Die beiden Identifikationsfiguren des BV Brambauer: Joel Razanica (l.) und Dennis Köse. © Timo Janisch
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Joel Razanica antwortet allen Vereinen, die ihn umwerben, stets das Gleiche

Identifikation pur: Joel Razanica ist vom BV Brambauer nicht wegzudenken. An einen Wechsel gedacht hat er trotzdem schon. Doch am Ende bekamen alle anfragenden Vereine die gleiche Antwort zu hören.

Das Fußballspielen beim BV Brambauer ist nicht immer ein Vergnügen. In der vom Bäumen umringten und in einer leichten Senke liegenden Glückauf-Arena sinken die Temperaturen meistens noch ein paar Grad tiefer, als es zeitgleich auf anderen Plätzen der Fall ist.

Der Klub ist in den vergangenen Jahren von der Westfalen- bis in die Bezirksliga gefallen. Der Anspruch im Umfeld bleibt trotzdem hoch. Viele Top-Spieler haben den Klub in den zurückliegenden Jahren verlassen. Wer geblieben ist, hat einen guten Grund dazu. Dazu gehört Joel Razanica.

Der 26-Jährige ist der Kapitän des Brambaueraner Bezirksliga-Mannschaft. Sein ganzes Leben trägt er schwarz-weiß-rot – mit Ausnahme dreier Jahre in der Jugend, die er beim VfB Waltrop verbrachte.

Joel Razanica ist für Verantwortung prädestiniert

Ein Kapitän sollte Verantwortung übernehmen, gut kommunizieren können und wahrscheinlich auch eine zentrale Position auf dem Spielfeld übernehmen. All das erfüllt Razanica beim BVB, und zwar nach eigenen Angaben schon seit der Jugend. „Ich habe mich immer in der Position eines Führungsspielers gesehen. Das habe ich – weil es meine Mentalität ist – in den Seniorenbereich mit genommen“, so Razanica.

Als die erste Mannschaft 2014 aus der Westfalenliga abstieg, nahm der BV Brambauer die jungen Spieler aus der damaligen Reserve in die Pflicht – darunter auch Razanica. „Auch da kam es für mich nie infrage, mich vor der Verantwortung zu drücken.“

Doch der gebürtige Brambaueraner ist für den Verein viel mehr als nur ein wichtiger und zentraler Spieler. Er ist Identifikationsfigur, bringt sich an vielen Stellen ein. Razanica, den in Lünen die meisten nur „Raze“ nennen, kann jede Position im Zentrum übernehmen, ob offensiv oder defensiv. Gerät der BVB mal in enorme Personalnot, geht Razanica sogar in der Meisterschaft ins Tor.

Seitdem im Lüner Westen das nicht nur im Verein bekannte Betreuer-Duo aus Willi Schmidt und Uwe „Orte“ Heimsoth – Schmidt beendete seine Tätigkeit im Sommer 2020, Heimsoth verstarb 2019 – nicht mehr aktiv ist, sah sich der BVB mit vielen zu vergebenen Aufgaben konfrontiert.

Dazu gehörte auch das Waschen der Trikots. Hier sprang Razanica zunächst ein, teilte es sich später mit dem spielenden Co-Trainer Dennis Köse – die andere Brambaueraner Identifikationsfigur.

Wenn Joel Razanica (l.) mal nicht aktiv mitwirken kann, übernahm er bei Trainer Jascha Keller (M.) sogar schon Aufgaben an der Seitenlinie. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Identifikation wird beim BVB großgeschrieben. Typisch Ruhrgebiet eben. „Es gibt ganz viele Personen, Kollegen, Freunde und teilweise auch Verwandte, die schon immer beim BV spielen, die man seit den Minikickern kennt“, sagt Razanica.

Er verweist auf Axel Schulze Beckinghausen, der über seinen TuS Niederaden ganz ähnliche Worte gefunden hat. „Daraus sind auch über die Jahre Freundschaften entstanden, die weit über das Zusammenspiel in einer Mannschaft hinausgehen“, sagte der Niederadener dieser Zeitung.

Razanica geht es ähnlich. Jede Trainingseinheit freue er sich, Zeit mit Leuten zu verbringen, die er liebgewonnen hat. „Das ist definitiv etwas, was man sehr schätzen sollte. Das ist nicht in jedem Verein so. Es gibt mit Sicherheit viel mehr Vereine, wo mittlerweile eine hohe Fluktuation vonstattengeht.“

Joel Razanica hat sich schon mit einem Wechsel beschäftigt

Das bedeutet allerdings nicht, dass der zweikampfstarke Razanica, der zudem für seine weiten Einwürfe bekannt ist, niemals Wechselgedanken hatte: „Das Thema Wechsel beschäftigt fast jeden Spieler schon einmal im Jahr, weil sich die umliegenden Vereine im Winter für die kommende Saison neu aufstellen wollen. Auch ich habe da schon Anfragen bekommen.“

Gedanken, ob er nicht mal etwas neues probieren wolle, habe er sich schon gemacht, gibt Razanica zu. Er habe sich auch schon mit anderen Vereinen zusammengesetzt und sich deren Konzept angehört. Am Ende erhielten die Klubs, die „Raze“ umwarben, aber stets die gleiche Antwort: „Mein Herz schlägt für den BV.“

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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Timo Janisch

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