Vor der Urteilsverkündung steckten der belgische Fußball-Profi Jean-Marc Bosman (Mitte) und zwei seiner Anwälte die Köpfe zusammen. © picture alliance / dpa
Kuriose Regelung

Bosman-Urteil: Lüner Klub schrieb vor knapp 25 Jahren deutsche Sportgeschichte

Das international bekannte Bosman-Urteil sorgte 1995 für weitreichende Änderungen in der Sportlandschaft. Ein Lüner Klub gehörte zu den allerersten Vereinen, der von den neuen Regeln Gebrauch machte.

Vor knapp 25 Jahren schrieb der Eishockeyclub Lünen 89 (ECL) deutsche, wenn nicht sogar europäische Sportgeschichte. Er setzte nach nur drei Tagen als einer der ersten, womöglich sogar als erster Verein auf dem Kontinent ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes („Bosman-Urteil“) um.

Dieser hatte am 15. Dezember 1995 entschieden, dass Sportler aus EU-Staaten ohne Ablösesumme in ein anderes Mitgliedsland wechseln können. Die Klubs durften ab sofort auch unbegrenzt Spieler aus EU-Ländern einsetzen.

Spiel wird anders gewertet

Schon am 17. Dezember liefen für die Lüner Löwen im Heimspiel der 2. Bundesliga neben dem Tschechen Stanly Pryl mit dem Italo-Kanadier Sandro Cioffi – hatte einen italienischen Pass – ein zweiter EU-Ausländer, sowie der US-Spieler Teal Fowler auf. Pryl und Fowler hatten die Spielberechtigung des Verbandes. Diese billigte der Verband Cioffi aber nicht zu.

Für die in der neuen Liga chancenlosen Lüner, gab es zu dieser Zeit nur wenig zu verlieren. „Gegen die starken Königsborner werden wir verlieren“, erkannte Vorsitzender Bernd Meckeler damals richtig. Tatsächlich gab es eine 4:11-Schlappe. Bei der anschließenden Wertung des Verbandes kam der ECL mit 0:5 Gegentoren und 0:2 Punkten besser weg.

Bernd Meckeler war zum damaligen Zeitpunkt Vorsitzender des Lüner Eishockey-Vereins.
Bernd Meckeler war zum damaligen Zeitpunkt Vorsitzender des Lüner Eishockey-Vereins. © Archiv © Archiv

Auslöser des Urteils war eine Schadensersatzklage des belgischen Berufsfußballers Jean-Marc Bosman gegen eine aus seiner Sicht zu hohe Ablösesumme seines Vereins RFC Lüttich. Bosman erhielt erst neun Jahre nach Beginn des Prozesses eine deutliche Entschädigung. Doch diese machten ihn nicht glücklich, weder bei seiner inzwischen zerstörten Karriere noch privat.

2006 wurde der Spielbetrieb eingestellt

Der Eishockeyclub (EC) Lünen 89 wurde im September 1989 von Kufenfans um Bernd Meckeler gegründet. Nach dem Start in der Landesliga stieg er sofort in die NRW-Liga auf, wurde 1991 Meister der Regionalliga West. 1995 glückte der Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord.

Gegner waren damals Lokalkonkurrent Königsborn, Limburg, Adendorf, Grefrath, Bremerhaven, Krefeld, Hamburg, Lauterbach, Braunschweig, Herford und Zweibrücken. Es folgte aber der sofortige Abstieg aus der dritthöchsten deutschen Liga. Die Löwen gehörten mehrfach der NRW- und Regionalliga an, traten zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig in Landesliga an, bauten die Schulden ab und schrieben wieder „schwarze“ Zahlen.

2006 stellte der ECL jedoch den Spielbetrieb ein und meldete sich ein Jahr später vom Landesverband Nordrhein-Westfalen ab – ein Ende nach 18 Jahren. Den Löwen folgte als neuer Vereine der ESV Grizzly Bergkamen.

Zu Boomzeiten besuchten teils über 1000 Fans die Heimspiele in der Halle in Bergkamen-Weddinghofen.

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