Sandro Plechaty und Rot-Weiss Essen feierten nach dem Pokal-Triumph gegen Bayer Leverkusen eine ordentliche Kabinenparty. © picture alliance/dpa/AP POOL
Fußball

Plechaty nach dem Pokal-Spektakel: „Bailey kann man nicht komplett verteidigen“

Sandro Plechaty und RWE stehen im Pokal-Viertelfinale. Im Interview spricht der 23-Jährige über die Duelle mit Leon Bailey, die verrückten Schlussminuten und die Absage des Liga-Spitzenspiels.

Es waren 120 Minuten absolute Leidenschaft, aufopferungsvoller Kampf und ein ein kleines Quäntchen Fortune, doch als Lohn für die harte Arbeit steht für den Lüner Sandro Plechaty und Rot-Weiss Essen seit Dienstabend fest: Der Fußball-Regionalligist ist weiterhin im DFB-Pokal dabei und hat mit Bayer Leverkusen ein echtes Schwergewicht aus dem Weg geräumt.

Doch kurz nach dem historischen Pokal-Triumph richteten sich die Augen der Neidhardt-Elf schon auf das geplante Liga-Topspiel gegen die U23 von Borussia Dortmund. Am Donnerstag kam dann allerdings die Nachricht, dass das Spitzenspiel verschoben werden muss. Im Interview mit den Ruhr Nachrichten spricht Sandro Plechaty deshalb nicht nur über die unvergessliche Pokalnacht, sondern auch das abgesagte Titelduell.

Herr Plechaty, Sie stehen nach dem furiosen Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen mit Rot-Weiss Essen sensationell im DFB-Pokal-Viertelfinale. Die Werkself hatte zwar einige Torchancen, blieb aber lange Zeit erfolglos. Letztlich hatte Ihre Mannschaft vielleicht auch die nötige Portion Glück an diesem Tag. Wie haben Sie das Spiel wahrgenommen?

Wir waren natürlich der krasse Außenseiter und es war klar, dass Leverkusen sicherlich die eine oder andere Chance bekommen wird. Deshalb hatten wir in manchen Situationen schon Glück, aber wir konnten auch immer mal wieder Nadelstiche setzen. Letztlich ist es einfach Wahnsinn, gegen solche Akteure spielen zu dürfen. Dann zu sehen, wie wir verteidigt und mitgehalten haben, ist überragend.

Nach dem 0:1 schien es so, als würde Leverkusen das Spiel über die Zeit schaukeln können. Ihre Mannschaft kam aber überragend zurück und hat sich von dem Rückstand nicht einschüchtern lassen. Die zweite Halbzeit der Verlängerung haben Sie nach Ihrer Auswechslung dann auf der Bank verfolgt. Wie haben Sie die letzten Minuten erlebt?

Das war unglaublich. Wir haben uns schon vor dem Spiel gesagt, dass wir nichts zu verlieren haben und genau so haben wir dann nach dem 0:1 auch gespielt. Dass wir da noch zurückkommen, ist einfach auch unserem Teamgeist geschuldet, der uns schon im gesamten Saisonverlauf ausmacht. Auf der Bank war ich am Ende aber noch deutlich angespannter und nervöser als auf dem Platz. Beim Videobeweis bin ich dann richtig verrückt geworden. Letztlich sind wir einfach nur glücklich, dass das Spiel so ausgegangen ist.

Sie haben als Rechtsverteidiger auf der Außenbahn hauptsächlich gegen Leon Bailey gespielt. Worauf kommt es an, wenn man einen so schnellen und technisch starken Spieler verteidigen muss?

Wir haben uns vorher natürlich auch ein paar Videos angeschaut und ich habe nochmal speziell auf Bailey geachtet. Es war klar, dass man einen Spieler mit seinen Fähigkeiten nicht über die ganze Spielzeit verteidigen kann. Ich glaube aber, dass ich das größtenteils ganz gut hinbekommen habe. Es ist aber ohne Frage einfach phänomenal, welche Qualitäten Leverkusen auf den Platz bringen kann.

Jetzt hatten Sie es hauptsächlich mit Bailey zu tun. Gab es denn noch andere Leverkusener, die Sie besonders beeindruckt haben?

Mir ist vor allem Florian Wirtz im Kopf geblieben. Der wurde zur Halbzeit eingewechselt und war mit seinen 17 Jahren direkt der Dreh- und Angelpunkt bei Leverkusen. Ich glaube, dass er auf jeden Fall noch eine große Karriere vor sich haben wird. Auch Moussa Diaby mit seinem schnellen Antritt hat auf jeden Fall Eindruck hinterlassen. Wir können einfach stolz darauf sein, gegen so eine Mannschaft standgehalten zu haben.

Angesichts der aktuellen Situation waren die Feiermöglichkeiten nach Abpfiff sicherlich etwas eingeschränkt. Gab es denn zumindest eine standesgemäße Kabinenparty?

Sicherlich, wir haben als Mannschaft in der Kabine ordentlich zusammen gefeiert. Das muss nach einem solchen Spiel auch einfach sein. Es wäre natürlich noch schöner gewesen, wenn man die Fans dabei gehabt hätte, aber wir haben viele Fotos gesehen und haben auch mitbekommen, was auf den Straßen los war. Trotzdem hatten wir auch schon das BVB-Spiel im Hinterkopf und deshalb stand am Mittwochmorgen auch direkt wieder eine Trainingseinheit auf dem Programm. Andernfalls wäre die Party wahrscheinlich noch etwas anders ausgefallen.

Sie sprechen das BVB-Spiel an: Am Donnerstag kam die Nachricht, dass das Spitzenspiel abgesagt worden ist, weil der Platz aufgrund der Pokal-Partie unbespielbar ist. Wie hat die Mannschaft davon erfahren und was bedeutet die Absage für das Team?

Der Vorstand hat uns am Donnerstag darüber informiert, dass das Spiel ausfallen muss und man hat ja auch im TV gesehen, dass der Platz ziemlich gelitten hat. Wir nehmen die Entscheidung jetzt so hin und müssen uns einfach auf das nächste Spiel konzentrieren.

Würden Sie denn sagen, dass die Absage der Mannschaft aufgrund des kräftezehrenden Spiels am Dienstag eher entgegenkommt, oder hätte die Euphorie vom Pokalsieg vielleicht sogar noch eine Extra-Motivation geben können?

Man kann an der Situation jetzt ohnehin nichts ändern, von daher nehmen wir es jetzt so, wie es ist und legen den Fokus voll auf die kommenden Partien.

Welchen Stellenwert hätte das Spiel denn für Sie gehabt? Hätte es auch schon eine Art Vorentscheidung sein können?

Nein, von einer Vorentscheidung würde ich nicht reden. Die Saison ist noch sehr lang, es kommen noch viele schwere Spiele und selbst eine Niederlage gegen den BVB wäre für uns kein Weltuntergang gewesen. Ich habe dieses Spiel nicht als ein so finales Ding angesehen. Wir müssen bis zum Ende unsere Leistung bringen und dann können wir, glaube ich, unser großes Ziel – den Aufstieg in die 3. Liga – durchaus verwirklichen. Klar ist aber auch, dass man sich nicht viele Ausrutscher erlauben darf. Das gilt aber sowohl für uns als auch für den BVB.

Eine abschließende und beim Thema Pokal sehr beliebte Frage: Wen wünscht sich Sandro Plechaty als nächsten Gegner im Viertelfinale? Die Auswahl ist ja nicht mehr allzu groß.

Da habe ich wirklich keinen großen Wunschgegner. Ich werde mir die Auslosung einfach gemütlich auf dem Sofa anschauen. Wir werden auf jeden Fall wieder der krasse Außenseiter sein, aber auch wieder an der Hafenstraße spielen und jeder, der hierhin kommen muss, hat natürlich jetzt gesehen, was wir leisten können. Letztendlich sind wir einfach wahnsinnig glücklich, bis ins Viertelfinale gekommen zu sein und deshalb werden wir entspannt gucken, wer unser nächster Gegner sein wird.

Über den Autor
Redakteur
Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul

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