Westfalens Bester trainiert in Lünen

Tennis

Er ist Westfalens bester Tennisspieler: Der Tennisprofi Jan-Lennard Struff nimmt auch im Jahr 2015 an den vier Grand-Slam-Turnieren teil. Dafür bereitet er sich in Kamen und Lünen vor. Sein persönlicher Trainer Uwe Liedtke aus Lünen ist für die Athletik von Struff verantwortlich. Dafür begleitet er den Tennisspieler um die ganze Welt.

LÜNEN

, 17.12.2014, 14:45 Uhr / Lesedauer: 4 min
Jan-Lennard Struff ist Westfalens bester Tennisspieler. Auch 2015 wird er sich wieder mit den Weltbesten seines Sports messen.

Jan-Lennard Struff ist Westfalens bester Tennisspieler. Auch 2015 wird er sich wieder mit den Weltbesten seines Sports messen.

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Die Trainingsarbeit brachte Erfolg: Im Kalenderjahr 2014 machte Struff einen großen Sprung nach vorne – auch in der Weltrangliste. Rang 46 war Ende Oktober Struffs höchste Platzierung im Ranking der besten Tennisspieler weltweit. 2014 wurde das beste Jahr seiner Karriere: Am 18. Mai holte er sich seinen ersten Turniererfolg beim Challenger-Turnier in Heilbronn, im August wurde Struff Deutscher Meister in der Tennis-Bundesliga mit seinem Team TC Blau-Weiß Halle. Seine 9:0-Bilanz in den Einzelspielen bescherte ihm den Titel „Mr. Bundesliga“. „Die Deutsche Meisterschaft war der schönste Erfolg. Mit dem Team zu feiern macht am meisten Spaß“, sagt Struff selbst. Sein bisher größter Erfolg auf der ATP-Tour war das Erreichen des Halbfinales in Marseille im Februar. Gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga, die damalige Nummer zehn der Welt, schlug sich Struff gut, unterlag am Ende 6:7 (4:7), 4:6. Zuvor hatte er die beiden französischen Davis-Cup-Spieler Julien Benneteau und Michael Llodra geschlagen. Der Lohn: Jan-Lennard Struff wurde vom deutschen Teamkapitän Carsten Arriens für den Ländervergleich Frankreich gegen Deutschland in Nancy nominiert. In dem Davis-Cup-Viertelfinalspiel der Weltgruppe bekam Struff aber keinen Einsatz. Das deutsche Team verlor mit 2:3. Seinen persönlichen Leistungen schadete die Nichtberücksichtigung aber nicht.

An allen vier Grand-Slam-Turnieren nahm Struff teil, in Paris und New York schaffte er es in die zweite Runde. Gegen die Lokalmatadoren Gael Monfils und John Isner war jeweils nach drei Sätzen Schluss. Mit dabei: Uwe Liedtke. „In diesem Jahr habe ich Jan bei den großen Turnieren begleitet. Ich habe ihn nicht nur fit gemacht, sondern war auch für die Regenerationsphasen verantwortlich“, sagt der 45-Jährige. Zusammen mit dem Trainer Christoph Reichert bildeten Struff und Liedtke ein Dreigespann, das um die Welt flog, dem Tenniszirkus hinterher. Viel Zeit für Ausflüge bleibt bei den Reisen zu den großen Tennisplätzen der ATP-Tour aber nicht. „Einmal haben wir in New York einen halben Tag lang die Sehenswürdigkeiten besucht. Ansonsten ist jeder Tag gleich, egal ob in Paris, München oder Melbourne“, sagt Liedtke. Viel Zeit verbachte das Trio auf engstem Raum zusammen. „Bis zu vier Wochen am Stück haben wir aufeinander gehangen. Dann ist es auch mal gut, sich dann ein paar Tage nicht zu sehen. Aber das würde nicht funktionieren, wenn wir uns nicht so super verstehen würden“, sagt Liedtke. Im nächsten Jahr geht das Trio wieder zusammen auf die Tour.

Seit knapp vier Wochen trainiert Struff wieder, vorher hatte er zwei Wochen Urlaub. „Die Pause hat gut getan. Da habe ich den Schläger auch in die Ecke gelegt und nur ausgespannt“, sagt er. Nun sei die Lust auf Tennis aber wieder zurück. In den ersten beiden Wochen kam er täglich für acht Stunden nach Lünen. 12 bis 13 Kilometer joggen – wobei Liedtke die Strecke mit dem Fahrrad absolvierte – für die Grundlagenausdauer und viel Training für die Beine und Rumpfmuskulatur verordnete der Personal Trainer. „Ich sehe schon Fortschritte, aber es ist noch einiges zu tun“, sagt Liedtke. Er ist nur für die körperliche Entwicklung zuständig. Von Tennis hat er, wie er selbst sagt, „keine bis wenig Ahnung“. Vor der Zusammenarbeit mit Struff habe den „überzeugten Fußballer“ Tennis überhaupt nicht interessiert. Mittlerweile hat Liedtke sich durch Bücher und Videos im Internet einiges Fachwissen über die Bewegungsabläufe beim Spiel mit dem gelben Filzball angeeignet, aber nur das Nötigste. „Ich achte ja nicht auf die Griffhaltung oder die Ausholbewegung, ich bin nur für die Athletik zuständig“, sagt Liedtke.

Tennis schaut er im Fernsehen nicht. „Wie der Novak Djokovic spielt, ist mir egal. Ich habe mir immer nur die Spiele von Jan im Livestream angeschaut, wenn ich nicht selbst dabei war.“ In der jetzigen Phase der Vorbereitung spielt Struff zunächst vier Stunden Tennis in Kamen und fährt dann nach Lünen, um mit Liedtke weiterzuarbeiten. „Tennis wird in der nächsten Zeit immer mehr im Vordergrund stehen“, sagt Struff zu den nächsten Wochen. Zusammen mit Trainingspartnern oder seinem Trainer arbeitet er dann an seinen Schwächen. „Da gibt es überall was zu verbessern. Um den Aufschlag werden wir uns auf jeden Fall noch kümmern“, sagt der Rechtshänder, der über ein starkes Grundlinienspiel zu seinen Punkten kommt.

Der Fahrplan bis Melbourne sieht zwei Vorbereitungsturniere vor. Anfang des Jahres fliegen Struff, Reichert und Liedtke erst zum ATP-Turnier nach Doha (Katar) und dann direkt weiter nach Auckland (Neuseeland). In Doha sind unter anderem die Top-Ten-Spieler Novak Djokovic (1), Rafael Nadal (3), Tomas Berdych (7) und David Ferrer (10) dabei. Struff wird sich mit der Weltelite messen. Dem Westfälischen Vergleich ist er längst entwachsen. Zur zeitlichen Verlegung der Hallen-Westfalenmeisterschaften in Werne hat er dennoch eine Meinung. Diese finden in diesem Jahr bereits vor Weihnachten und nicht erst Mitte Januar statt. „Ich finde das gut. Es ist ein schönes Turnier für talentierte Nachwuchsspieler. Aber Mitte Januar stehen auch immer andere internationale Turniere an, zu denen man als junger Spieler gerne möchte.“ Von genau diesen Turnieren hat Struff den Sprung zu den Profis geschafft. Und Uwe Liedtke soll dabei helfen, dass er weitere Einladungen erhält – für Melbourne, Paris, London und New York.

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