächst auf ihm, brachte ihm die Grundlagen bei, die ihn zu einem so erfolgreichen Pferd haben werden lassen. Sie wurde auf Moglie schon Zweite beim Bundes-Championat für Ponys.

Im Anschluss ritt Kathrins ältere Schwester Anne auf ihm, ehe Kathrin und Moglie ein so erfolgreiches Duo bildeten. „Zwischen uns stimmte die Chemie einfach“, blickt Kathrin Wacker ein wenig wehmütig zurück. „Als wir Moglie dann nach Kopenhagen zu seiner neuen Familie gebracht und ihn da gelassen haben, war es schon richtig hart, auch für meine Mutter“, erinnert sich Kathrin Wacker.

Tränen beim Abschied

„Natürlich sind da auch ein paar Tränen geflossen. Moglie ist aber noch topfit. Er ist noch richtig motiviert, vor allem wenn er gemerkt hat, dass es zu großen Turnieren geht. Von daher war es sinnvoller, ihn zu verkaufen, als bei uns im Stall stehen zu lassen. Wir hätten Moglie zwar als Groß-Pferd umschreiben können, dann hätte ich noch auf ländlichen Turnieren starten dürfen, aber das wollten wir nicht“, erklärt Kathrin Wacker.

Komplett abgebrochen ist der Kontakt zu Moglie übrigens nicht. Kathrin und Anne Wacker haben im November in Dänemark vorbeigeschaut. Auf diesem Weg konnten sie den neuen Besitzern auch noch ein paar Tipps im Umgang mit dem Dressur-Juwel geben. „Wir bekommen allerdings auch regelmäßig Bilder und Videos aus Dänemark“, erzählt Kathrin Wacker, die so also weiter am Erfolg ihres ehemaligen Pferdes teilhaben kann.

Mit dem Verkauf Moglies verändert sich nun auch Kathrin Wackers sportliche Ausrichtung. Sie bleibt im Sattel, klar. Das stand nie zur Debatte. „Ich bin mit Pferden aufgewachsen. Ich reite seit meinem vierten Lebensjahr. Die Arbeit mit Tieren ist etwas ganz anderes als zum Beispiel mit einem Schläger, den man bei Bedarf einfach in die Ecke stellt. Man muss sich auf ein Pferd einlassen. Es spiegelt wider, wie man mit ihm umgeht“, erklärt Wacker, was für sie den Reiz des Reitsports ausmacht.

Springen statt Dressur

Im Reit-Viereck stehen für sie von nun an allerdings Hindernisse. Statt in der Dressur, möchte Wacker nun im Springreitsport Erfolge feiern. Und wen wundert es? Das gelang auch schon. Ende der vergangenen Saison startete die Südkirchenerin bereits bei ihrem ersten S-Springen in Waltrop.

Es folgten vier weitere Prüfungen dieser Kategorie unter dem Hallendach. Vor knapp zwei Wochen in Münster-Albachten dann der nächste große Erfolg: In einem S-Springen, an dem auch einige Profi-Reiter teilnahmen, schaffte Wacker den Sprung ins Stechen. Am Ende jubelte sie über Platz fünf. „Ich habe mich tierisch gefreut“, erinnert sich Wacker.

Bescheiden, wie Kathrin Wacker ist, versucht sie im nächsten Satz aber schon zu relativieren: „Viola ist ja schon lange bei uns im Stall. Eine Eingewöhnungszeit mit ihr fiel also weg. Außerdem habe ich schon immer Spring- und Dressurreiten parallel trainiert. Ich bin der Meinung, dass man ohne Dressur-Arbeit kein guter Springer werden kann.“

Seite 2: Viel Zeit für Training und Pflege

Diese Trainings- und Pflegearbeit mit den Tieren nimmt natürlich viel Zeit in Anspruch. Wenn Kathrin Wacker aus der Schule kommt, geht das Training los. Putzen, satteln, reiten und Co. nehmen pro Pferd rund eine Stunde ein. Neben der achtjährigen Viola reitet die 16-Jährige auch auf Mon Amour (acht Jahre). Trainiert wird entweder auf der heimischen kleinen Anlage oder beim RV St. Georg Werne.

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Die Einheiten leiten in der Regel Kathrins Eltern Sandra und Josef Wacker oder Ralf Kosanetzki, Trainer des RV St. Georg. Rund einmal im Monat gibt es zudem eine Einheit bei Landestrainer Klaus Reinacher in Osterwick. „Wir machen eher das Grundlagentraining. Ralf und Klaus haben das Auge für die Details“, erläutert Josef Wacker.

Die nächsten sportlichen Ziele hat Kathrin Wacker dabei auch schon fest im Visier. Schon bald steht in Warendorf der nächste Lehrgang an. Dort möchte sie sich für das Bundes-Nachwuchschampionat qualifizieren. 60 Reiter im Alter bis 21 Jahren nehmen dort teil und streben den Sprung zum Wettbewerb in Braunschweig an. Weiteres Ziel ist der Preis der Besten. Für den möchte sich Kathrin Wacker Anfang April in Werne empfehlen. „Ich traue ihr das auch zu. Talent, Wille und Ehrgeiz hat Kathrin ja allemal. Es ist aber eine Partnerschaft. Der Erfolg hängt natürlich auch immer vom Pferd ab“, erläutert Josef Wacker.

Im Moment scheint Viola noch das stärkere der beiden Pferde zu sein. „Mon Amour hat zwischendurch ein Fohlen bekommen und hat daher eine Zeit lang nicht trainiert. Vom Springvermögen sehe ich aber beide Pferde auf Augenhöhe. Auch Mon Amour soll bald im S-Springen starten“, so Josef Wacker. Dann wird Kathrin Wacker in Zukunft die Qual der Wahl haben, auf welchem Pferd sie startet.

Reitsport bleibt Hobby

Eine andere Wahl hat sie beinahe schon getroffen. So erfolgreich die Reiterin schon trotz ihres Alters ist, ihr Geld will sie später nicht mit dem Reitsport verdienen. „Da müsste ich richtig gut sein. Ich betreibe den Reitsport aber in der Freizeit. Wir haben eben nur einen kleinen Privat-Stall.“

Wacker will nun im kommenden Jahr erst mal ihr Abitur machen. „Gerne würde ich danach auch noch ins Ausland gehen. Nach Kalifornien oder Florida. Am liebsten, um auch dort mit Pferden zu arbeiten“, berichtet Wacker. Die Pferde sollen also weiter einen wichtigen Stellenwert in Wackers Leben behalten. Ihr Lächeln und die aufgeschlossene Art hoffentlich auch. 

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