Der Lüner Kamil Jablonski läuft inzwischen in der 2. Triathlon-Bundesliga für die TV Werne Wasserfreunde. Dort er war auch mal Fußballer. © David Döring (A)
Triathlon

„Ich laufe immer das gleiche Tempo“: Triathlet Kamil Jablonski war mal Fußballer bei BV Lünen

Inzwischen kennt man Kamil Jablonski fast nur noch als Triathlet und Ironman-Bezwinger. Doch der Lüner war auch mal Fußballer beim BV Lünen - und hatte ein spezielles Aufwärmprogramm.

Fußball ist ein Laufsport – den Satz bekommt wahrscheinlich jeder Fußballer ab seiner Jugend eingetrichtert. Gerade wenn es um die Saisonvorbereitung geht und Laufeinheiten anstehen, graust es so manch einem Spieler. Nicht so Kamil Jablonski. Der Triathlet und Ironman-Teilnehmer hat früher für den BV Lünen gespielt. Wobei er bei sich einen Nachteil sieht.

Zum Vergleich: Ein Bundesliga-Spieler läuft 8 bis 14 Kilometer pro Spiel. Jablonski läuft an einem Wettkampftag über die Triathlon-Kurzdistanz mit seinem Team, den TV Werne Wasserfreunden, schon alleine zehn Kilometer. Die ist er früher vor Spielen übrigens auch zum Warmlaufen gerannt: „Das hab ich meinem Trainer nie erzählt, aber ich hab vor den Spielen gerne mal so ein Zehn-Kilometer-Läufchen gemacht, um ein bisschen vorbelastet zum Spiel zu kommen“, erklärt er.

Was für den normalen Kreisliga-Hobbykicker nicht ein einfaches Läufchen, sondern eine ganze Trainingseinheit ist, ist für den Triathleten eine einfach Laufeinheit. Immerhin bestreitet der Lüner Kamil Jablonski inzwischen auch Ironman-Distanzen: also 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und dann noch ein Marathonlauf von 42,2 Kilometern zum Abschluss.

Dementsprechend sagt Jablonski, der seit seinem siebte Lebensjahr beim BV Lünen Mitglied ist, dass er der typische Sechser gewesen sei: „Also so Ausdauerläufe und viel laufen klappt gut, aber ich bin ein absolut miserabler Sprinter. Mir fehlt die Grundschnelligkeit auf den ersten Metern. Dafür macht es für mich keinen Unterschied, ob es die 1. oder 90. Minute ist – ich laufe immer das gleiche Tempo.“

Die Sprint-Schwäche merke er auch jetzt beim Triathlon, gerade beim Schwimmen müssen er daran immer gezielt arbeiten: „Aber je älter man wird, desto schwieriger wird das. Man wird zwar immer ausdauernder und kann das hohe Tempo immer länger gehen, aber wirklich schneller wird man nicht.“ Deshalb sieht er sich auch nicht als Albtraum seiner Mit- oder Gegenspieler.

Bis 2017 hat Kamil Jablonski bei BV Lünen gespielt, wobei das am Schluss immer weniger geworden sei: „Mit dem intensiveren Triathlon-Training war immer weniger Zeit für Fußball. Außerdem hat Triathlon wesentlich mehr Spaß gemacht.“

Doch noch ein Faktor spielte damit rein, dass er die Fußballschuhe erstmal an den Nagel gehangen hat: das Verletzungsrisiko. Er habe etliche Verletzungen davongetragen, wurde alleine dreimal operiert. „Das war dann nicht so cool für den Arbeitgeber, es ist nun mal ein normaler Sport mit einem großen Verletzungsrisiko, das hat man beim Triathlon nicht so“, erklärt der Polizist.

Kamil Jablonskie kämpfte gegen schwere Verletzung an

Eine größere Verletzung 2013 hat ihn sogar fast dazu gezwungen, gänzlich mit dem Sport aufzuhören. Er habe immer wieder Schmerzen in der Hüfte gehabt, ein Sportmediziner attestierte ihm dann eine Arthrose im Anfangsstadium durch hohe Belastung. „Schon als Säugling hatte ich eine Hüftdysplasie, daher kam das wohl“, sagt er. Der Mediziner riet ihm dann, mit Fußball und Laufen aufzuhören.

Doch das kam für Jablonski nicht infrage. Er recherchierte auf eigene Hand und machte eine längere Pause. „Das war erstmal ein Schock, aber ich hab mich nicht so wirklich damit zufriedengegeben und dann sehr viel gelesen, was man dagegen machen.“

Inzwischen setze er viel auf Regeneration, macht Kräftigungs- und Dehnübungen und nutzt eine Faszienrolle. Damit stärkt er die Muskulatur um die Hüfte. „Ich habe sehr, sehr viel dafür gemacht und habe seitdem keine Schmerzen mehr. Auch nach dem Ironman habe ich nichts gemerkt, außer halt das Übliche, was man nach so einem Lauf merkt“, erklärt Jablonski.

Er fokussiert sich inzwischen nur noch auf Triathlons. Dementsprechend findet man ihn auch eher selten am Platz von BV Lünen: „Es ist lange her, dass ich mal Spiele angeguckt habe.“ Das läge daran, dass viele Leute nicht mehr da seien, mit denen er noch gespielt habe.

Austreten kommt für ihn aber nicht infrage. „Ich bin seit 1993 Mitglied und bleibe es auch. Der Verein ist mir ans Herz gewachsen“, sagt er. Und wenn er irgendwann mal keine Lust mehr auf Triathlon hat, kann er sich sogar vorstellen, wieder gegen den Ball zu treten: „Aber nur, wenn ich merke, ‚Boah nee, auf Triathlon hast du nicht mehr so bock‘.“ Und das kann noch dauern.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
Zur Autorenseite
Verena Schafflick

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.