Der Werner Ex-Fußballprofi Kurtulus Öztürk ist jetzt etwas mehr als ein Jahr Co-Trainer bei Preußen Münster. Wie lange er noch in der Domstadt trainiert, ist offen.

Werne

, 16.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

4:1 in Rostock, 2:1 in Kaiserslautern. Schnell fallen Kurtulus „Kutte“ Öztürk zwei ganz besondere Momente aus seinem ersten Jahr bei Preußen Münster ein. Der Co-Trainer des Drittligisten gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er an diese beiden Spiele zurückdenkt. Er holt sein Handy raus und zeigt ein Video mit den besten Szenen aus dem Spiel in Kaiserslautern.

„Das war Wahnsinn, in der Nachspielzeit haben wir das 2:1 gemacht.“ Matchwinner damals war Martin Kobylanski. Der Joker erzielte per sehenswerten Freistoß das 2:1 in der Nachspielzeit.

Ab und zu endet ein Jubellauf eines Torschützen auch in Öztürks Armen. Zum Beispiel, wenn er einem seiner Schützlinge vor der Partie ein Tor prophezeit - und damit Recht behält.

Enger Kontakt zu seinen Spielern

Die Nähe zur Mannschaft ist dem 38-jährigen Werner Junge wichtig. Schon bei seiner ersten Trainerstation, seinem Heimatklub Werner SC, den er in die Landesliga führte, pflegte er einen engen Kontakt zu den Spielern. Der Spagat zwischen Kumpel und respektierten Übungsleiter gelingt ihm auch im professionellen Fußballgeschäft. „Man muss heutzutage ein ‚Menschenfänger‘ sein. Das Zwischenmenschliche ist sehr wichtig. Das hat sich im Vergleich zu früher vielleicht geändert. Die Spieler wissen, sie können jederzeit zu mir kommen“, sagt Öztürk.

In vielen Dingen ist er der erste Ansprechpartner für die Spieler, gibt den Vermittler, führt Einzelgespräche. „Da hat mir Marco Antwerpen (Cheftrainer, Anm. d. Red.) auch einiges an Verantwortung übergeben. Aber das verlangt er auch. Er will einen Partner an seiner Seite und keinen hinter sich. Loyalität ist für uns beide wichtig. Sonst kannst du keinen Erfolg haben“, erklärt Öztürk.

Kurtulus Öztürk bei der Taktikbesprechung.

Kurtulus Öztürk bei der Taktikbesprechung. © Marcel Weskamp/Preußen

Seit Anfang Dezember 2017 sitzt Öztürk auf der Bank bei den Preußen. Chefcoach ist Marco Antwerpen (47), der Öztürk zuvor schon vom Werner SC nach Viktoria Köln gelotst hatte. Beim Regionalligisten in der Domstadt am Rhein hielt es das Duo nur fünf Monate. Dann kam das Angebot von Preußen Münster. Der Sprung aus der Regionalliga in die Dritte Liga sei schon recht groß gewesen, der Druck sei auch höher.

„In Köln hatten wir bei guten Heimspielen vielleicht 800 Zuschauer. Das ist in Münster natürlich ganz anders. Man muss sich ja nur mal unsere Gegner anschauen. Da sind große Namen dabei wie eben Kaiserslautern, Rostock und auch Braunschweig und Uerdingen“, so Öztürk, der meint, das die Dritte Liga in dieser Saison die „stärkste aller Zeiten“ sei. „An unserer akribischen Arbeit hat sich aber nichts geändert“, meint Öztürk.

Familiärer Rückhalt ist Öztürk wichtig

Privat hält ihm Ehefrau Bettina den Rücken frei. Die beiden sind seit Oktober 2010 verheiratet, haben eine gemeinsame Tochter. Das sich bei „Kutte“ alles um den Fußball dreht, kennt seine Frau nicht anders. „Ich habe meine Frau zu meiner Zeit als Profi in der Türkei kennengelernt. Sie hat mich zu diesem Zeitpunkt fast alle zwei Wochen in die Türkei besucht. Und meine Tochter Lara wächst da jetzt rein, ist auch oft bei den Spielen im Stadion. Ich bin froh, zwei so starke Frauen zu Hause zu haben, die mit mir zusammen gewinnen und auch verlieren“, so Öztürk, für den der familiäre Rückhalt sehr wichtig ist. Und vor dem Trainingsbeginn um 11 Uhr morgens hat er genug Zeit, seine Tochter in die Grundschule zu bringen.

Seinen Beruf machen das hohe Niveau der Liga und der bescheidene finanzielle Rahmen der Münsteraner nicht einfach. In die Winterpause gingen die Preußen mit 29 Punkten. „Wir können stolz auf das Erreichte sein“, sagt Öztürk. Die Fans waren allerdings zuletzt unzufrieden. Vier Spiele verloren ihre Preußen im Dezember in Serie – die Folge: der Fall auf Platz sieben.

Münsters Kader ist dünn

Öztürk kontert den Kritikern: „Viele können sich nicht vorstellen, wie schwer es war, diese 29 Punkte zu holen“, so Öztürk und weiter: „Wirtschaftlich gesehen sind wir weit unten in der Liga, aber wir machen das Beste aus unseren begrenzten Mitteln.“ Der Kader sei für einen Profiteam recht dünn. „Da kann es bei Verletzungen zu Problemen kommen. Zudem haben wir eine recht junge Truppe. Da muss man damit rechnen, dass es mal nicht so läuft. Aber die Mannschaft hat sich stetig weiterentwickelt. Das Positive überwiegt meiner Meinung nach“, so Öztürk.

Zahlen sollen dies belegen: „Wir haben zu diesem Zeitpunkt elf Punkte mehr als in der vergangenen Saison. Darauf können wir aufbauen. Im gesamten Jahr 2018 haben wir 63 Zähler geholt. Das lassen wir uns nicht schlecht reden. Aber klar, wir wollen in der Rückrunde besser spielen als in der Hinrunde.“

Kein Geld für Neuzugänge

Der leichte Unmut über die Ergebnisse im Dezember, die Diskussion um die Finanzen und einen möglichen Stadionneubau hatten zuletzt für etwas Unruhe bei den Preußen gesorgt. Für den Co-Trainer sei da aber auch viel von außen reingetragen worden. „Wir hätten gerne in der Winterpause zwei, drei neue Spieler geholt. Und mit wir meine ich alle Verantwortlichen im Verein. Aber es ist eben finanziell nicht möglich. Das muss man akzeptieren“, erklärt Öztürk. Auch die Diskussion um einen Stadionneubau sei beendet: „Wir bleiben an der Hammer Straße“, so der Co-Trainer.

Für den ehemaligen Rechtsverteidiger aus Werne, der schon als Spieler eineinhalb Jahre bei den Preußen in der Regionalliga West unterwegs war, zählt ohnehin nur das Sportliche. Die Vorbereitung auf die Rückrunde hat am 6. Januar begonnen. Das erste Ligaspiel steht am Samstag, 25. Januar, um 14 Uhr auf dem Programm. Münster ist dann zu Gast beim Tabellenachtzehnten Carl Zeiss Jena.

Öztürk tunnelt seine Spieler

Bis dahin steht ein intensives Training an. An der Ausarbeitung der Trainingsinhalte ist Öztürk maßgeblich involviert. „Das Training muss gut organisiert sein. Ich mag es zum Beispiel nicht, wenn Spieler Zeit haben rumzustehen“, sagt Öztürk. Er und Antwerpen spielen auch schon mal mit: „Beim Sechs-gegen-Zwei sind wir dabei. Da spiele ich dem einen oder anderen schon mal den Ball durch die Beine“, sagt Öztürk und lacht.

Auch an der Seitenlinie ist das Trainerduo sehr engagiert. „Wir können da nicht ruhig sein, wir möchten die Mannschaft auch bei den Spielen von außen coachen. Da sind Marco und ich sehr eingespielt“, erzählt Öztürk. Wichtig sei, dass die Spieler sehen würden, dass das Trainerteam genau so heiß auf das Spiel sei, wie sie selbst.

Öztürk und Antwerpen als Doppelpack

Öztürk und Antwerpen sind auch außerhalb des Fußballgeschäfts miteinander befreundet. Die enge Bindung heißt aber auch, dass es die beiden nur als Doppelpack gibt - auch in Bezug auf mögliche nächste Stationen. „Wir haben gemeinsame Ziele“, sagt Öztürk.

Antwerpen wie Öztürk haben einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019. Gespräche über die Zeit danach habe es laut Öztürk bislang noch nicht gegeben. „Über Tendenzen kann man jetzt nur spekulieren. Wir bleiben da entspannt und geben Stand jetzt bis zum 30. Juni Vollgas für Preußen. Was für uns beide auch eine Herzensangelegenheit ist“, erklärt Öztürk. Ein Ziel hat sich der 38-Jährige für 2019 außerhalb seines Wirkens bei Preußen Münster gesetzt: Er macht im Sommer die Trainer-A-Lizenz. Und seinem Heimatverein, dem Landesligisten Werner SC, will er natürlich auch weiterhin verbunden bleiben.

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