Eine Lüner Sportlerin möchte kommendes Jahr unbedingt an Olympia in Tokio teilnehmen. © picture alliance/dpa/AP
Lüner Sport-Adventskalender

Lüner Sportlerin richtet alles auf Olympia 2021 in Tokio aus

Allen Umstände entgegen, zählt für eine Lüner Sportlerin das Sportjahr 2020 zu einem ihrer erfolgreichsten in ihrer Karriere und verschaffte ihr Zeit, um ihr großes Ziel zu erreichen.

Im August schaute die Leichtathletikwelt für zwei Tage nach Braunschweig. Zu den deutschen Meisterschaften der olympischen Kernsportart trafen sich die besten deutschen Athletinnen und Athleten. Ohne Zuschauer und mit strengen Hygieneregeln. An beiden Tagen durfte eine Lüner Sportlerin am Abend auf dem Podium stehen. Julia Ritter gewann Silber im Kugelstoßen und Bronze im Diskuswurf.

Bereits im Februar wurde die 22-Jährige Dritte im Kugelstoßen bei der Deutschen Hallen-Meisterschaften in Leipzig. „Viele würden sagen, das Jahr 2020 war ganz scheiße“, erzählt Ritter im Gespräch. „Aber ich muss sagen, für mich war das Jahr eigentlich ein echt tolles Jahr“. Weiter führt sie aus: „Nicht nur das ich die 18,14 Meter (Anm. d. Red. Persönliche Bestleistung) gestoßen habe, sondern auch, ich habe mich in Kugel und Diskus verbessert, das passiert nicht jedes Jahr bei mir.“

Den Weg zu diesem erfolgreichen Jahr begann für Ritter nicht mit der klassischen Leichtathletik-Ausbildung. Zu der Zeit, in der die meisten Kinder sich im Laufen, Springen und Werfen auf dem Sportplatz ausprobieren läuft, springt und wirft Ritter ebenfalls – jedoch beim Handball. Erst mit 14 Jahren verschlägt es sie zur Leichtathletik.

Hat ambitionierte Ziele und trainiert dafür fleißig: Julia Ritter. © julia © julia

Zuhause erzählt sie von guten Leistungen im Medizinball-Stoßen in der Leichtathletik-AG ihrer Schule. Daraufhin fährt ihr Vater mit ihr zum Sportplatz des SuS Oberaden. Hier nimmt Ritter zum ersten Mal eine Kugel in die Hand und wieder überzeugen die Ergebnisse. In ihrem ersten Wettkampf stößt sie die drei Kilogramm Kugel auf 10,85 Meter und belegt den dritten Platz. Zum Vergleich: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) fordert für das deutsche Sportabzeichen in Gold von Mädchen im Alter von 14-15 Jahren eine Weite von 6,50 Meter.

Spaß als Schlüssel zum Erfolg

Wenig später wird Ritter Westfalenmeisterin ihrer Altersklasse. „Mir hat es sofort Spaß gemacht, ich bin auch eher der Krafttyp. Ich war auch nie beim Handball die Ausdauerfähige, ich mach lieber alles mit Kraft“, sagt sie heute. Die Erfolge befeuern die Motivation, sind aber für die in Lünen geborene Sportlerin nicht das wichtigste Element. „Ich finde, die Erfolge sind egal, solange man das liebt, was man macht und es einem so viel Spaß macht. Wenn man irgendwann kein Bock mehr hat, ich glaube das ist die schlimmste Demotivation, die man überhaupt haben kann.“

Acht Jahre nach ihrem ersten Stoß ist der Leichtathletiksport zum festen Bestandteil Julia Ritters Leben geworden. Sie gehört dem Perspektivkader des Deutschen Leichtathletik Verbandes an und trainiert beinahe täglich beim TV Wattenscheid 01 in Bochum. So durfte ihre Trainingsgruppe und sie nach dem Lockdown im Frühjahr mit als einer der ersten Sportler den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen.

„Ab dem Punkt konnten wir die ganze Zeit normal weiter trainieren, natürlich anders als sonst“, erzählt Ritter und spielt damit auf die Hygienekonzepte für das Training an. „Wir sind eine sehr enge familiäre Trainingsgruppe. Wir machen vieles zusammen und es ist schon komisch, wenn man dann im Training Trainingsbestleistung macht und sich nicht mehr umarmen oder abklatschen kann.“ Trotzdem weiß sie ihre Situation zu schätzen und macht deutlich: „Wir sind die, die sich eigentlich am wenigstens beschweren können, weil es hat echt andere schlimmer getroffen als uns.“

Vergleichbare Unterschiede stellt die junge Athletin auch in bei der Finanzierung ihres Sports fest. Ritter selbst ist glücklich über ihre persönliche berufliche Situation. Ihr Arbeitgeber ist die Bundespolizei, sie besitzt dort einen Platz in der Spitzensportförderung. Zudem erhält die 22-Jährige Unterstützung von ihrem Verein und der Deutschen Sporthilfe.

„Sonst würde das auch alles ganz schön anders aussehen, ich kriege das bei manchen mit, die nicht bei der Bundeswehr oder bei der Bundespolizei sind“, merkt Ritter an. Ein professionelles Training und Spitzenleistungen ließen sich nur schwer mit einem Arbeitsalltag von 8 Uhr bis 17 Uhr vereinbaren.

Den Bezug zu ihrer Geburtsstadt Lünen hat Ritter nicht verloren. Ihre Mutter arbeite in der Stadt und auch sie selbst sei immer wieder mal in Lünen unterwegs.

Das Ziel ist Tokio in 2021

Aktuell befindet sich Ritters Trainingsgruppe in der Grundlagenarbeit für die anstehende Saison. „Wir sind aber auch schon an technischen Sachen dran, im ersten Monat haben wir gar nicht gestoßen, jetzt stoßen wir schon zweimal die Woche“, berichtet sie. In der Hauptsaison seien fünf bis sechs Einheiten mit dem Gerät üblich. Beim letzten Leistungstest im olympischen und paralympischen Trainingszentrum in Kienbaum stimmte die Form. Alles ist ausgerichtet auf die Olympischen Spiele in Tokio 2021.

„Natürlich war es für mich perfekt, dass die Olympischen Spiele verschoben wurden, weil ich jetzt einfach noch ein Jahr mehr Zeit habe, mich darauf vorzubereiten,“ ,gibt Ritter zu. „Dieses Jahr wäre es wahrscheinlich schwieriger geworden und nächstes Jahr ist für mich die Chance viel höher.“ Die Olympia-Norm im Kugelstoßen liegt bei 18,50 Meter und bei 63,50 Meter im Diskuswurf.

Ritter wünscht sich das die Spiele in Japans Hauptstadt nicht vom Coronavirus überschattet werden und der olympische Geist im Vordergrund steht. Persönlich möchte sie unbedingt bei dem Höhepunkt im Sommer dabei sein und ihr „bestmögliches geben, persönliche Bestleistung stoßen und dann ist alles offen.“

Vielleicht läuft schon in einem Jahr zum Weihnachtsbummel eine Olympionikin durch die Straßen der Lüner Innenstadt.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren und aufgewachsen in Dortmund. Student der Journalistik. Seit der Kindheit vom Sport in all seinen verschiedenen Arten begeistert.
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David Adams

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