Mark Bördeling, Trainer vom VfB Lünen, kann das Vorgehen von Westfalia Vinnum nicht verstehen. © Timo Janisch
Fußball

Hat Westfalia Vinnum hinter dem Rücken zweier Lüner Vereine mit ihren Spielern verhandelt?

Beim VfB Lünen und Preußen Lünen waren sie überrascht, als sie hörten, dass sich Westfalia Vinnum mit ihren Spielern über einen Wechsel einig waren. Das Vorgehen und der Zeitpunkt sorgen für Ärger.

Im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten verkündete Patrick Roser, Sportlicher Leiter von Fußball-A-Ligist Westfalia Vinnum, dass sie sich mit zwei Spielern über einen Wechsel zur Winterpause einig wären.

Robin Hagenmeyer vom VfB Lünen und Pascal Beck von Preußen Lünen (beide Kreisliga A) sollen nach Vinnum wechseln. Das stößt bei den abgebenden Vereinen allerdings auf Verwunderung.

„Wenn ich ehrlich bin, bin ich getroffen. Mit uns hat noch keiner gesprochen. Ich wusste von nichts“, sagt Milan Mikuljanac, Sportlicher Leiter des VfB Lünen, als er auf den Wechselwunsch von Robin Hagenmeyer angesprochen wird.

„Das ist nicht die feine Art, dass Spieler hinter unserem Rücken angesprochen werden. Die Art und Weise ist nicht in Ordnung. Erstmal wird mit dem Verein gesprochen. Dennis Gerleve und ich haben ein gutes Verhältnis. Er hat meine Nummer“, so Mikuljanac weiter.

Mikuljanac ginge davon aus, dass Gerleve, seit ein paar Wochen neuer Trainer von Westfalia Vinnum, erst mit seinem Spieler Hagenmeyer Kontakt aufgenommen habe und nicht – wie sonst üblich – mit dem Verein. Der Ex-Alstedde-Trainer Gerleve kennt Hagenmeyer und auch Pascal Beck aus ihrer gemeinsamen Zeit, als er den BV Lünen trainierte.

Hagenmeyer kam erst im Sommer zum VfB Lünen

Besonders brisant: Hagenmeyer wechselte erst vor dieser Saison vom BVL zum VfB. „Wir haben ihn geholt, weil wir ihn brauchen. Warum sollten wir ihn wieder abgeben? Wir wollen ihn halten. Wenn er gehen soll, dann muss Vinnum uns eine hohe Ablöse zahlen“, sagt Mikuljanac.

Auch für VfB-Trainer Mark Bördeling ist die Sache noch nicht durch. „Abwarten, ob das was wird. Da ist noch gar nichts geklärt. Es ist krass, dass Vereine im Winter auf Spieler zugehen und abwerben.“

Für Peter Serges, Geschäftsführer von Preußen Lünen, ist der Zeitpunkt auch das Hauptproblem. „Gerade jetzt in der Corona-Zeit. Wir haben andere Dinger im Kopf. Wir versuchen alle, unsere Vereine aufrecht zu halten. Das ist nicht gerade fördernd. Ich finde das nicht gut.“

Ob Gerleve, Beck, der auch erst vor der dieser Spielzeit vom BV Lünen zu Preußen wechselte, angesprochen habe, wisse er nicht. Auch wie mit den Ablösen während der Saisonpause verfahren werde, sei noch nicht klar, da die Wechselfristen noch nicht klar wären.

Hagenmeyer und Beck wollen wieder zusammen spielen

„Es geht aber nicht um Geld. Wir haben uns noch gar keine Gedanken gemacht, wie es weiterläuft. Deswegen machen wir uns noch keinen Kopf. Wir haben erst drei Spiele gespielt. Da kann man auch noch nicht unzufrieden sein“, wundert er sich über die Gründe für den Wechselwunsch. Hagenmeyer und Beck würden laut Gerleve gerne wieder zusammen spielen.

„Dass in dieser Zeit über sowas nachgedacht wird. Es gibt wichtigere Sachen. Wenn es Nöte gibt, ist das legitim, aber wir wissen gar nicht, wann wir wieder spielen. Ich bin überrascht“, sagt Preußen-Trainer Stefan Urban.

Patrick Roser, Sportlicher Leiter von Westfalia Vinnum, sagt zu den Vorwürfen, dass der Verein auf die Spieler zugegangen sei: „Das war eine Mischung aus Spieler und Verein. Jeder kann eins und eins zusammenzählen und weiß von der Verbundenheit der beiden zum Trainer. Es ist alles sauber gelaufen. Alles Weitere klären die Vereine. Die Kirche sollte im Dorf gelassen werden.“

Einen Widerspruch darin, dass Vinnum nach außen kommuniziere, selbst keine Spieler im Winter abzugeben und sich bei anderen Vereinen bediene, sieht der Sportliche Leiter auch nicht. „Es gibt Gründe, dass wir Spieler holen wollen. Außerdem haben wir letzte Saison auch einen Spieler im Winter abgegeben.“

Auch Trainer Dennis Gerlve wundert sich über die ganze Aufregung. „Ich verstehe nicht, warum es da so einen Zirkus gibt. Wir haben uns zu 100 Prozent richtig verhalten, die Spieler auch. Ich kann nicht sagen, wer auf wen zugekommen ist, die Vereine waren informiert. Ich finde das richtig schlecht von denen, dass sie jetzt so reagieren.“

Der VfB Lünen und Preußen Lünen kündigten bereits an, dass sie eine vereinsübergreifende Stellungnahme zum Spielerabwerben in Zeiten von Corona abgeben werden.

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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Tobias Larisch

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