Nicht selten brachten Underdogs in der Rundsporthalle zuletzt den Favoriten ins Wanken. © Goldstein
Hallenstadtmeisterschaft

Hallenstadtmeisterschaft: Als ein Underdog in wenigen Minuten den Lüner SV überrollte

Von einer Titelserie des großen Favoriten war bei den Lüner Hallenstadtmeisterschaften in den vergangenen Jahren wenig zu sehen. Vor drei Jahren schockte ein Team die Rundsporthalle.

Das Jahr 2020 geht ohne eine Austragung der Lüner Hallenfußball-Stadtmeisterschaften zu Ende. Die Corona-Pandemie verhinderte die Titelkämpfe, an eine volle Rundsporthalle ist nicht im entferntesten zu denken. Der BV Brambauer wird also seinen Titel, den er 2019 überraschend errang, ganze zwei Jahre tragen – doch selbst in der jüngsten Vergangenheit des Turniers gab es Titelträger, die noch mehr überraschten.

Die Zuschauer in der Rundsporthalle hatten sich zusammengetan. „TuS, TuS, TuS Niederaden“ hallte es vor drei Jahren von den Holzbänken im Oberrang und den Zusatztribünen direkt neben dem Spielfeld.

Der TuS Niederaden leistete schließlich gerade Unglaubliches. Ja, der TuS hatte bisher alle seine Partien gewonnen – sonst stünde er schließlich nicht dort, auf dem Hallenboden, während des Endspiel angepfiffen wurde.

Doch der Lüner SV schien zu übermächtig. Nach Klassenzugehörigkeit sind die Rot-Weißen die Nummer eins in Lünen, daran besteht kein Zweifel. Und ehrlich gesagt fiel vor Turnierbeginn wohl kaum jemand A-Ligist Niederaden ein, wenn es darum ging, wer dem LSV Paroli bieten könnte.

Der Moment der Gewissheit: Der TuS Niederaden ist Lüner Hallenstadtmeister 2017. © Goldstein © Goldstein

Und tatsächlich erlebten die Zuschauer ein zumindest in der ersten Halbzeit einseitiges Endspiel um die Lüner Hallenkrone – allerdings unter einer völlig verkehrten Rollenverteilung.

Der TuS überstand die anfängliche Offensive des LSV gut, griff auf die bewährten Mittel eines Außenseiters zurück. Kampf, Zweikampfverhalten, Laufbereitschaft, Intensität – alles stimmte beim kleinen Klub, der sich selbst immer wieder gerne als „Dorfverein“ bezeichnet.

TuS Niederaden überrollt den Lüner SV

Plötzlich legte Niederaden dann selbst los. Fabian Kowalski, Dominik Hans, erneut Kowalski und Torschützenkönig Patrick Neumann – 4:0 für Niederaden. Vier zu null. Innerhalb von vier Spielminuten. Ekstase in der Rundsporthalle, ratlose Gesichter in rot-weiß.

„Vom Kopf her waren wir alle schon Stadtmeister, weil wir so souverän gespielt haben“, sagte der damalige LSV-Trainer Mario Plechaty. Seine Mannschaft deutete zwar nochmal ihre Qualität an, Fabian Pfennigstorf und Milan Sekulic gelangen aber nur noch zwei Ehrentreffer. Zuvor hatte sich Alihan Kurgan bereits fürs Meckern die Rote Karte eingehandelt.

Lünens Sportlicher Leiter anno 2017, Hasan Kayabasi, warf dem LSV-Team sogar Arroganz vor: „Wie wir im Finale aufgetreten sind, lasse ich mir nicht bieten. Das war eine Frechheit. So einfach war es noch nie, Stadtmeister zu werden. TuS Niederaden hat mit Herz gespielt und hat verdient im Endspiel gewonnen.“

Stefan Urban hatte nach dem 4:0 Tränen in den Augen

Den ersten Titelgewinn des TuS Niederaden in 46 Versuchen verhinderte niemand mehr. Trainer Stefan Urban – inzwischen beim SV Preußen verantwortlich – gab noch zwei Wochen später zu, jeden Morgen mit einem Lächeln aufzuwachen. „Der Sieg war einfach gigantisch“, sagte er im damaligen Interview mit dieser Redaktion. Tränen habe er bei der zwischenzeitlichen 4:0-Führung in den Augen gehabt.

In die Geschichtsbücher des Vereins würde dieser Titel eingehen, so Urban. Auch er spricht vom „kleinen Dorfverein“. Viel übrig geblieben ist von diesem besonderen Erfolg aus dem Jahre 2017 allerdings nicht.

Schon im darauffolgenden Sommer kam es an der Kreisstraße zum großen Umbruch. Urban verließ den Klub, ebenso wie viele Akteure der Stadtmeister-Mannschaft. Schon in der Folgesaison stieg Niederaden in die Kreisliga B ab.

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freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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Timo Janisch

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