Sandro Plechaty und Rot-Weiß Essen hatten in dieser Saison bisher so Einiges zu bejubeln. © dpa
Fußball

Pokal-Achtelfinale und Rekord-Hinrunde: Plechaty und Backszat werfen Blick Richtung Profi-Fußball

Kurz vor Weihnachten zogen die beiden Lüner Fußballer mit RW Essen ins DFB-Pokal-Achtelfinale ein. Ein Riesen-Erfolg für den Regionalligisten, der den Blick aber weiter anders setzt.

Es ist ein wenig wie die Sage vom Phönix aus der Asche. Jahrelang versuchte Rot-Weiß Essen zurück in den Profi-Fußball zu kommen und scheiterte immer wieder kläglich. Im vergangenen Halbjahr war alles anders – und zwei Lüner Fußballer hatten daran großen Anteil.

Die Spielvereinigung Unterhaching, Wacker Burghausen, TuS Koblenz und eben Rot-Weiss Essen. All das waren Mannschaften, die in der Saison 2007/2008 noch in der Zweiten Bundesliga gespielt hatten. All das sind Mannschaften, die heute teilweise in den vierten, fünften und sechsten Ligen der Republik verschwunden sind. Doch diese Saison hatte noch etwas Besonderes.

Kurz vor Weihnachten 2007 qualifizierte sich RW Essen als frisch gebackener Aufsteiger mit einem 2:1 über Kaiserslautern für das Achtelfinale des DFB-Pokals. Damals war kaum vorstellbar, dass nun ein tiefer Absturz bis in die Regionalliga folgte und es 13 Jahre dauern musste, bis sich RWE wieder für ein Achtelfinale qualifizieren konnte.

Am Mittwoch vor Heiligabend war es dann tatsächlich so weit: Mit einem sehr abgezockten und jeglichen Klassenunterschied vermissen lassenden Auftritt besiegte Viertligist Essen völlig verdient den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf mit 3:2 und kann erstmals seit 2007 wieder im Pokal überwintern. Mit dabei waren – natürlich – auch die beiden Lüner Fußballer Felix Backszat und Sandro Plechaty. Besonders Zweiterer überzeugte und spielte über die vollen 90 Minuten auf seiner rechten Verteidigerposition.

Aber auch für Backszat war das Pokal-Derby ein voller Erfolg. Denn selbst wenn der Lüner erst drei Minuten vor dem Ende eingewechselt wurde, war der Mittelfeldspieler froh, überhaupt mal wieder für RWE auf dem Platz zu stehen. Seit Mitte November stand Backszat gar nicht mehr im Kader des Traditionsvereins und hofft nun, im neuen Jahr wieder voll angreifen zu können.

Doch diese kleine Sensation gegen Düsseldorf war letztendlich nur die Kirsche auf der diesjährigen Essener Torte. Immer wieder beschreibt RWE-Coach Christian Neidhart den Drittliga-Aufstieg und die damit verbundene Rückkehr in Deutschlands Profi-Fußball als alleiniges Saisonziel – und die Mannschaft um die beiden Lüner ließ daran bisher überhaupt keine Zweifel gelten.

Felix Backszat wurde schon zwei Mal Regionalliga-Meister

Schon in der vergangenen Saison hatten die Essener den Aufstieg ganz oben auf den Wunschzettel geschrieben, doch bekanntlich kam es anders. Auch weil mit dem SV Rödinghausen, wo Backszat damals sogar noch Stammspieler im Mittelfeld war, und dem dem SC Verl zwei Mannschaften vorneweg marschierten, die kaum zu stoppen waren. Sowohl Rödinghausen (2,625 Punkte pro Spiel) als auch Verl (2,409 Punkte pro Spiel) zeigten einen so hohen Punkteschnitt, der in der Regionalliga West noch nie erreicht wurde.

Der Verzicht des SV Rödinghausen auf die Drittliga-Lizenz war dann für Felix Backszat doppelt bitter. Das zweite Mal in Folge wurde der Lüner mit seinem Team Viertliga-Meister (zuvor gewann er auch mit Viktoria Köln die Liga) und zum zweiten Mal stieg er nicht auf. Denn bei den Kölner wurde er mit Saisonende aus dem Kader gestrichen und durfte sich einen neuen Verein suchen. Nun startet Backszat also einen dritten Anlauf und bisher sieht es für ihn, Sandro Plechaty und RWE richtig gut aus.

Sandro Plechaty und RW Essen könnten Rekord-Saison spielen

Mit Abschluss der Hinrunde und dem 3:2-Erfolg über Wegberg-Beeck erreichte Essen die 50-Punkte-Marke. Nicht ein einziges Spiel verloren Plechaty und Co. seit dem Sommer. Wenn RWE diese Dominanz bis zum Saisonende durchzieht, könnte gar zum aller ersten Mal die 100-Punkte-Grenze in der Regionalliga West fallen. Der Lüner Rechtsverteidiger war dabei bisher an acht Toren (sechs Vorlagen, zwei Treffer) direkt beteiligt.

Lange Zeit war den beiden Lünern noch die Zweitvertretung von Borussia Dortmund voraus, doch zuletzt wendete sich das Blatt. Nur drei der letzten sieben Spiele im Jahresendspurt konnte der BVB gewinnen und so führt Essen die Tabelle aktuell mit sechs Punkten, aber auch einem Spiel mehr, vor der Bundesliga-Reserve an.

Ausruhen dürfen sich Felix Backszat und Sandro Plechaty im neuen Jahr also gewiss nicht, doch bisher sieht es gut aus, dass die beiden Lüner im Spätsommer 2021 zum allerersten Mal im deutschen Profi-Fußball angekommen sind. Am 16. Januar startet die Regionalliga West wieder aus der Winterpause, zum großen Aufstiegskracher zwischen RWE und BVB kommt es schon am 6. Februar.

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Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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Nico Ebmeier

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