Spanischer Jugend-Nationalspieler kickt beim TuS Ascheberg

Fußball-Bezirksliga

Er ist ein großes Fußball-Talent, hat in den spanischen Jugend-Nationalmannschaften gespielt. Aber er ist auch ein 20-Jähriger ohne berufliche Ausbildung, den die schwere Lage auf dem Arbeitsmarkt aus Spanien vertrieben hat. Antonio Reyes' Traum: die deutsche Bundesliga. Sein Alltag: TuS Ascheberg, Bezirksligist im Münsterland.

ASCHEBERG

von Von Volker Petersen

, 07.11.2012, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hat bereits für spanische Jugendnationalmannschaften gespielt: Antonio Reyes. Der Fußballer ist aus Spanien nach Ascheberg gekommen - mit einem Traum.

Hat bereits für spanische Jugendnationalmannschaften gespielt: Antonio Reyes. Der Fußballer ist aus Spanien nach Ascheberg gekommen - mit einem Traum.

Seit Anfang September kickt er für den TuS Ascheberg in der Fußball-Bezirksliga Gruppe 8. Dessen Trainer Holger Möllers ist befreundet mit Elexandra Malz, die einst brasilianische Profis von Borussia Dortmund betreute. Sie sah Reyes in Granada, bat Möllers, den Spieler in Deutschland aufzunehmen. „Als ich gefragt wurde, ob ich nach Deutschland kommen wolle, war es, als ob ich im Lotto gewonnen hätte“, erinnert sich Reyes. „Ich wusste sofort, dass ich das machen will.“ Denn: „Zuhause war die Lage aussichtslos.“ Die Hälfte der jungen Leute in Spanien ist arbeitslos, wer Arbeit hat, verdingt sich oft unter Wert. So liest man immer wieder von den Ingenieuren, die ihre Uni-Abschlüsse verschweigen, um bessere Chancen auf einen Job als Supermarktkassierer zu haben.

„Ich war nie ein guter Schüler“, sagt er. „Ich habe mich immer auf den Fußball konzentriert.“ Doch auf dem Platz stieß er an Grenzen. Beim FC Granada erhielt er keinen Profivertrag. Eine Enttäuschung. „Die setzen nicht auf die Jugend, sondern auf Spieler von außerhalb“, sagt er knapp. Er hielt sich bei einem kleinen Verein fit, es war frustrierend. „Ich war kurz davor aufzuhören“, sagt er. Also versuchte es der 20-Jährige im Münsterland. „Er hat ein paar Mal bei uns mittrainiert, das hat gleich gepasst“, sagt Aschebergs Trainer Holger Möllers. Er brachte ihn in der Wohngemeinschaft eines Spielers unter, der Verein unterstützt ihn finanziell. Der junge Spieler hat wieder Hoffnung. Möllers sei wie ein Vater für ihn.

Jeden Tag fährt Reyes nach Münster zu einer Sprachschule, um Deutsch zu lernen. „Es ist sehr schwer“, sagt er. Der Klang sei hart. „Manchmal, wenn mein Trainer mit mir spricht, habe ich deshalb das Gefühl, dass er sauer auf mich ist“, sagt er. Der Spanier scheint seine Aufgabe eher aus dem Zusammenhang heraus zu verstehen.  Er wird "Toni" genannt, kommt im Team gut zurecht, schießt Tore, gewöhnt sich an Zweikampf-Härte. Der junge Mann aus Andalusien hat hohe Ziele. „Mein Traum ist es, in der Bundesliga zu spielen.“ Dafür hängt er sich rein. „Ich trainiere jeden Tag“, sagt er. Auch bei der zweiten und dritten Mannschaft der Ascheberger spielt er mit. Und steckt dennoch zwischen Hoffnung und Heimweh.  

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