Was sich die Fußballvereine der Region vom Rücktritt von Reinhard Grindel versprechen

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Reinhard Grindel ist als DFB-Präsident zurückgetreten. Der richtige Schritt? Wir haben bei den Fußballklubs der Region nachgefragt, was sie sich nun vom DFB erhoffen.

Werne, Herbern, Stockum, Selm, Olfen

, 03.04.2019, 15:47 Uhr / Lesedauer: 4 min

Reinhard Grindel ist Geschichte beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Grindel ist von seinem Amt als DFB-Präsident am Dienstag zurückgetreten. Die Fußballvereine der Region sehen diesen Schritt als richtig an, doch direkt verändert, hat sich damit noch nichts für sie. Ihnen geht es um mehr Rücksicht auf ihre Vereine und Investitionen vom DFB in den Amateurfußball. Wir haben uns bei den Klubs umgehört, was sich beim DFB verändern muss, was sie sich vom DFB in der Zukunft erhoffen und wer für sie als Nachfolger für das Amt des DFB-Präsidenten in Frage kommt.

Yassine Najih, Geschäftsführer SV Stockum:

„Der Rücktritt von Reinhard Grindel war vorherzusehen. Es wurde ja auch kurzzeitig Philipp Lahm als Nachfolge-Kandidat gehandelt. Als ich den Namen Philipp Lahm gelesen habe, war es für mich keine Überraschung. Philipp Lahm wäre ein guter Kandidat.

Ich würde es auf jeden Fall schön finden, wenn der Amateurfußball mehr unterstützt wird. Ein Thema, was mich seit Jahren belastet, sind die Ascheplätze. Ein Ascheplatz ist nicht zukunftsorientiert. Viele Spieler, die man versucht zu bekommen, schreckt das ab.

An Geld mangelt es da nicht beim DFB, da wäre es eine gute Sache, wenn da mal was für in die Hand genommen wird. Damit man die Vereine diesbezüglich unterstützen kann, damit die Stadt da ein bisschen entlastet wird, die schon sehr viel da rein investiert. Das würde den Fußball definitiv fördern.“

Was sich die Fußballvereine der Region vom Rücktritt von Reinhard Grindel versprechen

Ein Kandidat als zukünftiger DFB-Präsident: Philipp Lahm. © dpa

Thomas Overmann, Vorsitzender Werner SC:

„Es ist mittlerweile ein Milliardengeschäft beim DFB, da hat der Amateurfußball überhaupt keinen Stellenwert mehr. Der Amateursport wird kaputtgemacht durch Parallelsetzungen in der Bundesliga am Sonntag um 15 Uhr. Das Revierderby an einem Sonntag in der vergangenen Saison ist da das beste Beispiel.

Es geht da nur noch um Kohle. Man muss viel mehr auf die Jugend setzen und einen vernünftigen Amateurfußball haben. Für den DFB geht es nur noch um das Geld und Übertragungsrechte.“

Ein Wunsch wäre, wenn ein gesundes Maß zwischen Vermarktung und Amateurfußball gefunden wird. Der Sonntag ist heilig für den Amateurfußball. Da muss man auch mal sehen, wie viele Aktive es im Amateur- und Profibereich gibt.

Christoph Metzelder wäre durch seine Erfahrung und sein Engagement beim TuS Haltern eine gute Option als Nachfolger. Da braucht man einen, der eine gesunde Mischung reinbekommt. Metzelder kennt das gesamte Umfeld und verbindet die Basis zum Profifußball.“

Harald Wohlfarth, Vorsitzender Eintracht Werne:

„Wir haben vor ein paar Jahren schon gesagt, Parallelansetzungen wie das Revierderby sind für uns eine Schweinerei. Am Sonntag trifft es uns wirklich fürchterlich. Da bleiben die Zuschauer weg. Hinzu kommt, dass wir die Schiedsrichter und das ganze Drumherum bezahlen müssen. Viele Amateurvereine leiden darunter, aber den DFB hat es nicht gestört.

„Der DFB hat die Bodenhaftung verloren.“
Harald Wohlfarth, Vorsitzender Eintracht Werne

Der DFB hat die Bodenhaftung verloren. Wenn der DFB irgendwohin reist, kostet das ein Vermögen. Das sollte lieber in den Amateurfußball investiert werden. Da, wo die Basis ist. An der Basis kommt es aktuell so an, als stehe der Fußball nur noch als Alibi im Vordergrund, damit sich im Hintergrund alle die Taschen vollmachen können.

Da wird einfach zu wenig an Ursachenforschung betrieben, das geht auch über die Uefa und Fifa dann weiter. Wir gehen im Amateurbereich davon aus, dass dort Korruption betrieben wird. Der Amateurfußball muss auf oberster Ebene gleichstark vertreten sein, wie der Profifußball in den Gremien.

Das Aushängeschild ist der Profifußball, der Amateurfußball darf aber nicht zu kurz kommen. Jetzt gehört erstmal eine Galionsfigur in die Position. Jemand, der die Empfindungen der Amateure und die Kosten im Profifußball im Auge hat. Beide Seiten müssen gut vermittelt werden. Da hat man in den letzten Jahren viel zu wenig getan.“

Dominik Reher, Geschäftsführer SV Herbern:

„Generell hat Reinhard Grindel sich in mehreren Situationen in den vergangenen Jahren nicht sehr geschickt angestellt. Mit der Uhren-Geschichte ist das Fass nun übergelaufen. Ich hoffe jetzt, dass etwas mehr Ruhe einkehrt beim DFB. Grindel kam eher aus der Politik, der hatte keine Lobby bei den Profis und auch nicht bei den Amateuren.

Es wäre schön, jetzt jemanden zu haben, der die Amateurvereine etwas mehr vertritt. Es gibt ja genug Themen, die angegangen werden müssen, wie zum Beispiel die Zerstückelung der Spieltage. Die Kluft wird da auch eher größer. Für uns ist es erstmal egal, ob es jetzt Kreisliga oder Landesliga ist, von den Entscheidungen profitieren wir immer relativ spät.

Was sich die Fußballvereine der Region vom Rücktritt von Reinhard Grindel versprechen

Sky-Experte Christoph Metzelder wird von vielen als idealer Grindel-Nachfolger gesehen. © imago/Baering

Es kursieren ja schon sehr viele Namen. Ich finde den Christoph Metzelder gar nicht so schlecht, aber der ist noch ein wenig jung. Der hat ein bisschen von beidem. Der ist Profi gewesen, arbeitet aktuell bei Sky und ist gleichzeitig bei Preußen Münster und TuS Haltern tätig. Der kennt die Belange der Amateurklubs ziemlich gut und könnte jemand sein, der eine gute Verbindung herstellt. Es wäre gut, wenn es jemand wird, der den direkten Fußballbezug hat.“

Georg Hillmeister, Vorsitzender SG Selm:

„Ich habe mir dazu noch keine Gedanken gemacht. Natürlich wäre es schön, wenn wir Zuschüsse bekommen könnten vom DFB. Wir bezahlen ja noch alles selbst, das wäre sicherlich eine Hilfe. Da wird aber erstmal nichts passieren.

Die Stadt Selm macht aber schon verdammt viel und wir sind da sehr gut ausgestattet. Natürlich würden wir uns über eine Förderung der Jugendarbeit und des Schiedsrichterwesens freuen.

Den Posten des DFB-Präsidenten soll mal ein junger Mann übernehmen. Bei jemandem wie Philipp Lahm oder Christoph Metzelder hätte ich nichts dagegen.“

Norbert Sander, Sportlicher Leiter des SuS Olfen:

„Die Amateurfußballer haben sehr wenig von Grindels Tätigkeit mitbekommen. Die Bundesligaspiele bitte nicht mehr sonntags stattfinden lassen. Der Sonntagnachmittag sollte den Amateurfußballern überlassen werden. Wenn die schon in der fünften oder sechsten Liga nur noch vor 100 oder 150 Zuschauern spielen, macht das keinen Sinn.

Sollte das ernst genommen werden, was bei uns passiert, dann sollen sie uns den Sonntag komplett frei lassen. Sonst bleiben die Leute zu Hause oder fahren woanders hin.

„Der DFB braucht jemanden mit mehr Charisma, Ausstrahlung und der medienprofessioneller ist als Grindel.“
Norbert Sander, Sportlicher Leiter SuS Olfen

Der DFB braucht jemanden mit mehr Charisma, Ausstrahlung und der medienprofessioneller ist als Grindel. Als Funktionär war er etwas unaufgeräumt. Gerade im Hinblick darauf, dass viele Funktionäre aktuell bestechlich wirken. Das fängt ja bei der Fifa und Uefa an und geht bei den Verbänden weiter.

Zwei Punkte sind beim Nachfolger wichtig: Die Glaubwürdigkeit und eine Verbindung zur Basis müssen geschaffen werden. Ich habe nur den Wunsch, dass es kein Politiker wird. Der Fußball selbst hat so eine große Bedeutung, dass es jemand werden muss, der eine große Berührung dazu hat.“

David Handrup, Vorsitzender des FC Nordkirchen:

„Es ist eine gute Frage, wer das machen möchte. Lahm möchte wohl nicht. Der Name Metzelder kursiert schon, aber ob er das in dem jungen Alter machen will, weiß ich nicht. Passen würde es aber mit seiner Erfahrung und seinem Engagement in Haltern. Ich habe aktuell keinen Favoriten. Insgesamt müssen die Anstoßzeiten der Bundesliga wieder mehr auf den Amateurfußball angepasst werden.“

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