Gibt es die Siegesfaust von Bundestrainer Alfred Gislason auch bei der kommenden Handball-WM? Vier seiner Leistungsträger haben auf eine Teilnahme verzichtet. © picture alliance/dpa/APA
Turnier in Ägypten

Handball-WM trotz Corona-Krise: Lüner Verantwortliche üben scharfe Kritik

In der kommenden Woche startet – ungeachtet der angespannten Corona-Lage – die Handball-WM in Ägypten. Im Vorfeld hagelte es für die Durchführung viel Kritik und auch bei Lüner Vereinen gibt es Bedenken.

Die Corona-Fallzahlen bleiben weltweit auf einem hohen Niveau, vielerorts wurden die Lockdown-Maßnahmen nochmals verstärkt – und in Ägypten beginnt zeitgleich die Handball-WM der Männer. Ein surrealer Vorgang, der nicht nur dazu geführt hat, dass einige Topstars ihre Teilnahme an dem Turnier kurzerhand absagten, sondern der auch in Lüner Handballkreisen für Unverständnis sorgt.

Mit Hendrik Pekeler, Steffen Weinhold, Finn Lemke und Patrick Wiencek haben vier Leistungsträger der deutschen Nationalmannschaft im Vorfeld der WM erklärt, aus Sorge um die eigene Gesundheit nicht mit nach Ägypten zu reisen und auf das Turnier zu verzichten. Das Echo in der Sportlandschaft war gewaltig.

Finanzielle Interessen im Vordergrund

Doch nicht nur die weiten Reisen, das durchaus umstrittene Hygienekonzept und das grundsätzliche gesundheitliche Risiko führten zu Kritik an der Durchführung der Weltmeisterschaft. Vor allem der Umstand, dass trotz der angespannten Corona-Situation sogar Fans zu den Spielen zugelassen werden sollen – die Rede ist von bis zu 20 Prozent der maximalen Zuschauerkapazitäten – machte das Bild einer äußerst diskutablen Veranstaltung zuletzt komplett.

Für Jochen Kindmann, den ersten Vorsitzenden des VfL Brambauer ist die Sache deshalb klar: „Man hätte diese WM einfach absagen sollen. Letztlich geht es bei der Durchführung nur um finanzielle Interessen und dabei kann man den Handball nicht mit der Fußball-Bundesliga vergleichen. Dort sind noch einmal andere Möglichkeiten gegeben.“

Man habe derzeit allerdings das Gefühl, dass sich die Verantwortlichen gerade die Bundesliga zum Vorbild genommen hätten, um das Stattfinden der WM in Ägypten erklären zu können. „Handball und Fußball lassen sich hier nicht gegenüberstellen. Auch mit Blick auf die Menschen, die derzeit wirklich unter der Situation leiden, finde ich es deshalb rücksichtslos. Wenn ich Spieler wäre, hätte ich mit Sicherheit auch auf eine Teilnahme verzichtet“, so Kindmann.

„Hat nichts mit einer Vorbildfunktion zu tun“

Für Sven Weber, seines Zeichens Vorsitzender der Handballabteilung des Lüner SV, sei eine Handball-WM in der jetzigen Phase das „völlig falsche Signal“. Stattdessen hätte man die Veranstaltung gänzlich kippen sollen. „Es kann ja nicht richtig sein, dass einerseits der Lockdown in Deutschland verschärft wird und andererseits zahlreiche Spieler, Trainer und Betreuer nach Ägypten fliegen, um dort ein Handball-Turnier zu spielen“, so Weber.

Gerade eine WM sei auch für Handballvereine im Amateurbereich natürlich immer hilfreich gewesen, wenn es darum ging, Interesse bei Kindern und jungen Leuten zu wecken. „Ein solches Turnier hat dann aber auch nichts mehr mit dieser eigentlichen Vorbildfunktion zu tun. Es geht dabei tatsächlich einzig und alleine um die Kohle“, betont der Vorsitzende.

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Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul

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