Vor allem in einer Altersklasse verlieren Sportvereine durch die Corona-Pandemie Mitglieder. © picture alliance/dpa
Betrug

Die Verbände erklären, wie sich Vereine vor Lügnern und Betrügern schützen können

Der Fall Christian P. zeigt, wie leicht sich das Ehrenamt für böswillige Zwecke missbrauchen lässt. Wie Vereine sich schützen können, erklären die betroffenen Landesverbände. Teil 4 von 4.

Obwohl Christian P. mehrere Jahre lang Vereine in Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen belogen und betrogen hat, konnte er sein Versteckspiel immer weiter fortsetzen. Doch was sagen dazu überhaupt die Landesverbände, in deren Einzugsgebiet P. gewirkt hat?

Wenngleich einige Vereine im Nachgang der Trennung von P. ein Gefühl für das Ausmaß seiner Tätigkeiten entwickeln konnten, ergriff kein Klub die Initiative, um P.s Aktivitäten ein Ende zu bereiten. Sowohl beim zuständigen Landesverband in Norddeutschland, als auch beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW), in dessen Einzugsgebiet P. seit 2019 aktiv ist, ist sein Name nicht bekannt.

Die Überprüfung der Personendaten ergab beim FLVW lediglich, dass P. sich im vergangenen Jahr in seinem damaligen Landesverband zu einem C-Lizenz-Lehrgang angemeldet, diesen aber nicht beendet habe. Die – je nach Station – laut eigenen Angaben bereits erworbene C- beziehungsweise B-Lizenz besitzt P. also nicht.

Eine Stelle, bei der sich Vereine über Trainer informieren können, die ihnen suspekt erscheinen, existiert in beiden Landesverbänden nicht. Mehrere Verantwortliche hatten dieser Zeitung gegenüber lose den Wunsch einer sogenannten „schwarzen Liste“ geäußert. Eine konkrete Anlaufstelle bieten beide Verbände zur Prävention sexualisierter Gewalt. In dieser Hinsicht ist P. nach Aussagen der Verantwortlichen allerdings nicht auffällig geworden.

Doch wie können sich Vereine gegen Maschen, wie sie Christian P. über Jahre praktiziert hat, schützen? Besonders im Jugendbereich sind Trainer bekanntlich rar – vor allem solche, die einen guten Eindruck wie P. machen.

FLVW empfiehlt Überprüfung

„Der FLVW empfiehlt seinen Vereinen bei bislang gänzlich unbekannten Trainerinnen und Trainern eine Kurz-Überprüfung der Person und der angegebenen Referenzen durchzuführen“, heißt es vom FLVW. Insbesondere bei Jugendtrainern rät der Verband dringend, sich das polizeiliche Führungszeugnis vorlegen zu lassen. Gleiches gilt für mögliche Trainerlizenzen und die Kontaktaufnahme zu vorherigen Vereinen.

Zu den gleichen Maßnahmen rät P.s vorheriger Landesverband, der diese Redaktion telefonisch immer wieder vertröstet hat und nach erneuter Aufforderung schriftlich die Fragen beantwortete. Der Verband selbst fordert bei eigenen Angelegenheiten wie Trainerlizenzen oder Vorstandmitgliedschaften ein erweitertes Führungszeugnis an.

Bei strafrechtlich relevanten Vorkommnissen rät der Verband zur Anzeige: „Die Meldung von Straftaten sollte bei den Polizeibehörden zur Anzeige gebracht werden und wird auch zur Anzeige gebracht, wenn der Verband von entsprechenden Vorgängen erfährt.“ Mindestens ein Klub wurde auf P. aufmerksam, nachdem dieser eine Annonce auf der offiziellen Website des Verbands aufgegeben hatte.

„Wir haben uns blenden lassen“

Sich vor Unterfangen wie die des Christian P. zu schützen, liegt also in der Verantwortung der Vereine selbst. „Wenn sich jemand bei uns vorstellt, google ich immer den Namen. Du kriegst immer etwas raus – ob positiv oder negativ“, sagt ein Co-Trainer, der mit ihm zusammengearbeitet hat. Mehr als stutzig gemacht habe ihn die Internet-Recherche im Falle P.s allerdings nicht. Den Meldungen über kurze Amtszeiten und plötzliche Trennungen stand der vielversprechende eigene Eindruck entgegen.

„Wir haben uns ein bisschen blenden lassen“, sagt ein anderer Verantwortlicher. Eine vermutlich einfache Sicherungsmaßnahme, um finanzielle Ungereimtheiten zu verhindern, bringt einer der Jugendleiter ins Spiel: „Bei uns im Verein werden Gelder für Trainingslager oder Ausrüstung niemals privat eingesammelt. Aufwandsentschädigungen werden erst nach geleisteten Stunden gezahlt.“ Viele sind es bei Christian P. nirgendwo geworden.

Hier kommen Sie zu allen weiteren Teilen:

Teil 1: Die Schamlosigkeit kennt keine Grenzen – wie Christian P. Jugendliche betrogen haben soll

Ein offenbar erfundenes Trainingslager kostet einen Amateurfußballverein wegen Christian P. viel Geld. Das Lügenkonstrukt umfasst sein gesamtes Leben. Ein Verein deckte es auf.

Teil 2: Nur ein Bruchteil der Vorfälle geschahen in NRW: Ex-Vereine beschuldigen Christian P.

Der zweite Teil behandelt P.s Betrugsfälle bei gleich mehreren Sportvereinen in Norddeutschland. Dort nahm sein Lügengebilde ein riesiges Ausmaß an. Um tausende Euro brachte er Vereine.

Teil 3: Die Masche Christian P.: Wie sich ein Lügner mit persönlichen Problemen in Vereine schleicht

Trotz massiver Betrugsvorwürfe fand Christian P. in zwei Regionen Deutschlands stets Vereine, die ihn beschäftigten – aber warum? Massive private Probleme könnten eine Rolle spielen.

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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Timo Janisch

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