Marc Woller ist aktuell Co-Trainer beim SV Lippstadt 08. © Timo Janisch
Fußball

„Habe mich einfach nicht wohl gefühlt“: Ex-Coach Marc Woller über seine Zeit beim Lüner SV

Im Interview spricht der Ex-Trainer des Lüner SV über seine 77-tägige Amtszeit und sein neues Abenteuer beim SV Lippstadt. Erstmals trainiert Marc Woller im Profi-Fußball.

Ganze 77 Tage war Marc Woller Fußball-Trainer der Ersten Mannschaft beim Lüner SV. Nach nur sieben Ligaspielen trennten sich dann aber auch schon wieder die Wege im September 2019. Nur etwas später heuerte der mittlerweile 52-jährige UEFA B-Lizenz-Inhaber als Co-Trainer beim SV Lippstadt 08 an – in der Regionalliga West. Über die Zeit beim LSV und das „Abenteuer Profifußball“ sprach der Ex-Lüner mit RN-Mitarbeiter Nico Ebmeier.

Marc Woller, 77 Tage waren Sie Trainer beim Lüner SV. Dann kam aber doch schnell die Trennung. Wie kam es überhaupt dazu?

Das ist ganz schwer zu sagen. Vermutlich haben der Verein und ich einfach nicht zusammen gepasst. Ich selbst hatte eigentlich das Gefühl, dass wir eine gute Saison gespielt hatten und ordentlich gestartet waren (8 Punkte aus 7 Spielen, Anm. d. Red.), aber da hatte der Vorstand andere Vorstellungen. Das habe ich dann auch schon sehr früh gespürt und dann hat es mir einfach keinen Spaß mehr gemacht. Ich habe mich nicht mehr so wohl gefühlt, wie ich es als Trainer möchte.

Und dann hat relativ schnell das Telefon aus Lippstadt geklingelt?

Ja, so kann man das schon sagen. Aber da steckte etwas mehr hinter. Der dortige Trainer, Felix Bechtold, und ich sind sehr gute Freunde. Er war früher mein Spieler und der Kontakt ist nie abgerissen. Wir haben dann telefoniert und ich habe ihm von der Trennung erzählt. Er fragte dann, ob ich mir nicht vorstellen könnte, sein Co-Trainer zu werden. Da musste ich nicht lange überlegen.

Jetzt sind Sie etwas mehr als ein Jahr Trainer beim SVL und Ihnen gefällt es scheinbar immer noch super?

Ja, total. Es ist ein unfassbar toller Verein. Man kann schon sagen, dass Felix Bechtold und ich mittlerweile beste Freunde sind. Und dazu haben wir noch einen Sportlichen Leiter, der sehr nah an der Mannschaft ist und uns immer unterstützt. Ich fühle mich hier sehr, sehr wohl. Auch, wenn es natürlich erstmal ein komplett neues Gefühl war, in der Regionalliga zu trainieren.

Wieso das denn?

Im ersten Moment habe ich schon gedacht: Oha, was ist das hier? Es ist einfach alles anders. Das fängt schon damit an, wie ich hier meine Woche strukturiere. Ich arbeite nachmittags bis 15 Uhr, fahre dann kurz nach Hause und dann sofort nach Lippstadt, um dann gegen kurz vor 23 Uhr wieder im Bett zu sein. Wir haben hier in Lippstadt auch ganz viele junge Spieler, die über unseren Verein vielleicht doch den Sprung in den Profibereich und zu den großen Mannschaften schaffen möchten. Es ist im Training viel mehr Feuer und Zug drin, der Fußball ist schneller.

Stichwort Profis. Es war schon etwas überraschend, dass die Regionalliga West als Profi-Liga angesehen wurde und so trotz Corona-Lockdown weitergespielt hat, oder?

Es hing eben alles daran, wie die Liga nun eingeschätzt wird. Wir haben uns da natürlich auch unsere Gedanken gemacht. Auch, wenn wir letztendlich gar nichts hätten ändern können. Ich meine, ich treffe auf der Arbeit schon einige Kollegen und könnte durchaus das Virus auch bis zur Mannschaft schleppen.

Also war die Entscheidung zu gefährlich?

Wir haben in dieser Liga eben so viele Vereine, die unter absoluten Profi-Bedingungen trainieren und spielen. Und da es eben mehr als die Hälfte sind, passte die Entscheidung dann auch. Bisher hat es ja auch gut funktioniert und es gab erst zwei Mannschaften, die kurzfristig in Quarantäne gehen mussten.

Lassen Sie uns noch einmal zum Lüner SV zurück kommen. Informieren Sie sich viel über Ihren Ex-Verein?

Generell ja. Ich schaue mir schon immer wieder an, wie der gespielt hat und wie sie aktuell in der Tabelle stehen. Noch mehr aber noch beim SuS Kaiserau. Deshalb kann ich auch überhaupt nicht bewerten, ob und wie sich der Staffelwechsel nun gelohnt hat oder wie die Saison läuft. Es ist immer eine Frage, wie viele Spieler der Trainer zur Verfügung hat und ob man vielleicht gerade in einem Hoch oder Tief ist.

Anders als der LSV hat Lippstadt auch alle Jugendteams in den hochklassigen Ligen spielen. Wie wichtig ist das für einen Verein?

Ich glaube, dass es einer ersten Mannschaft gut tut, wenn da Spieler aus der U19 hochkommen, die direkt das Niveau der Liga haben. Natürlich macht dir das auch als Trainer viel mehr Spaß, wenn du da viele Junge hast, die richtig wissbegierig sind und richtig Bock auf Fußball haben. Aber es ist auch eine Herausforderung, weil sie vielleicht Niederlagen und Rückschläge nicht so gut verkraften können wie ältere Spieler.

Trotz dieser sehr jungen Mannschaft haben Sie aber eine sehr ordentliche Hinrunde in der Regionalliga gespielt. Sind Sie damit auch zufrieden?

Man kann eigentlich schon sagen, dass jeder Spieltag, an dem wir über dem Strich sind, ein großer Erfolg für uns ist. Wenn man sieht, dass Oberhausen und Essen mit großen Kreuzfahrtschiffen durchs Meer fahren, sind wir der kleine Fischkutter nebenan. Dennoch hätten es schon ein paar Punkte mehr sein können. Wir sind super gestartet, haben aber irgendwann immer nur Unentschieden gespielt. Dann haben wir innerhalb von drei oder vier Wochen nur gegen größere Mannschaften gespielt und dann entwickelte sich bei den Jungs so ein Negativtrend, der vielleicht dann beim 2:6 gegen Schalke II seinen kleinen Tiefpunkt hatte. Zuletzt haben wir uns aber gefangen und ich glaube schon, dass wir das Potential haben, in dieser Liga im Mittelfeld mit zu schwimmen.

So viel zum Abstiegskampf – wer macht oben das Rennen?

Das ist wirklich ganz, ganz schwierig. Ich denke schon, dass Dortmund II etwas talentierter und spielerisch besser ist, aber gerade in den letzten Wochen haben sie nicht mehr die Leistung gezeigt, die es braucht, um aufzusteigen. Essen ist kollektiv extrem stark und da man ja sagt, dass die komplettere Mannschaft am Ende den Titel holt, denke ich auch, dass sie es machen werden. Aber ich gönne es wirklich beiden und sage deshalb: Möge der Bessere gewinnen.

Eine letzte Frage noch zu Ihrer Zukunft. Sehen wir Marc Woller bald als Cheftrainer an einer Profi-Seitenlinie?

Das ist natürlich schon so ein kleiner Traum, aber mit 52 wird man einfach ein bisschen ruhiger und macht kleinere Schritte. Ich würde mich freuen, wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde es aber nicht erzwingen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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Nico Ebmeier

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