Besonders als Spielertrainer war er in der Schweiz erfolgreich. © picture alliance/dpa
Fußball

Einer der erfolgreichsten Lüner Fußballer ist in der Schweiz deutlich bekannter als in Deutschland

Immer wieder brachten die Lüner Amateurvereine in den vergangenen Jahren Profifußballer heraus. Einer der wohl erfolgreichsten ist in Deutschland allerdings weniger bekannt.

Sandro Plechaty, Felix Backszat, Tim Hermes – in den vergangenen Jahren gab es in Lünen einige Spieler, die sich bis in den Profibereich vorgearbeitet haben. Doch ein ehemaliger Lüner Profi ist in der Schweiz viel bekannter als hier.

Friedhelm „Timo“ Konietzka, Lünens bis heute wohl bekanntester Fußballspieler, ist bis heute in der Schweiz allgemein bekannter und ungleich populärer als in Deutschland selbst. Der Schütze des allerersten Bundesligatores feierte seine größten Erfolge als Spieler und Trainer bei den Eidgenossen. Seit Arbeitgeber, mit beliebtester Verein in der Schweiz, ist allerdings wiederum in Deutschland kaum ein Begriff.

Beim Stichwort Zürich denken wir Deutschen an Schweizer Banken, an die FIFA und – wenn es um Fußball geht – an die Grasshoppers. Die Blau-Weißen vom Hardturm-Stadion sind bis heute Schweizer Rekordmeister mit 27 Titeln, holten 19 Pokalsiege und waren lange Zeit Schweizer Vorzeigeclub im Europacup.

Wirklich beliebt war der „Lackschuhclub“, Symbol des Züricher Establishments, jedoch nie – nicht mal in der eigenen Stadt. Grasshoppers-Fans reisen eher aus dem Umland an, die Stadtbevölkerung zieht es eher auf den „Letzigrund“. Hier kickt der FC Zürich, Volksclub der kleinen Leute und selbst elfmal Schweizer Meister.

Ein großer Teil dieser Titelsammlung fällt in die „Goldenen Jahre“ des FCZ von 1960 bis 1981. Es war die Ära von „Stumpen-Edi“, des umtriebigen Tabakhändlers Edwin Naegerle. Der FCZ-Präsident war ein Züricher Original mit einer Mission: Den FCZ aus dem Schatten der Grasshoppers zu führen.

Er holte Spieler wie Klaus Stürmer (Hamburger SV) oder Rudi Brunnenmaier (1860 München) aus der Deutschen Bundesliga, sowie Schweizer Talente wie René Botteron, Fritz Künzli und Jakob „Köbi“ Kuhn. Diese Truppe wurde 1963, 1966 und 1968 Schweizer Fußballmeister (sowie zweimal Pokalsieger), fiel dann aber in ein Loch.

1971 engagierte „Stumpen-Edi“ einen neuen Spielertrainer: Friedhelm „Timo“ Konietzka war 1967 von 1860 München zum FC Winterthur in die Schweizer Zweite Liga gewechselt, dort als Goalgetter direkt aufgestiegen und hatte auf Anhieb das Pokalfinale erreicht.

Mit „preußischer Disziplin“ brachte er fortan den FCZ auf Titelkurs: 1972 und 1973 wurden die Blau-Weißen Pokalsieger (jeweils gegen den FC Basel). Es folgten drei Meistertitel in Serie von 1974 bis 1976, auch weil der FCZ beherzt nach vorn spielte und mit Daniel Jeandupeux, Peter Risi oder Franco Cucinotta mehrfach den Torschützenkönig stellte. 1977 schaffte es der FCZ ins Halbfinale des Europapokals der Landesmeister und scheiterte erst am FC Liverpool mit Kevin Keegan.

Danach war das Team satt und begann gegen Konietzkas sture, auf Kondition und Disziplin getrimmte Trainingsmethoden zu rebellieren: Auch in der Schweiz waren die Spieler selbstbewusst und aufmüpfig geworden.

Konietzka ging 1978 und holte weitere Pokale bei Young Boys Bern und den Grasshoppers, während der FCZ im Mittelmaß verschwand, Erst 2006 konnte der FCZ wieder eine Meisterschaft feiern.

Derzeit rangiert der FCZ im Mittelfeld der ersten Schweizer Liga, konnte aber von 2014 bis 2018 drei Pokalsiege feiern und ist wieder klare Nummer eins der Stadt: Die Grasshoppers mussten 2012 den maroden „Hardturm“ aufgeben, als Untermieter beim FCZ einziehen und 2019 sogar in die zweite Liga absteigen. Ein neues, gemeinsames Stadion steckt in den Mühlen der Politik fest. Zürichs Fußball droht den Anschluss zu verlieren.

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