Kevin Großkreutz (l.) und der TuS Bövinghausen standen in einem der ersten Spiele in Westfalen schon wieder auf dem Platz. © Archiv
Meinung

Fußballspiele im Juni: Klubs widersprechen sich in ihren eigenen, scheinheiligen Forderungen

Der Ball rollt wieder. Nicht nur im Training, sondern auch in richtigen Wettkampfspielen - zur Verwunderung unseres Autors. Denn: Noch vor wenigen Wochen war die Stimmungslage eine gänzlich andere.

Die Vorfreude auf die ersten Testspiele ist nicht nur bei allen Amateurfußballern riesig groß. Auch wir Sportreporter brennen förmlich darauf, dass nun endlich wieder Fußballspiele anstehen, über die wir berichten können. Die lange Auszeit vom Sport dauerte schließlich mehr als ein halbes Jahr an. Nichts ging mehr. Doch sinkende Inzidenzwerte im gesamten Bundesgebiet lassen den Sport allmählich wieder zu.

Darauf hatten nicht wenige Spieler und Vereinsvertreter schon im Frühjahr 2021 gehofft – vergeblich. Der Spielbetrieb, der seit Ende Oktober 2020 ruht, wurde in der annullierten Fußballsaison 2020/21 nicht wieder aufgenommen.

Zu kurze Vorbereitung: Vereine gingen auf die Barrikaden

Es gab jedoch Pläne, wie und wann der Spielbetrieb wieder hätte aufgenommen werden können. Der Termindruck war enorm. Die Vereine gingen damals regelrecht auf die Barrikaden, als der Fußballverband Westfalen (FLVW) mitteilte, den Vereinen nur eine zweiwöchige Vorbereitungszeit geben zu wollen oder zu können, ehe der Spielbetrieb fortgesetzt worden wäre.

Der Tenor der Vereine damals: Die Verletzungsgefahr für die Spieler sei nach einer so langen Pause zu groß. Mindestens vier Wochen Vorbereitung sollten es schon sein. Erst dann wolle man wieder im Wettkampf vor den Ball treten.

Plötzlich ist nichts mehr von einer großen Verletzungsgefahr zu hören

Seit einigen Tagen sind die ersten Mannschaften wieder im Training. Zunächst kontaktlos und nur mit getesteten, genesenen und vollgeimpften Spielern. Seit vergangenem Wochenende dürfen wieder bis zu 100 Sportler gemeinsam trainieren – mit Vollkontakt und auch ohne Tests. Wenn man dann aber sieht, dass die ersten offiziellen Testspiele schon bestritten wurden – wie etwa das Spiel des TuS Bövinghausen um Weltmeister Kevin Großkreutz am vergangenen Wochenende bei Westfalia Kinderhaus, dann kann man nur mit dem Kopf schütteln.

Der SuS Kaiserau ist am kommenden Sonntag schon im ersten Testspiel gefordert. © Palschinski © Palschinski

Und auch Vereine aus dem Kreis Unna haben schon in wenigen Tagen die ersten Tests vor der Brust. Plötzlich ist nichts mehr zu hören von einer großen Verletzungsgefahr nach langer Pause beziehungsweise nach kurzer Vorbereitung. Das ist doch stark verwunderlich. Der FLVW hat den Saisonauftakt auf den 29. August terminiert. Zeit genug also für die Vereine, bis dahin ausreichend Testspiele zu organisieren. Aber muss es schon im Juni sein?

Viele Klub tun genau das, was sie vor Kurzem noch rigoros abgelehnt haben

Dass in diesem Monat schon Spiele geplant werden, ist, was die aktuelle Corona-(Auf)lage angeht, vollkommen okay. Doch es ist ein großer Widerspruch zu dem, was die Vereine vor nicht allzu langer Zeit noch selbst gefordert haben. Das laute Bellen im Frühjahr war im Nachhinein äußerst scheinheilig.

Da bleibt nur zu hoffen, dass die Spieler nach so kurzer Vorbereitung in den Spielen verletzungsfrei bleiben und sich die Entscheidung mancher Klubs, so frühe Testspiele anzusetzen, nicht doch noch rächt.

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann

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