Wie aus Weltenbummler „Schetti“ vom SV Herbern in San Diego ein Popstar wurde

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Ahmed Schett hat am Wochenende das erste Mal nach einem halben Jahr wieder für den SV Herbern gespielt. In seinem Auslandssemester wurde er in den USA für seinen Musikgeschmack berühmt.

von Nico Ebmeier

Herbern

, 24.02.2020, 13:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind 57 Minuten im Testspiel zwischen dem SC Münster II und dem SV Herbern am Samstag gespielt, als Ahmed Schett endlich wieder für die Gelb-Blauen auf den Platz treten durfte. Ein halbes Jahr lang machte der 25-Jährige in San Diego in den USA ein Auslandssemester.

„Bin froh, wieder hier zu sein“

„Ich war sechs Monate weg und bin richtig froh, wieder hier zu sein“, sagt der Flügelspieler selbst zu seinem Comeback. „Es tut richtig gut, wieder Fußball spielen zu dürfen.“ Denn das war, auch wenn es im ersten Moment komisch klingt, in den USA gar nicht so einfach.

Zwar hätte „Schetti“, wie ihn hier und auch in Übersee nahezu jeder nennt, für die Uni-Mannschaft der State-University of San Diego spielen können, „aber da muss man extrem viele Auflagen erfüllen. Zum Beispiel hätte ich Videomaterial einreichen müssen, wie ich Fußball spiele“, erklärt er.

Zusätzlich nahm Schett auch noch eine Knochenmarkverletzung an der Kniescheibe mit in die Vereinigten Staaten, die ihn in der ersten Zeit dort zur Sportruhe zwang. Hierzulande studiert er Maschinenbau-Ingenieurwesen und schnupperte in San Diego ein Semester lang in den dortigen Master-Studiengang rein. „Vorrangig wollte ich meine Englisch-Kenntnisse grundlegend verbessern, aber generell habe ich mich nun einfach mal ins kalte Wasser geworfen und habe etwas Neues erlebt.“

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Und dabei ist es beim 25-Jährigen nicht gerade so, dass er in seiner Heimat festklebt. 2018 hatte er bereits ein ganzes Jahr lang ein Fach-Praktikum in Baden-Württemberg gemacht und kickte deshalb in dieser Zeit bei der in der Oberliga spielenden Neckarsulmer Sport-Union mit. „Das war auch wirklich ziemlich cool und hat mich natürlich auch fußballerisch ein ordentliches Stück nach vorne gebracht.

Ahmed Schett spielte auch schon Oberliga

Auch, wenn ich dort keine Pflichtspiele mitspielen durfte“, sagt „Schetti“.

In Übersee lebte der Herberner dann das Leben eines echten amerikanischen Studenten - Leben im Studentenwohnheim inklusive. „Das war nicht so schlimm, wie man es immer hört, aber es war dennoch sehr voll überall. Es hatte zwar jeder sein eigenes Zimmer, dennoch haben wir aber viel miteinander gemacht.“

Sogar zwei deutsche Studenten fand der Flügelflitzer in San Diego. „Das passt echt gut zwischen uns. Beide kommen aus NRW, sodass wir uns zuletzt sogar schon auf einen Kaffee getroffen haben“, sagt er.

Wenn man ihn nach einer Anekdote fragt, die Ahmed Schett mit Sicherheit niemals vergessen wird, muss er kurz nachdenken. „Es gibt echt viel zu erzählen“, sagt er. Eines konnte er dann aber doch nennen: „Ich bin ein großer Fan von typischer Ami-Musik. Mein Lieblings-Hip-Hopper ist Tyler, the Creator und das hatte sich schnell rumgesprochen. Eines Tages kam ich ins Zimmer meiner Kumpels und sie schrien: Oh, Schetti, the Creator is back. Das war ziemlich cool.“

Zurück in Deutschland steht neben dem üblichen Studentenleben natürlich auch wieder das runde Leder beim SV Herbern auf dem Tagesprogramm. Und da sieht es momentan richtig gut aus. Nur vier Punkte trennen den SVH von Ligaprimus Westfalia Kinderhaus. Zum ersten Mal seit dem zweiten Spieltag steht Herbern dazu vor dem Rivalen vom Werner SC. „Das überrascht mich überhaupt nicht“, schätzt „Schetti“ die Situation ein. „Wir sind eine richtig geile Truppe, in der einfach Jeder für Jeden kämpft. Das macht Herbern aus.“

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Ein Saisonziel will der 25-Jährige dennoch nicht festlegen: „Wir wollen in jedem Spiel unser Bestes geben und wenn es möglich ist, jedes Spiel gewinnen. Über einen Aufstieg oder einen Angriff auf die Ligaspitze redet aber erstmal keiner.“ Zumindest noch nicht.

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