In Lünen jubelt er nicht mehr: Inzwischen spielt der Ex-Lüner bei einem bekannten Traditionsverein. © Günther Goldstein
Fußball

Ex-Lüner geht zu Traditionsverein, der vor kurzem Pleite gegangen ist

Vor nicht allzu langer Zeit hat er noch in Lünen die Fußballschuhe geschnürt. Nun ist er zu einem absoluten Traditionsverein gewechselt - und startet dort unter ganz besonderes Voraussetzungen.

Selbst wechselfreudige Fußballer dürften kaum eine solche Situation bei ihrem neuen Verein vorgefunden haben, wie der ehemalige Lüner. Sein neuer Verein ist in der vergangenen Saison Pleite gegangen.

In den vergangenen vier Jahren hat Adjany Ibeme in der Sommerpause immer den Verein gewechselt. 2018 war er vom FC Roj zum Lüner SV gestoßen. Nach einer Saison zog es ihn zum FC Iserlohn – doch auch dort hat er seine Zelte inzwischen wieder abgebrochen.

Adjany Ibeme spielt für die SG Wattenscheid

Stattdessen steht der Defensivspieler nun bei der SG Wattenscheid 09 unter Vertrag. Der bekannte Traditionsverein spielte insgesamt 24 Jahre lang in der 1. und 2. Bundesliga.

Im vergangenen Herbst musste die SGW bekanntlich Insolvenz beantragen, der Spielbetrieb wurde eingestellt. Wattenscheid ist somit einer der wenigen Vereine, der trotz des Saisonabbruchs ohne Absteiger den Gang in eine tiefere Liga antritt.

Für den Neustart in der Oberliga stellten die Verantwortlichen eine komplett neue Mannschaft zusammen. Nur ein einziger Spieler aus der vergangenen Saison geht weiterhin im Lohrheide-Stadion auf Punktejagd.

Adjany Ibeme (l.), hier noch im Trikot des Lüner SV, spielt nun wieder für den FC Roj. © Patrick Schröer © Patrick Schröer

Dort spielt ab sofort auch Adjany Ibeme. Der ehemalige Akteur des Lüner SV ist mit Nico Buckmaier befreundet, der in der vergangenen Spielzeit Kapitän der SGW war. Gemeinsam absolvierten die beiden einst ihre Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann.

„Teilweise spaßeshalber“ hat er Buckmaier mehrfach „angequatscht“, er solle doch mal ein Probetraining organisieren, so Ibeme. Sein Kumpel spielt zwar mittlerweile beim SV Rödinghausen, erwähnte aber dennoch Ibemes Namen, als in Wattenscheid noch ein Innenverteidiger gesucht wurde.

Sehr schnell habe er dann einen Anruf erhalten, berichtet Ibeme. Wattenscheid und der große Akteur mit der auffälligen Frisur wurden sich einig, Ibeme stieg aufgrund beruflicher Verpflichtungen mit 14 Tagen Verspätung ins Training ein.

Mit Wattenscheid absolvierte er sogar schon ein Trainingslager. „Ab jetzt bin ich voll dabei“, so der 24-Jährige. Von der Insolvenz spürt Ibeme offenbar nicht viel. Der Traditionsverein habe eine junge Truppe mit viel Qualität zusammengestellt.

Auch der Trainer sei top, so Ibeme, der mit den Holzpfosten Schwerte schon mal im Halbfinale der Deutschen Futsal-Meisterschaft stand. Bei den Schwarz-Weißen hat seit Sommer Christian Britscho das Sagen, der in der abgebrochenen Saison mit RW Ahlen in die Regionalliga aufgestiegen war.

Von der Infrastruktur eines Regionalligisten ist scheinbar auch in der Oberliga viel übrig geblieben. Ibeme berichtet von Mental- und Athletiktrainern, Physiotherapeuten und Betreuern, die einem jede Sorge nehmen. „Man merkt schon, dass das ein ganzes anderes Arbeiten ist als vorher“, so Ibeme.

Adjany Ibeme hat sich im Dezember die Achillessehne gerissen

Er selbst muss sich den dem Schritt aus der Westfalen- in die Oberliga natürlich noch eingewöhnen. Das liegt auch daran, dass Ibeme sich im Dezember die Achillessehne gerissen hatte. Natürlich will der 1,94 Meter große Abwehrhüne vor allem beschwerdefrei bleiben. „Das sieht momentan ganz gut aus“, so Ibeme.

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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Timo Janisch

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