Die Überlegungen des FLVW zu einer möglichen Fortsetzung der Saison machen mehrere Lüner Fußballtrainer wütend. © Timo Janisch
Fußball

FLVW kriegt harte Kritik aus Lünen ab: „Würden nur Leute entscheiden, die keine Ahnung haben“

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen macht sich Gedanken um eine mögliche Fortsetzungen der Saison. Die Pläne des FLVW sorgen aber bei einigen Lüner Trainer für Kopfschütteln.

Eine mögliche Fortsetzung der aktuell und auf unbestimmte Zeit unterbrochenen Fußballsaison beschäftigt derzeit den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW). Dabei sind bislang zwei zentrale Aussagen an die Öffentlichkeit gelangt.

Erstens: Eine Annullierung der Saison 2020/2021 ist nicht so einfach umsetzbar, wie viele Verantwortliche fordern, die nicht mehr mit einem regelmäßigen Spielbetrieb in den kommenden Monaten rechnen.

Man werde noch einige Monate abwarten müssen und könne erst über einen Abbruch beraten, wenn es ausgeschlossen ist, noch auf 50 Prozent absolvierte Spiele zu kommen. Das sagte FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders dieser Zeitung. Die 50-Prozent-Marke hatte der Verband vor Saisonbeginn ausgegeben, damit die Spielzeit innerhalb einer Staffel gewertet werden würde.


Für mehr Aufruhr sorgte allerdings die Aussage Schnieders aus der vergangenen Woche
. Demnach habe sich der FLVW aktuell für eine Vorbereitungszeit von zwei Wochen ausgesprochen, die er den Vereinen vor einem möglichen Re-Start zugestehen würde.

Frank Bidar und Christian Hampel toben

Seit Mitte Oktober dürfen die Lüner Fußballer nicht auf dem Platz trainieren. Das sind drei Monate – Stand jetzt – und ein Re-Start ist nicht absehbar. Nach monatelanger Pause sollen die Kicker also nach zwei Wochen Training wieder in den Wettkampf einsteigen. Zwei Lüner Trainer macht das fassungslos.

„Wenn es so sein sollte, wäre es eine absolute Frechheit. Sowas würden nur Leute entscheiden, die keine Ahnung vom Amateursport haben“, sagt Frank Bidar, Trainer des BV Brambauer in der Bezirksliga.

Für Frank Bidar wären schwerste Verletzungen vorprogrammiert.
Für Frank Bidar wären schwerste Verletzungen vorprogrammiert. © Timo Janisch © Timo Janisch

Nach sechs Wochen Pause vor Beginn einer normalen Saisonvorbereitung im Sommer bräuchten die Spieler schon volle sechs Wochen, um Höchstleistungen abzurufen. Das Szenario des FLVW wäre deutlich drastischer. „Wir wissen ganz genau, dass es schwerste Muskelverletzungen geben würde“, so Bidar.

Ähnlich harte Worte in Richtung des Verbandes wählt Christian Hampel, Trainer und Sportlicher Leiter des Lüner SV in der Westfalenliga: „Ich denke nicht, dass das umgesetzt wird. Das wäre ja absolut lachhaft und einfach nur ein schlechter Witz.“

Christian Hampel hält den FLVW für „ahnungslos“

Hampel legt nach: „Wie man sowas auch nur in den Raum stellen kann, nach so einer langen Fußballpause, zeigt mir eigentlich, dass die Leute, die das entscheiden, nicht wirklich mal eine Turnhose angehabt haben beziehungsweise von Inhalten im Fußball – was die Trainingssteuerung und so weiter angeht –scheinbar ahnungslos sind.“

Dabei denkt er wie Bidar auch an seine Spieler, schließlich würden die die Konsequenzen zu spüren bekommen. „Das ist definitiv nicht machbar und wird komplett auf den Rücken der Spieler abgewälzt. Die können es letzten Endes ausbaden. Da sind Verletzungen absolut vorprogrammiert.“

Christian Hampel ist ziemlich fassungslos ob der Ankündigung des FLVW.
Christian Hampel ist ziemlich fassungslos ob der Ankündigung des FLVW. © Timo Janisch © Timo Janisch

Inhaltliche Unterstützung erhalten beide von Tim Hermes, ehemaliger Regionalliga-Fußballer und Spielertrainer von BW Alstedde in der Bezirksliga. „Eindeutig zu wenig“, finde Hermes die zwei Wochen.

Steven Koch verweist auf gleiche Voraussetzungen

„Auch wenn sich die Spieler zu Hause fit halten, es ist nicht dasselbe wie auf dem Platz. Bei nur zwei Wochen Vorbereitung würde man viele schwere Verletzungen in Kauf nehmen“, so Hermes. Nur um irgendwie die 50 Prozent zu erreichen, mache das für ihn keinen Sinn.

Steven Koch, der Westfalia Wethmar in der Bezirksliga coacht, sieht zumindest eine Chancengleichheit gegeben: „Es starten alle mit den gleichen Voraussetzungen und Zeit, um sich fit zu halten, ist momentan ja da.“

Koch und Hampel, dessen Akteure derzeit individuell trainieren, geben einen Einblick, wie sie eine mögliche kurze Vorbereitungszeit nutzen würden: „In den zwei Wochen geht es echt wieder um das Fußballspielen“, so Koch. „In jedem Training wird das Fußballspielen an erster Stelle stehen“, sagt Hampel, der sich mindestens eine vierwöchige Vorbereitungszeit wünscht.

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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Timo Janisch

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