Trendsportart Padel-Tennis: Wer anfängt, ist infiziert

Padel-Tennis

Seit sechs Wochen wächst in Werne die Padel-Tennis-Gemeinde. Am Wochenende fand das erste Turnier in der Werner Padelbase statt. In Deutschland ist Padel-Tennis gerade erst im Kommen, in anderen Ländern ist die Sportart schon viel weiter.

Werne

von Marc-André Landsiedel

, 05.02.2018, 18:36 Uhr / Lesedauer: 3 min
Auch Jens Knippschild, ehemaliger Tennis-Profi und Davis-Cup-Spieler, schlug am Wochenende in der Padelbase Werne auf.

Auch Jens Knippschild, ehemaliger Tennis-Profi und Davis-Cup-Spieler, schlug am Wochenende in der Padelbase Werne auf. © Foto Helga Felgenträger

Sonntagabend, 20.15 Uhr. Die Nation versammelt sich vor dem Fernseher, um den neuen Dortmund-Tatort zu schauen. Die ganze Nation? Nein! Rund 20 Spieler der Sportart Padel-Tennis – einer Mischung aus Tennis und Squash – tummeln sich noch in der Padelbase Werne.

Spaß im Vordergrund

Sie spielen um den Halbfinaleinzug des zweitägigen Hobbyturniers, das an diesem Wochenende ausgetragen wurde. Zwei Tage Einsatz – man könnte also sagen: Es geht hier um etwas. Doch die Stimmung ist gelöst, nicht verbissen – die Spieler in den Glaskästen haben einfach Spaß. „Es geht hier viel lockerer zu als beim Tennis“, erklärt Darek Nowicki. Er muss es wissen. Denn er kennt beide Sportarten gut.

Nowicki war früher Profi-Tennisspieler, schlug sogar für Polen im Davis-Cup auf. Heute organisiert er die German Padel Tour, die am Wochenende Station in Werne machte. Vor vier Jahren fragte ihn ein Freund, ob er Padel-Tennis kenne. „Padel? Tennis auf dem Wasser? Du bist wohl nicht frisch in der Birne“, habe er seinem Kumpel geantwortet. Doch sein Freund ließ sich nicht beirren, nahm ihn mit in eine Padel-Tennishalle. „Und in der gleichen Woche stand ich noch an vier weiteren Abenden auf dem Feld.“

„Drauf und süchtig“

Ähnlich erging es Niklas Grennigloh. Der 27-jährige Werner hat Feuer gefangen. Seit sechs Wochen betreibt er den Sport – genau so lange, wie die Padelbase in Werne existiert. „Kaum stand ich auf dem Court, war ich süchtig“, erinnert sich der Fußballer, der in der dritten Mannschaft des Werner SC kickt. Zwei bis vier Mal pro Woche greift er mittlerweile zum Padel – und kann es uneingeschränkt weiterempfehlen. „Jeder, der auch nur ein bisschen Ballgefühl und Bewegungstalent hat, kann es spielen.“

Der Clou: Auf den kleinen Courts haben die Leistungsgefälle der Spieler nicht so große Auswirkungen wie etwa beim Tennis. So sind auch Duelle jung gegen alt oft ausgeglichen. Vielmehr als die körperliche Fitness zählen Faktoren wie Antizipation und Gedankenschnelligkeit. Das bestätigen auch Michael Witthüser (47) und sein Sohn Mica (14). Die beiden Tennisspieler aus Unna padeln seit drei Wochen in Werne. „Das Schöne ist, dass wir hier als Vater und Sohn zusammenspielen können. Beim Tennis ist das aufgrund des Altersunterschieds oft schwierig“, erklärt Michael Witthüser. Und Mica erzählt: „Letzte Woche haben wir gegen einen 70-Jährigen und ein 8-jähriges Mädchen gespielt. Es war eine offene Partie“.

Noch in der Steinzeit

Die Zielgruppe ist also groß. Einer der Hauptgründe, warum sich der Sport auch hierzulande immer größerer Beliebtheit erfreut. Allerdings: Im Vergleich zu anderen Ländern lebt Deutschland aus Padel-Tennis-Sicht noch in der Steinzeit. Darek Nowicki nennt ein paar Zahlen: Rund 13 Millionen Menschen weltweit würden Padel-Tennis spielen, alleine 5 Millionen davon in Spanien. Das mache „Pádel“, wie es dort heißt, zur zweitbeliebtesten Sportart Spaniens – direkt nach Fußball. Wie sieht es in Deutschland aus? „Wenn ich sage: ‚Wir haben 10.000 Spieler‘, würde ich lügen. Es sind eher 5000. Und das auf 50 Plätzen. Heißt: In Deutschland können gerade einmal 200 Spieler pro Stunde Padel-Tennis spielen. Es scheitert also an der Kapazität, nicht an der Begeisterung für den Sport“, so Nowicki, der sagt, dass Padel-Tennis die derzeit am schnellsten wachsende Sportart der Welt sei.

Und 2 dieser 50 Plätze stehen nun in Werne. Zur Einordnung: In Spanien soll es rund 50.000 Courts geben. Nowicki hofft auf raschen Zuwachs. „Wenn sich der Sport hier etabliert und man bedenkt, dass in Deutschland 80 Millionen Menschen leben – das ist eine Macht!“

In Kontakt mit der Welt-Elite

Dass sich der Sport hierzulande weiter professionalisieren könnte, bedarf keiner großen Spekulation. Der Anreiz ist groß. „Um Preisgelder bis zu 500.000 Euro spielen die Profis“, erklärt Nowicki. So viel gab es für den Argentinier Fermin Ferreyra, der am Sonntag das Profi-Turnier an der Seite von Nowicki gewann (wir berichteten), in Werne nicht einzustreichen. Das Preisgeld lag bei 500 Euro für das Duo. Aber: Für die heimische Padel-Tennis-Gemeinschaft war das Treffen mit dem Profi ein tolles Erlebnis. „Man kommt mal eben so mit Weltranglistenspielern in Kontakt“, lobt auch Niklas Grennigloh, der bei einer Trainingseinheit für ein paar Ballwechsel mit Ferreyra auf dem Court stand, die Veranstalter. „Das ist ja so, als würde ich mal eben mit Roger Federer trainieren dürfen.“

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