Thomas Audehm (2.v.l.) kritisiert die Strafe für seinen Sohn. © Tina Dargel
Fußball

Thomas Audehm zu 16-Spiele-Sperre seines Sohnes: „Spruchkammer verliert Glaubwürdigkeit“

Thomas Audehm hat in seiner Karriere schon das ein oder andere Fußballspiel gesehen, doch diese Szene beim Derby zwischen Alstedde und Wethmar bekommt der Ex-Profi einfach nicht aus dem Kopf.

Es war ein Tag zum Vergessen für die Bezirksliga-Fußballer von BW Alstedde. 1:3-Niederlage im langersehnten Derby gegen Westfalia Wethmar und dazu gleich drei Rote Karten. Während allerdings Dennis Gerleve und Dominik Hennes nur ein beziehungsweise drei Spiele draußen sitzen müssen, wurde Jannik Audehm härter bestraft.

Zehn Spiele Sperre plus sechs Partien auf Bewährung, wenn der Alstedder in den nächsten 32 Wochen noch einmal mit einer Roten Karte vom Platz fliegt, lautete die Strafe für Audehm, der den Linienrichter in den Rücken gerammt haben soll. Janniks Vater Thomas ist Ex-Fußball-Profi und hat für die SG Wattenscheid 09 sogar zwei Mal in der Bundesliga auf dem Platz gestanden.

Er war an diesem denkwürdigen Oktober-Abend live vor Ort und hat das Geschehen noch längst nicht vergessen. „Das war eine ganz emotionale Szene. Es gab eine Rudelbildung und der Schiedsrichter hatte die Situation nicht mehr im Griff. Und dann war es wohl schon so, dass Jannik und der Linienrichter in einander gelaufen sind“, erinnert sich der 53-Jährige.

Audehm weiß auch, dass es durchaus richtig ist, eine Sperre für seinen Sohn auszusprechen: „Jannik weiß selbst, dass er ein echter Heißsporn ist und ich muss ihn auch hier und da Mal zurückhalten. Aber er ist jung und muss aus solchen Szenen lernen.“ Mit der Länge der Sperre ist der Ex-Bundesligist aber dagegen überhaupt nicht einverstanden.

„Wenn diese Strafe so beibehalten bleibt, hat die Spruchkammer endgültig ihre Glaubwürdigkeit verloren. Es ist richtig, dass die Schiedsrichter um jeden Preis geschützt werden – gerade in der Kreisliga. Aber mit solchen Strafen werden die Spieler womöglich um ihre Karriere gebracht“, sagt Audehm, der danach vorrechnet: „Wenn die Saison im neuen Jahr weitergespielt wird und Jannik seine zehn Spiele absitzt, steht er vielleicht im April oder Mai wieder im Kader. Dann passiert ihm eine blöde Notbremse oder eine Gelb-Rote-Karte und die Saison ist gelaufen.“

„Die Saison könnte gelaufen sein.“

Besonders die fehlende Berücksichtigung, dass sich Jannik Audehm sich zuvor nie etwas zu Schuld kommen lassen hat, stört seinen Vater. „Es ist doch der völlig falsche Weg, so extrem in die Karriere eines jungen Spielers einzugreifen. Wir hätten beispielsweise eine Vier-Spiele-Sperre und eine doppelt so lange Bewährung viel eher verstanden. In Dortmund wird ein Spieler acht Jahre lang gesperrt. Danach wird er keinen Fußball mehr spielen, das ist doch nicht der Sinn der Spruchkammer.“

Generell gefällt die Art und Weise, wie es zu der Sperre kam, Thomas Audehm überhaupt nicht. Er spricht von mehreren Fehlern im gesamten Prozess. „Es fing an beim Spielbericht. Dass da eingetragen wird, dass Jannik eine Tätlichkeit begangen hat, darf schon mal nicht passieren, aber das war vielleicht noch der Emotionalität des Derbys geschuldet. Aber wieso wird der Linienrichter nicht noch drei Wochen später befragt, wenn er ein paar Nächte über die Situation geschlafen hat? Wieso werden alle Stellungnahmen nicht beachtet“, kritisiert der 53-Jährige, der jetzt hofft, dass „die Kirche im Dorf gelassen wird“ und die Strafe seines Sohnes noch verringert wird.

Thomas Audehm sieht Lüner Fußball auf gutem Weg

Als Ex-Spieler des Lüner SV und nun Fußball-Daddy bei BW Alstedde hat Thomas Audehm generell auch einen sehr kompletten Blick auf die Lüner Fußballlandschaft und freut sich abgesehen vom Ausgang des Derbys sehr über die momentane Entwicklung. „Ich glaube, der Lüner Fußball steht momentan in einem sehr guten Licht. Gerade die Bezirksligamannschaften machen einen super Eindruck und es ist schön, das Ganze einfach einmal von der Seitenlinie aus zu beobachten. Aber natürlich ist es eine sehr schwere Zeit und ich verstehe, wenn hier und da einfach die Motivation fehlt.“

Auch sein Ex-Verein, der LSV, steht laut Audehm aktuell gut da: „Ich denke, sie hatten sich von dem Staffelwechsel etwas mehr erhofft, aber sonst läuft es wohl ganz gut. Sie hatten viele Probleme mit Verletzten und deshalb wird sich der Tabellenstand wohl noch ändern. Ich denke, der LSV hat gehofft, dass die Gegner in der Staffel etwas leichter sind, aber im Münsterland und in Ostwestfalen wird ein anderer Fußball gespielt. Das macht es aber nicht unbedingt einfacher.“

Über den Autor
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Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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Nico Ebmeier

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