Mit 16 in der Oberliga: Lippebaskets-Talent Fin Eckardt ist kein gewöhnlicher Athlet

LippeBaskets Werne

Mit 16 Jahren spielt Fin Eckardt bereits für die zweite Mannschaft der Lippebaskets Werne in der Basketball-Oberliga und trainiert bei der ersten mit. Sein Weg ist außergewöhnlich – wie seine Leidenschaft.

Werne

, 08.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
In seiner Altersklasse kaum zu stoppen: Fin Eckardt (M.) spielt neben der U18 der Lippebaskets auch für die Oberliga-Herren der Werner und trainiert dreimal die Woche bei der ersten Mannschaft mit.

In seiner Altersklasse kaum zu stoppen: Fin Eckardt (M.) spielt neben der U18 der Lippebaskets auch für die Oberliga-Herren der Werner und trainiert dreimal die Woche bei der ersten Mannschaft mit. © Weitzel

Für gewöhnliche Athleten – egal, welche Disziplin sie betreiben – wäre es ein sportlicher Erfolg, sich irgendwann einmal in ihrem Leben auf Oberliga-Niveau zu messen. Überkreislich, mitunter gegen Halbprofis, die für ihre Leistungen bezahlt werden. Für den 16-jährigen Werner Basketballer Fin Eckardt stellt die Oberliga den Einstieg in den Senioren-Bereich dar.

Dementsprechend voll des Lobes für seinen Schützling ist Jan König, Trainer der 2. Herren der Lippebaskets, bei denen Fin Eckardt in der Oberliga auf Korbjagd geht. „Fin ist jemand, der total selten zu finden ist, weil er absolut mit 100 Prozent dabei ist. Er spielt gefühlt in allen Mannschaften, bei denen ich zugucke. In der U18 spielt er mit, auch bei der Zweiten, bei der Ersten trainiert er mit“, berichtet König.

„Er ist nicht gottgesegnet“

„Das ist extrem geil zu sehen, weil er nicht gottgesegnet ist mit Größe. Er ist kein Basketballer, der jemals über Größe und Körper kommen wird. Er kommt sehr stark über den Ehrgeiz. Er ist jemand, der total gut zuhört und jeden Tipp aufsaugt, den man ihm gibt. Und wenn du das nächste Mal gegen ihn spielst, wendet er das gegen dich an“, sagt der Spielertrainer.

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Mit noch nicht ganz 1,75 Metern hat Fin Eckardt kein prototypisches Gardemaß für einen Basketballer. Als Aufbau spielt er die kleinste Position, doch sie kommt seinen Stärken in vielen Bereichen entgegen. „Zu seinen Stärken zählt auf jeden Fall sein Wurf, der sich extrem weiterentwickelt hat im letzten Jahr, mit der Größe, die dazugekommen ist, und sich mit mehr Kraft auch noch weiterentwickelt. Ansonsten sein Dribbling, er ist extrem sicher im Ballhandling und kann den Ball sehr gut nach vorne tragen“, lobt Trainer König.

Neunmal Training plus Spiele

Neun Trainingseinheiten absolviert Fin Eckardt in einer normalen Woche, hinzu kommt der Spielbetrieb. Und mittlerweile steht er sogar selbst als Coach an der Seitenlinie und bringt anderen die Begeisterung an seinem Lieblingssport näher. „Als Trainer habe ich vor drei Jahren angefangen. Ich habe damals mit Tillmann Brautlecht zusammen die U10 übernommen, und wir sind dann in unserem ersten Trainerjahr tatsächlich auch Meister geworden“, berichtet der 16-Jährige. „Jetzt coache ich mit Lara Müller die U14 weiblich. Da sind die Mädels ja eigentlich alle noch ein Jahr jünger als für die Altersklasse vorgesehen, da achten wir darauf, dass sie sich weiterentwickeln und den Spaß am Basketball behalten.“

Zudem gehört er seit dieser Saison zum Rookie-Trainer-Team der Metropol Baskets Ruhr, bei dem er als Jugendtrainer Spieler der Jahrgänge 2006/2007 darauf vorbereitet, in ein bis zwei Jahren für den Klub in der Jugendbundesliga (JBBL) aufzulaufen – wie er selbst noch in der vergangenen Spielzeit.

„Letztes Jahr war ich einer der beiden Captains der Metropol Baskets Ruhr in der JBBL und durfte Erfahrung gegen höherklassige Gegner sammeln. Das war schon etwas anderes, da wird auch mehr auf Ernährung und Erholung geachtet, auch die Anreisen zu den Spielen dauern länger und man übernachtet auch schonmal vor Ort. Das ist nochmal ein anderes Gefühl, wenn man tatsächlich auf Bundesebene Basketball spielen darf“, sagt der 16-Jährige bescheiden.

„Das Gefühl, Basketball zu spielen, begeistert mich“

Liebe für seinen Sport ist bei ihm reichlich vorhanden. Seit mittlerweile mehr als 12 Jahren spielt Fin Eckardt Basketball. „Ich finde einfach immer wieder neue Gegner in unterschiedlichen Leistungsklassen, und einfach auch das Teamspiel, das Spielen mit meinen Freunden zusammen. Man lernt auch immer wieder neue Leute kennen, die einem weiterhelfen und mit denen man sich gut unterhalten kann. Aber auch die Sportart an sich: Das Gefühl, Basketball zu spielen, begeistert mich“, erklärt er.

Fin Eckardt trainiert derzeit die U14 der LippeBaskets.

Fin Eckardt trainiert derzeit die U14 der LippeBaskets. © LippeBaskets

Sportliche Vorbilder hat Fin Eckardt einige: Dirk Nowitzki nennt er „natürlich“, der beste deutsche Basketballer aller Zeiten inspiriert den 16-Jährigen „durch sein Durchhaltevermögen und dieses unermüdliche Trainieren“. Eigenschaften, die andere, wie sein Coach Jan König, auch ihm zuschreiben. Doch Nowitzki ist nicht sein einziges Idol, das bereits den Meistertitel der nordamerikanischen Profiliga NBA gewonnen hat.

Stephen Curry und Cajus Cramer

„Mein spielerisches Vorbild ist Stephen Curry, weil ich seine Fähigkeit bewundere, den Ball aus jeder möglichen Lage in den Korb zu bringen“, schwärmt Fin Eckardt vom aktuell verletzten Aufbauspieler der Golden State Warriors. Aber auch im eigenen Klub hat er Vorbilder. „In Werne sind es Cajus Cramer und Frederic Meinert. Cajus wegen seinem Allroundtalent, er ist sowohl stark vorne als auch defensiv. Bei Frederik sind es die Spielerfahrung und die Coolness, dass er immer das Team anführt, seine Spielfähigkeit und seine Athletik“, erklärt der 16-Jährige.

Und wohin soll die Basketball-Reise für Fin Eckardt am Ende führen? „Mein Ziel war früher immer, irgendwann in der ersten Herren zu spielen. Mal von Sebbe (Hallensprecher Sebastian Bressler, d. Red.) aufgerufen zu werden und vor so vielen Zuschauern mit so einem geilen Team zu spielen. Dieses Team erlebe ich ja schon dreimal die Woche im Training hautnah mit. Mit und gegen so viele erfahrene Spieler zu spielen, ist etwas Besonderes“, schwärmt der Werner. „Und höherklassig gucke ich, was kommt. Ich habe kein konkretes Ziel, Bundesliga oder Pro B zu spielen. Wenn es möglich ist, nehme ich das an, aber ich lege es nicht darauf an. Mit dem Jahr in der JBBL habe ich nie gerechnet.“

Studium statt Sportkarriere

Als langfristigen Karriereplan sieht Fin Eckardt seine Leidenschaft aber nicht. Nach dem Abitur möchte er gerne für ein Jahr ins Ausland gehen – am liebsten nach Amerika und Basketball spielen – und anschließend Medizin studieren, wenn es mit dem Studienplatz klappen sollte.

Als junger Spieler ist der 16-Jährige natürlich nicht perfekt. „An seiner Übersicht muss er noch arbeiten, mit seiner Größe wird er auf lange Sicht im Seniorenbereich Aufbauspieler sein, da muss er noch mehr Kontrolle in sein Spiel bekommen, das ist ganz wichtig“, erklärt Jan König. „Es ist so, dass die Mannschaft nur so geordnet ist wie der Aufbauspieler. Und wenn ich Fin momentan den Ball nach vorne bringen lasse, macht er noch zu viele vermeidbare Fehler.“ Als 16-Jähriger im Senioren-Bereich gegen ausgewachsene Männer – das ist konstruktive Kritik auf hohem Niveau. Auch König weiß: Fin Eckardt ist kein gewöhnlicher Athlet. Und was aktuelle Defizite angeht: „Er ist so oft in der Halle, dass er gar nicht anders kann, als sich zu verbessern.“

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