Die Endrunde in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle bietet tolle Stimmung vor vielen Zuschauern - viele Amateurfußballer wollen das Event auf dem dafür verlegten Kunstrasen erleben. © Stephan Schuetze
Meinung

Turnierausschluss der Lüner und Schwerter Klubs: Rausgeekelt und ungerecht

Ausgeladen von der Party – die Art und Weise, wie sich Dortmund den ungeliebten Schwerter und Lüner Teams bei den Dortmunder Stadtmeisterschaften entledigt hat, ist peinlich und ungerecht.

Keine Schwerter und Lüner Teams mehr bei den Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaften: Die Trennung war am Ende wohl für alle das Beste. Dortmunder Vereine akzeptierten die Schwerter und Lüner Klubs nie. Und umgekehrt war das Interesse der Klubs aus den Nachbarstädten auch selten richtig da.

Der Stellenwert der Dortmunder Stadtmeisterschaften war trotz beeindruckender Kulisse klein – und um sich für die geile Endrunde in der Helmut-Körnig-Halle zu qualifizieren, reichte es meistens nicht. Stattdessen lag der Fokus auf den eigenen Stadtmeisterschaften in Schwerte und Lünen.

Damit wir uns hier nicht falsch verstehen: Lüner und Schwerter Vereine haben auf einer Dortmunder Stadtmeisterschaft sowieso eigentlich nichts verloren, weil sie nicht zur Stadt gehören. Eine Trennung im Guten also? Mitnichten.

Warum organisiert der Fußballkreis nur eine Stadtmeisterschaft?

Sie hat vielmehr einen faden Beigeschmack. Das Problem sind die Strukturen hinter dem Hallenturnier und gipfelt in zwei Begriffe. „Stadt“ und „Fußballkreis“. Oder in der Frage: Warum organisiert der Fußballkreis überhaupt eine Stadtmeisterschaft?

Der Fußballkreis Dortmund, dessen Mitglied viele Schwerter und Lüner Vereine bekanntlich sind, richtet nun nämlich ein Turnier aus, an dem Schwerter und Lüner nicht mehr beteiligt werden. Die Einladung geht nun nur noch an einen ausgewählten Teil der Kreisvereine.

Was daran problematisch ist? Der Kreisvorstand, der den Ausschluss entschieden hat, ist doch Repräsentant aller Vereine im Kreis. Er wurde sogar von Schwerter und Lüner Vereinen mitgewählt. Woher kommt also das Selbstverständnis, mit dem der Kreisvorstand diese Ausschluss-Entscheidung getroffen hat?

In Dortmund gibt es keine Kreismeisterschaft

Man muss hier trennen: Kreischef Jürgen Grondziewski und seine Mitstreiter treten nicht als Privatpersonen auf, die sich bei einer Stadtmeisterschaft engagieren, sondern eben als Funktionäre und Vertreter ihres Fußballkreises. Im gleichen Maße engagiert sich der Fußballkreis bislang nicht bei den Stadtmeisterschaften in Schwerte und Lünen. Ein Beispiel aus Münster: Hier hält sich der flächenmäßig große Fußballkreis Münster personell aus den Stadtmeisterschaften in seiner Kernstadt Münster heraus – eine gesunde Trennung, wie es sein sollte.

Eigentlich gehört eine Stadtmeisterschaft gar nicht in die Hände des Fußballkreises, wenn dieser mehr als nur eine Stadt umfasst. Dass sich der Dortmunder Kreisvorstand so für nur eine Stadtmeisterschaft einsetzt, sie geschlossen hält und zudem keine – zugegeben unattraktive – Kreismeisterschaften ausrichtet, ist ungerecht und sollte den „Auswärtigen“ zu denken geben, ob ihr Platz noch im Fußballkreis Dortmund ist.

Schließlich tragen sie den Kreis nicht nur finanziell mit, sondern sorgen mit ihrer Zahl an Mannschaften dafür, dass mehr Aufstiegsplätze in die Bezirksliga da sind, werden aber nicht mehr an dem attraktivsten Turnier beteiligt. Wie unsolidarisch. Der VfB Westhofen aus Schwerte oder die SG Gahmen aus Lünen spielen beispielsweise ja auch in der Fußball-Kreisliga „Dortmund“. Diese Wettbewerbe werden doch auch für alle organisiert?

Lüner SV hat das Turnier sportlich und emotional aufgewertet

Dass dann die Mannschaftsreduzierung als Argument herhalten muss, bei der die Dortmunder B-Ligisten auf der Strecke geblieben wären, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Bewusst wurden hier keine rein sportlichen Qualifizierungskriterien vorgezogen. Schade, zumal vor allem der Lüner SV das Turnier wirklich belebt hat, auch dank der Rivalität. Und die ursprünglich angepeilte Aufwertung des Turniers, um zweistellige Siege gegen überforderte Gegner zu verhindern, ist damit auch nicht geglückt, weil zahlreiche gute Kreis- und Bezirksligist neben dem Lüner SV nicht mehr dabei sind.

Bei der Hallenstadtmeisterschaft in Dortmund im Fokus: der ehemalige LSV-Keeper Daniel Dreesen. © Schulze © Schulze

Und dann ist da noch die ablehnende Haltung der Dortmunder Vereine. Gute Gastgeber sehen anders aus. Ausgepfiffen, ausgebuht, beschimpft, beleidigt und schließlich sogar tätlich attackiert. Schließlich folgte der Kreisvorstand mehrheitlich der in Dortmund vorherrschenden Meinung. Erst weggeekelt, schließlich ausgebootet – Schwerter und Lüner Vereine sollten froh sein, nicht mehr dabei zu sein.

Über den Autor
Redakteur
Sportler durch und durch, der auch für alle Sportarten außerhalb des Fußballs viel übrig hat. Von Hause aus Leichtathlet, mit einer Faszination für Extremsportarten, die er nie ausprobieren würde. Gebürtig aus Schwerte, hat volontiert in Werne, Selm, Münster und Dortmund.
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Sebastian Reith

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