Ein Dortmunder Verein erteilte einem Spieler ein ganz Besonderes Sonderlob. © Timo Janisch
Lüner Sport-Adventskalender

Einer der flexibelsten Fußballer Lünens hatte bereits einige harte Verletzungen hinter sich gebracht

Kein Sportler möchte sich verletzen und auf seinen Sport verzichten. Manchmal passt eine Verletzung besser in Leben, manchmal umso schlechter. Ein Lüner Sportler hat beides erlebt.

Ende Oktober steht der Amateurfußball zum zweiten Mal in diesem Jahr still. Die Fallzahlen der Coronapandemie müssen unter Kontrolle gebracht werden. Der Trainings- und Spielbetrieb ruht. In den folgenden Wochen wird klar, eine Wiederaufnahme wird erst im nächsten Jahr möglich sein. Zum Zeitpunkt der Mitteilung des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) ist der Lüner SV bereits seit dreieinhalb Wochen ohne Pflichtspiel. Auch LSV-Spieler Noel Lahr kann nicht spielen.

Grund dafür ist beim 22-Jährigen in erster Linie aber nicht die Coronaunterbrechung. Einen Monat zuvor zieht sich Lahr im Spiel gegen den TuS Hiltrup einen Muskelbündelabriss zu. Er verpasst das nächste Westfalenligaspiel in Neuenkirchen. Dann folgt die Unterbrechung.

Pause hat Lahr geholfen

„Die Pause hat mir auf jeden Fall geholfen, weil ich habe dann dementsprechend nur ein Spiel verpasst. Unter normalen Verhältnissen wären das, denke ich, gut sechs, sieben, acht Spiele gewesen“, sagt er im Dezember.

„Das Timing hat gepasst auf jeden Fall“, fasst er zusammen. Das Timing hat nicht immer bei Lahr gepasst. Er hat in seiner jungen sportlichen Laufbahn schon Erfahrung mit Verletzungen sammeln müssen.

Das erste Mal tritt er mit fünf Jahren bei seinem Heimatverein, dem SuS Kaiserau, gegen das runde Leder. Er durchläuft die Jugendmannschaften im Verein und zeigt sein Talent. Über die Kreisauswahl wechselt er in die Jugendabteilung des FC Schalke 04. Nach drei Jahren in Königsblau zieht es ihn wieder in Richtung Heimat. In der U17 schließt er sich dem BVB an.

In Dortmund bricht sich Lahr das Schien- und Wadenbein. „Da war ich neun Monate raus und da wusste ich auch zur Mitte der Verheilung, dass ich jetzt auf jeden Fall kürzertreten werde“, erzählt er mit Blick auf die Zeit. Er meint damit, nicht alles auf die Karte Fußball zu setzten, sondern sich auch um einen guten Schulabschluss zu kümmern.

In der A-Jugend kehrt er zu seinem Verein aus Kindertagen zurück. Erholt sich von seiner schweren Verletzung und erhält erste Einsätze bei den Senioren. Nebenher absolviert er erfolgreich die Abiturprüfung.

Die Zeit bei den Bundesligavereinen hat der Verteidiger in positiver Erinnerung. „Ich habe viel fürs Leben mitgenommen, weil man dann schon sehr eingebunden war, das so gesehen dein Leben war, fünfmal trainiert hat in der Woche“, erinnert er sich. „Man hat viel gesehen. Wir waren viel in Europa unterwegs, wir waren damals auch in Katar, und das sind schon schöne Erlebnisse, die man definitiv nicht vergessen wird.“

Sportlich habe ihn besonders die „andere taktische Ausbildung“ geprägt. Fertigkeiten, die Lahr nun seit zweieinhalb Jahren für den Lüner SV mit auf den Platz bringt. Auffällig ist seine Flexibilität zwischen den verschiedenen Abwehrpositionen. „Ich denke, ich habe auf jeden Fall die nötige Athletik. Deswegen bin ich da nicht so eintönig oder monoton unterwegs“, sagt Lahr bezogen auf seine Position in der Elf von Trainer Christian Hampel.

Keinen Favoriten

Durch die höhere Anzahl an Innenverteidigern im Kader des Lüner Westfalenligisten sei es logisch, zumeist auf der Außenposition eingesetzt zu werden. Eine persönliche Vorliebe für eine der beiden Positionen hat er nicht. Beide hätten vor uns Nachteile.

„Mir gefallen beide sehr gut. Außenverteidiger ist natürlich, dass du offensiv deutlich mehr mitmachen kannst als ein Innenverteidiger. Obwohl man dann als Innenverteidiger ein bisschen mehr Präsenz oder Verantwortung übernimmt im Spielaufbau zum Beispiel oder dann, wenn es um die entscheidenden Zweikämpfe geht“, fasst Lahr die unterschiedlichen Aufgabenprofile zusammen.

Seit Ende November ist Lahr wieder im Lauftraining und hat keine Schmerzen mehr. Er hält sich an die Pläne des Trainers, um mit Blick auf die sportliche Situation beim LSV dem Team bei einem zügigen Re-Start wieder helfen zu können.

Ist Leistungsträger beim Lüner SV und mittlerweile wieder schmerzfrei: Noel Lahr (r.). © Timo Janisch © Timo Janisch

Im abgelaufenen Jahr, sagt Lahr, sei klar geworden „dass es momentan deutlich wichtigere Dinge gibt als Fußball“. Als Sportler habe ihn vor allem die „Ungewissheit“ mit den Fragen, wann es weiter geht und wie es weitergeht, beschäftigt.

An einen Start direkt zu Jahresbeginn glaubt der 22-Jährige nicht. Für das Sportjahr 2021 wünscht er sich: „Das wir wieder alle ohne Sorgen und ohne Hintergedanken Fußball spielen können und andere Dinge trotzdem auch funktionieren. Das wir nicht das Miteinander oder den Alltag dadurch gefährden. Man sollte nicht vergessen, das es wichtigere Dinge gibt als Fußball, aber trotzdem wünschen wir uns natürlich, dass es weitergeht. Ohne schlechtes Gewissen und ohne Ungewissheit.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren und aufgewachsen in Dortmund. Student der Journalistik. Seit der Kindheit vom Sport in all seinen verschiedenen Arten begeistert.
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David Adams

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