Ultraläufer Michael Petry (l.) wirkt entspannt. Unser Redakteur eher weniger. © Goldstein
Laufen

So weit ist es schon gekommen: Wenn der Sportredakteur selbst Sport treiben muss

Aus Sport-Sicht ist das Jahr 2020 bereits seit Anfang November vorbei. Was tut man da als Sportredakteur? Selbst Sport treiben und darüber berichten. Ob‘s gut gegangen ist? Entscheiden Sie selbst.

Kennen Sie „The Last Dance“? Die Dokumentation über die Karriere von Basketball-Legende Michael Jordan. Lief im Frühjahr auf Netflix an und hat mich persönlich durch die erste harte Phase der Corona-Pandemie gebracht.

Jede Woche eine neue Folge, jede Woche Einblicke in das Leben der wohl größten Sport-Persönlichkeit der USA. Und es war stets ein Satz, der bei mir hängen geblieben ist und mich zum Schmunzeln brachte, sobald Jordan ihn aussprach: „I took that personally.“ – „Ich nahm das persönlich.“

Jordan sprach diesen Satz immer dann aus, wenn er sich persönlich herausgefordert sah. Was ziemlich häufig passierte.

Und genau dieser Satz schoss mir in den Kopf, als ich gerade über den Lippedamm in Lünen fegte. Okay, „fegte“ klingt so, als hätte ich dort die letzten Steinchen vom Boden aufgewirbelt.

„Stopp! Wir hören jetzt hier auf…“

So war es nicht. Ich lief, ganz entspannt, eine lockere Runde mit dem Ultraläufer Michael Petry. Es müsste ungefähr bei Kilometer vier gewesen sein, als in meinem linken Fuß ein Kribbeln begann und sich in meiner Schuhsohle ein Stein verfing. Das Laufen klappte nur noch mäßig und der erste Gedanke war: „Stopp! Wir hören jetzt hier auf und machen eine Pause, das ist nicht gut!“

Und da kam mir dieser Satz von Michael Jordan in den Kopf: „I took that personally.“ Und genau das tat ich auch in den Moment. Mein entspanntes Dasein, was sich am liebsten selbst auf der Couch gesehen hätte, die Heizung an, den Laptop auf dem Schoß und im Hintergrund eine Serie im TV laufen hat, gegen den inneren Schweinehund, so beschreiben häufig Fitness-Trainer den Gegner, der bezwungen werden muss, um sich zum Sport aufzuraffen.

Ob mir Michael Jordan wohl für meine läuferische Leistung applaudieren würde? Ich bezweifle es. © picture alliance/dpa/AP © picture alliance/dpa/AP

Michael Petry, der neben mir lief und für den es alles ziemlich locker wirkte, bekam davon nichts mit. Hoffe ich. Denn während des Laufens machte sich ziemlich deutlich bemerkbar, wie gut in Form der Mann aus Alstedde ist. Wir redeten über seinen Klub Blau-Weiß Alstedde, das verlorene Derby gegen den TuS Westfalia Wethmar vor zwei Monaten, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadt Lünen, aber auch auf die Gesellschaft insgesamt.

Zwischenzeitlich rang ich immer wieder nach Luft, musste meine Atmung kontrollieren, damit ich laufen und reden gleichzeitig konnte, während es bei Petry so schien, als würde er einen ganz normalen Spaziergang machen und dabei etwas quatschen.

Petry läuft mit einer Verletzung, ich mit wenig Kondition

Das hat mich beeindruckt. Michael Petry ist 53 Jahre, hat in diesem Jahr beinah 4000 Kilometer im Laufen zurückgelegt und wird diese – da bin ich mir sicher – bis zum Ende des Jahres noch knacken. Das Verrückte dabei: Als wir mit unserer Lippedamm-Runde fast durch waren, erzählte er mir, dass er noch mit den Auswirkungen eines Kapselrisses läuft, den er sich vor wenigen Wochen zuzog.

Doch es verwundert nicht, dass er sich trotzdem auf die Laufstrecke gewagt hat. Petry ist jemand, der durchweg positiv ist, immer am Lachen, immer in Bewegung. Er läuft mit einer Verletzung, ich mit wenig Kondition.

Am Ende hielt ich trotz des pulsierenden Kribbelns in meinem linken Fuß durch, was wohl von meinem zu fest zugeschnürten Schuh kam, und lief die Runde bis zum Schluss, ohne zu stoppen – auch weil der Ultraläufer einen ziemlich motivierenden Einfluss hat.

Ich werfe einen Blick auf meine Sportuhr. Sie zeigt 6,8 Kilometer an, die wir beide zurückgelegt haben. Petrys Uhr zeigt etwas mehr als fünf Kilometer an. Wir einigen uns auf den Wert, den sein Handy anzeigt. In etwa sechs Kilometer, die wir zurückgelegt haben.

Welche Sportuhr den Lauf wohl besser getrackt hat? Ich vertraue dem Lauf-Spezialisten Michael Petry (r.).

Über den Minutenschnitt pro Kilometer hülle ich aber nun den Mantel des Schweigens und überlasse den Sportlern der Stadt wieder das Feld, wenn es um das Erbringen sportlicher Leistungen geht. Und ich verspreche Ihnen: Das nehme ich nicht persönlich, da freue ich mich schon jetzt sehr drauf.

Über den Autor
Journalismus ist meine Passion. Seit 2017 im Einsatz für Lensing Media. Immer auf der Suche nach Hintergründen, spannenden Themen und Geschichten von Menschen.
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David Nicolas Döring

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