Claudia Nachtwey, Gründerin der LippeRunners Werne, verrät ihre Tipps rund ums Laufen im Winter, die schönsten Laufstrecken in Werne und wie sie fast am Ironman auf Hawaii teilgenommen hat.

Werne

, 02.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 6 min

Es ist schön warm, das Licht ist gedimmt und auf dem Couchtisch leuchtet eine Kerze. Daneben liegt auf einer Decke ein kuscheliger Labrador, der mit verträumten Augen in den Garten hinausschaut.

Das Haus der Familie Nachtwey in Werne ist einfach nur gemütlich und lädt zu einer heißen Tasse Tee auf der Couch ein - und einem Blick in den kleinen Garten, wo leise Schnee auf den Rasen fällt.

Wenn jemand bei so einem gemütlichen Zuhause und so einem kalten Wetter auf die Idee kommt, trotzdem die Laufschuhe zu schnüren und sich draußen so richtig auszupowern, dann ist das die Wernerin Claudia Nachtwey.

Die 52-Jährige, die mit ihrem Mann Thomas vor drei Jahren die LippeRunners Werne gegründet hat, kann auf unzählige sportliche Erfolge zurückschauen.

Claudia Nachtwey feierte schon einige Erfolge im Laufsport

Sie stand ganz oben auf zahlreichen Westfälischen Bestenlisten, ist schon unzählige Marathonstrecken gelaufen - mit einer persönlichen Bestzeit von 3:12:30 Stunden - und hat am Ironman teilgenommen.

2017 wurde sie dabei in Hamburg Viertschnellste ihrer Alterklasse - „da habe ich die Qualifikation für den Ironman auf Hawaii ganz knapp verpasst“, erklärt die ehrgeizige Wernerin und vierfache Hundebesitzerin.

Für alle, die ein wenig Nachhilfe in Sachen Ironman brauchen: Bei diesem berühmt-berüchtigten Triathlon-Wettkampf müssen die Teilnehmer 3,86 Kilometer schwimmen, 180,2 Kilometer Rad fahren und danach noch die Marathondistanz von 42,195 Kilometer laufen.

Claudia Nachtwey schnürt jeden Tag die Laufschuhe - egal ob draußen die Sonne scheint oder Schnee liegt.

Claudia Nachtwey schnürt jeden Tag die Laufschuhe - egal ob draußen die Sonne scheint oder Schnee liegt. © Nina Bargel

Klar, dass sich jemand wie Claudia Nachtwey, die neben ihrer Vollzeitstelle als kaufmännische Angestellte in Lünen, Gründerin eines Sportvereins, Leiterin diverser Sportkurse und Besitzerin von mittlerweile vier Hunden, weder von Stress, Schnee, noch von Temperaturen unter dem Gefrierpunkt von ihrem geliebten Laufsport aufhalten lässt. „Ich habe schon einen stressigen Alltag, aber mir macht alles, was ich tue, Spaß“, erklärt Nachtwey.

Deshalb hat die Wernerin so einige Tipps auf Lager, die Jogger bei einem so kalten Wetter beachten sollten: Wichtig sind natürlich die richtige Kleidung, genug Motivation, das Achten auf die Gesundheit und die richtigen Laufstrecken.

Laufen im Winter - die richtige Motivation

„Ich gehe bei dem aktuellen kalten Wetter genauso häufig laufen, wie im Sommer.“ Was für manche bei Schnee, Eis und Glätte unvorstellbar ist, ist für Claudia Nachtwey also nichts anderes, als ein Lauf an einem lauen Sommerabend.

Aber wie schafft man es als Normalsterblicher - der den Feierabend gerne mal in eine Decke eingekuschelt auf der Couch verbringt - nach der Arbeit noch die Laufschuhe zu schnüren?

„Auch mir fällt es schwer, mich zu motivieren“, gibt die 52-Jährige zu. Ein Satz, der ein bisschen beruhigt, „aber ich muss sowieso mit den Hunden raus“, schiebt sie hinterher und lacht. So weit, so gut - was aber, wenn man keine Hunde hat oder die Vierbeiner am liebsten nur kurz in den Garten rauslässt?

Claudia Nachtwey weiß, wie schwierig es manchmal ist, sich aufzuraffen: „Man kommt von der Arbeit nach Hause, hat schlechte Laune, muss sich dann noch umziehen.“

Claudia Nachtwey mit einem ihrer vier Hunde, durch die sie sowieso täglich bei Wind und Wetter vor die Tür muss.

Claudia Nachtwey mit einem ihrer vier Hunde, durch die sie sowieso täglich bei Wind und Wetter vor die Tür muss. © Bargel

Der Trick sei aber ganz einfach: Man solle einfach anfangen, sich umzuziehen und vor die Tür gehen. „Und dann kommt die Lust schon beim Laufen“, erklärt die Gründerin der LippeRunners. Ein weiterer Tipp, den sich Nachtwey aus ihrer Vergangenheit als Spielerin im Teamsport Volleyball angeeignet hat - mit anderen zusammen laufen und sich gegenseitig motivieren: „Das hilft extrem.“

Außerdem solle man sich laut Nachtwey, die 2002 aus purer Neugier auf ihre Leistungsfähigkeit ihren allerersten Wettkampf über 10 Kilometer bestritt, klar machen, wie wenig Zeit des Tages man für den Sport aufwendet.

„Ich sitze tagsüber 7,5 Stunden im Büro, da bin ich froh, wenn ich meinen Körper bewegen kann.“ Eine Stunde Laufen gehen mache nur 1/24 des gesamten Tages aus - „das ist bestimmt nicht zu viel“, erklärt Nachtwey.

Laufen bei Minusgraden - die richtige Kleidung

Nach ihrem ersten 10-Kilometer-Lauf im Jahr 2002 - bei dem sie übrigens nach 48 Minuten über die Ziellinie lief - hatte die gebürtige Göttingerin Blut geleckt. Sie wollte mehr. 2003 lief sie ihren ersten Marathon, Zeit: 3:30:00 Stunden. Damals herrschten zwar keine Minustemperaturen, trotzdem hat Nachtwey im Laufe ihrer Sportkarriere gelernt, wie wichtig die richtige Kleidung ist.

„Bei kaltem Wetter trage ich grundsätzlich vier Schichten“, erklärt die 52-Jährige. Vor allem das Material der Kleidung sei entscheidend - Baumwolle sei völlig ungeeignet, Funtionskleidung lautet das Stichwort. „Also, ich trage ein Unterhemd, ein T-Shirt, darüber ein dünnes Langarmshirt, und eine Jacke“, zählt Claudia Nachtwey ihre Trainingausrüstung auf.

Claudia Nachtweys Laufausrüstung für den Winter: Dazu gehören eine Warnjacke (links unten), eine nicht zu dicke Jacke zum Überziehen (links oben), ein Funktionsunterhemd (Mitte oben), ein Funktions-T-Shirt (Mitte unten), ein langärmliges Funktions-Shirt (rechts), sowie Mütze, Handschuhe und Stirnlampe (Mitte).

Claudia Nachtweys Laufausrüstung für den Winter: Dazu gehören eine Warnjacke (links unten), eine nicht zu dicke Jacke zum Überziehen (links oben), ein Funktionsunterhemd (Mitte oben), ein Funktions-T-Shirt (Mitte unten), ein langärmliges Funktions-Shirt (rechts), sowie Mütze, Handschuhe und Stirnlampe (Mitte). © Nina Bargel

Dazu kommen eine Laufhose - Nachtwey trägt keine lange Unterwäsche beim Laufen - und die normalen Laufschuhe. Der Grund: „Ich trage die gleichen Schuhe wie im Sommer. Wenn es glatt ist, hilft auch kein Profil mehr“, erklärt sie und lacht.

Zu der normalen Kleidung kommen im Winter noch eine Mütze, dazu die Jackenkapuze und ein dünnes Halstuch. Da es im Winter abends schon früh dunkel wird, empfiehlt Nachtwey auch eine Warnweste und eine Stirnlampe.

Dass Nachtwey hier genau richtig liegt, bestätigt jemand, der es wissen muss: Orthopäde Mirko Kuhn, der früher selbst als Fußballer sportlich aktiv war - sich also mit Sport draußen auskennt. Er sieht Funktionskleidung ebenfalls als unerlässlich an.

„Ein durch intensives Training ohnehin leicht geschwächtes Immunsystem sollte im Winter nicht noch durch schlechtes Equipment zusätzlich belastet werden.“ Zu gutem Equipment zählen eben eine Mütze, die die hohe Wärmeabgabe über den Kopf verhindert, sowie Funktionsshirts und -shorts, die den Schweiß nach außen transportieren.

Laufen bei kaltem Wetter - auf die Gesundheit achten

Beim Laufen sollte die Kleidung nicht zu dick sein. Grundsätzlich gilt: „Man sollte einfach auf seinen Körper hören und die Geschwindigkeit dementsprechend anpassen“, empfiehlt Claudia Nachtwey.

Die Läuferin der LippeRunners hält die heißen Temperaturen des vergangenen Sommers für gefährlicher als die aktuellen Minusgrade. „Gegen zu kalt kann man anlaufen, gegen zu warm nicht“, so Nachtwey.

Manchmal wundere sie sich, wie warm die Leute angezogen sind, vor allem Anfänger würden sich meist zu dick anziehen, „das kann schnell gefährlich für den Kreislauf werden“, erklärt die erfahrene Läuferin.

Dass sie Anfängern gerne Tipps gibt, liegt auch daran, dass sie irgendwann durch muskuläre Probleme gezwungen wurde, sportlich etwas kürzer zu treten.

Nachdem sie 2003 ihrem Mann Thomas kennenlernte, sind beide gemeinsam beim TV Werne eingetreten. „Der Konkurrenzkampf mit den anderen im Verein hat meinen Ehrgeiz dann noch mal geweckt.“ Das kauft man der ambitionierten sportlichen Frau sofort ab.

Thomas Nachtwey ist durch seine Frau zum Laufsport gekommen. Hier ist er beim 17. Werner Stadtlauf unterwegs.

Thomas Nachtwey ist durch seine Frau zum Laufsport gekommen. Hier ist er beim 17. Werner Stadtlauf unterwegs. © Greis

Nach der Gründung des eigenen Vereins und den muskulären Problemen konzentrierte sich die Wernerin immer mehr darauf, andere zu motivieren - auch ihren Mann hat sie zu einem richtigen Läufer gemacht. „Thomas war 2003, als wir uns kennengelernt haben, Raucher und hat gerne vor dem Computer gesessen. 2006 ist er dann seinen ersten Marathon mitgelaufen“, erklärt die stolze Ehefrau.

Gezwungen hat sie ihren Mann aber zu nichts. „Ich unterstütze ihn bei allem, was er machen möchte - und umgekehrt, sonst wäre er auch nicht mein Mann“, sagt Claudia Nachtwey und lacht.

Die Wernerin unterstützt auch die Mitglieder der LippeRunners und gibt gerade bei den eisigen Temperaturen Tipps, um trotz der Kälte laufen zu können: „Optimalerweise sollte man ja durch die Nase atmen, aber das ist in der Praxis beim Laufen nunmal meistens nicht so - man atmet durch den Mund.“ Deshalb müsse jeder selbst entscheiden, wann es zu kalt für die Lunge wird.

„Man sollte einfach auf seinen Körper hören.“
Claudia Nachtwey

Die wöchentlichen Lauftreffs der LippeRunners finden bei jedem Wetter statt. Claudia Nachtwey erklärt, dass man auch bei minus 10 Grad laufen könne, solange man auf seinen Körper höre: „Grundsätzlich würde ich sagen, dass man in unseren Breitengraden bei fast jeder Temperatur laufen gehen kann.“

Worauf Läufer aber achten sollten ist: sich nach dem Laufen und Schwitzen wieder richtig aufwärmen und nicht zu lange draußen aufhalten. Auch Orthopäde Mirko Kuhn rät, draußen immer in Bewegung zu bleiben: „Trainingselemente mit vermehrten Wartezeiten sind natürlich zu vermeiden. Alle Aktiven sollten nach Möglichkeit viel in Bewegung bleiben.“

Und nach dem Training? „Eiskalt duschen gehen würde ich nach einem Lauf im Schnee nicht empfehlen“, sagt Claudia Nachtwey und lacht. Und man sollte natürlich kein eiskaltes Wasser trinken. „Ich kann das sowieso nicht, das ist auch nicht gut für den Magen“, erklärt die 52-Jährige, die im vergangenen Jahr ihre Orthopädie-Lizenz gemacht hat und genau weiß, was gut für ihren Körper ist.

Laufen in Werne - die besten Strecken

Mit der richtigen Kleidung ausgestattet, hochmotiviert und mit dem wichtigsten Wissen über die gesundheitlichen Aspekte ausgestattet, stellt sich jetzt nur noch eine Frage: Wo läuft es sich am besten in und um Werne? Auch darauf hat Claudia Nachtwey eine Antwort und verrät, wo es die besten Laufstrecken in und um Werne gibt - für jedes Leistungsniveau.

Für Anfänger eignen sich natürlich Strecken, die flach verlaufen und nicht allzu lang sind. Das „Kleine Windrad“ ist zum Beispiel eine solche Laufstrecke, die im Werner Stadtwald startet.

Die insgesamt 8 Kilometer haben nur 50 Höhenmeter, es geht über Waldboden und asphaltierte Wirtschaftswege. Wem die Strecke gefällt, sie aber etwas zu kurz ist, der kann auf das „Große Windrad“ umsteigen, bei dem sich die Strecke auf 11 Kilometer verlängert.

Etwas anspruchsvoller wir es dann auf der „Trassenrunde“, die Claudia Nachtwey „am liebsten im Winter“, läuft. Auf 12 Kilometern geht es am Datteln-Hamm-Kanal in Richtung Stockum und über die Bahntrassen nach Werne zurück. Die Strecke ist zwar noch flacher als die Windrad-Runden, der Untergrund ist allerdings steinig und bei regnerischem Wetter gibt es auch einige Pfützen.

Wem das immer noch nicht reicht, kann sich sich an der „Südkirchen-Runde“ versuchen. 50 Höhenmeter sind zu absolvieren, es geht vom Stadtwald über die Capeller Straße durch die Bauerrnschaften nach Südkirchen und von da aus wieder zurück nach Werne.

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Die schönsten Laufstrecken in und um Werne

Das sind die schönsten und besten Laufstrecken in und um Werne.
31.01.2019
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Die Laufstrecke „Kleines Windrad“ ist 8 Kilometer lang und hat 50 Höhenmeter.Sie startet im Werner Stadtwald und geht bis nach Schmintrup. Es geht über Waldboden und asphaltierte Wirtschaftswege.© GoogleMaps
Der Stadtwald Werne ist Start und Zielpunkt beim "Kleinen Windrad", beim "Großen Windrad" und bei der "Südkirchen-Runde".© Nina Bargel
Die Laufstrecke "Großes Windrad" ist 11 Kilometer lang und hat 50 Höhenmeter. Es geht im Gegensatz zum "Kleinen Windrad" bis zum Haus Hölting und zurück.© GoogleMaps
Die "Trassenrunde" ist 12 Kilometer lang und hat unter 50 Höhenmeter. Es geht am Kanal entlang in Richtung Stockum und über die Bahntrasse wieder zurück nach Werne.© GoogleMaps
Bei der "Trassenrunde" geht es am Datteln-Hamm-Kanal entlang.© Nina Bargel
Die „Südkirchen-Runde“ ist 15,5 Kilometer lang und hat 50 Höhenmeter. Es geht vom Stadtwald über die Capeller Straße durch die Bauerrnschaften nach Südkirchen und von da aus wieder zurück nach Werne.© GoogleMaps

Ausgestattet mit dem besten Wissen über Kleidung, Gesundheit, Motivation und die richtigen Strecken in und um Werne, gibt es jetzt also nichts mehr, was von einem Lauf durch die Stadt abhalten könnte.

Und auf einer der Strecken werden die Werner Läufer vielleicht auch auf Claudia Nachtwey treffen. Denn die 52-Jährige wird so lange laufen gehen, „wie es mir Spaß macht“.

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