Nicht zum ersten Mal müssen die Lüner Fußballer einen Winter ohne Hallenfußball-Stadtmeisterschaft auskommen.
Hallenfußball-Stadtmeisterschaft

Lüner Hallenstadtmeisterschaft fiel vor 10 Jahren aus – der Grund ist heute fast unvorstellbar

Erstmals in der Geschichte der Veranstaltung fiel die Lüner Hallenfußball-Stadtmeisterschaft vor zehn Jahren aus. Der Grund ist heute so unvorstellbar wie es damals wohl eine Pandemie gewesen ist.

Aufgrund der Corona-Pandemie finden im Winter 2020/2021 keine Hallenfußball-Stadtmeisterschaften in Lünen statt. Doch für eine Absage des wohl wichtigsten Sportereignisses der Lippestadt braucht es nicht immer eine globale Pandemie. Das zeigte das Chaos um die Stadtmeisterschaften vor genau zehn Jahren.

In Anbetracht der milden Winter der vergangenen Jahre ist er womöglich sogar in Erinnerung geblieben: der Dezember 2010. Früh fiel der Schnee, bereits Ende November ließen sich in Nordrhein-Westfalen erste, zentimeterdicke geschlossene Schneedecken finden.

Der Wintereinbruch stoppte auch vor Lünen nicht. Am 9. Dezember sperrte die Stadt Lünen alle Plätze, die letzten noch verbliebenen Ligaspiele des Jahres fielen größtenteils aus.

Dass die Witterung auch die Hallenstadtmeisterschaften beeinflussen könnten, wurde sogar schon kurz zuvor bekannt. In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember war Wasser in die Sporthalle an der Dammwiese eingebrochen.

Sporthalle Dammwiese war nur eine Alternative

Dammwiese? Normalerweise steigen die Titelkämpfe traditionell in der Rundsporthalle im Stadtzentrum und nicht im Lüner Süden. Da die Heimat der Handballer des Lüner SV, die drei Mal mehr Platz bietet, aber vor zehn Jahren renoviert wurde, stand die Dammwiese früh als Ausweichquartier fest.

Ein Plan, der keinen Bestand haben sollte. Ob die notwendigen Reparaturarbeiten in Lünen-Süd bis zum Start des Turnierreigens – die Stadtmeisterschaften sollten vom 19. Dezember bis zum 9. Januar steigen – im Angesicht der unklaren Witterungsbedingungen durchgeführt werden konnten, schien fraglich.

„Fallen die Hallenspiele ins Wasser?“, titelte diese Zeitung damals. Tatsächlich wäre ein strenger Dauerfrost bis zum Ende der Meisterschaften nötig gewesen, um eine Austragung in der Halle Dammwiese zu ermöglichen.

Schnell herrschte Klarheit: Im Süden – wo der VfB Lünen als Ausrichter fungieren sollte – kann nicht gespielt werden. Als erneute Ausweichhallen kamen nur die Halle Diesterwegstraße in Brambauer und die Halle des Berufskollegs infrage.

Karl-Hein Schulze, Fachwart Fußball im Stadtsportverband Lünen (SSV) eröffnete gegenüber dieser Redaktion noch eine dritte, zu diesem Zeitpunkt noch unrealistisch wirkende Option: „Die dritte Möglichkeit wäre, die Meisterschaften in diesem Jahr ganz ausfallen zu lassen.“

BV Brambauer springt ein für den VfB Lünen

Eine Woche nach dem Wassereinbruch in Lünen-Süd schien die erste Hürde überwunden. Der BV Brambauer sprang für den VfB als Ausrichter ein, die Stadtmeisterschaften sollten nun in der Halle an der Diesterwegstraße ausgetragen werden. Die Hausherren – die Handballer des VfL Brambauer – signalisierten schnell ihre Bereitschaft.

Schon am kommenden Wochenende sollte es losgehen, die Gruppen waren bereits ausgelost.

Am Wochenende vor Weihnachten starteten die jüngeren unter den Juniorenteams sogar und spielten in Brambauer ihre Finaltag-Teilnehmer aus. Doch nach dem Fest der nächste Nackenschlag für das Turnier.

Nur wenige Jugendspiele fanden 2010 in der Sporthalle an der Diesterwegstraße statt. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Die Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL) sperrte am 27. Dezember alle Sporthallen der Stadt. Zu groß waren die Schneemassen geworden, die sich auf den Dächern sammelten – ein Sicherheitsrisiko durch Einsturzgefahr. Als die Sperre bekannt wurde, brachen die Verantwortlichen sogar urplötzlich die laufenden Vorrunden-Spiele der C-Jugendlichen ab.

Mindestens bis zum 3. Januar sollte die Hallensperrung Gültigkeit haben, hieß es von der ZGL. Daraufhin sagten die Ausrichter alle noch ausstehenden Vorrunden-Spiele der Junioren ab. Damit stand fest, dass es bei den Jugendlichen im Jahr 2011 keine Stadtmeister geben würde.

Bernd Janning, damals Sportredakteur dieser Zeitung, hatte im Vorfeld noch in einem Kommentar zum Besuch der Titelkämpfe aufgefordert. „Denn alles andere bringt nur Frust. Besonders, wenn man zu Hause sitzt.“ Ein Zitat, welches im Jahr 2020 nicht weniger Substanz hat.

Doch der Frust sollte kommen. Die Fußball-Fachschaft im SSV peilte eine Verschiebung des wichtigen Senioren-Turniers auf den 7. bis 9. Januar an. Dieter Kasprowiak, damals Betriebsleiter der ZGL, machte gegenüber dieser Zeitung wenig Hoffnung auf eine Realisierung dieses Vorhabens: „Ich bin nicht sehr optimistisch.“ 50 Tonnen Masse müssten vom Dach bewegt werden, ohne jemanden zu gefährden.

Der Knockout erfolgte einen Tag vor Silvester. Sechs der zehn Lüner Vereine hatten sich für eine Austragung am neuen Termin ausgesprochen, wollten die bisher investierten Mühen nicht verstreichen sehen.

Karl-Heinz Schulze verkündet die Entscheidung

Doch das Wetter blieb unbeständig, die Sicherheitsbedenken groß. Das quittierten die Zuschauer mit nachvollziehbarer Vorsicht: Nur 100 Tickets waren für den ersten, keine 150 für den zweiten Vorrunden-Tag abgesetzt worden.

So verkündete Fußball-Fachwart Schulze des Aus für die 38. Auflage der Lüner Hallenfußball-Stadtmeisterschaften. „Es sprechen einfach zu viele Gründe gegen eine Ausrichtung“, sagte er gegenüber dieser Redaktion. Erstmals in der Geschichte der Veranstaltung musste sie abgesagt werden.

Zehn Jahre später blieb den Verantwortlichen erneut keine Wahl – dafür aber langfristigere Planungssicherheit. Am 14. August bestätigte Sascha Holz vom SSV das Aus für die Hallenstadtmeisterschaften 2020/2021.

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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Timo Janisch

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