Die Lüner Trainer sind sich in Sachen „Videobeweis in der Kreisliga“ uneinig. © picture alliance/dpa
Fußball

Videobeweis in der Kreisliga? Lüner Trainer wissen nicht wirklich, was sie davon halten sollen

Die Idee der FIFA klingt im ersten Moment futuristisch, doch sie scheint immer näher zu kommen. Mit dem „VAR light“ soll der Videobeweis auch an die Amateur-Sportplätze gebracht werden.

Schon heute hängen an vielen Flutlichtmasten an den Lüner Sportplätzen kleine Kameras, die das Spiel filmen und live an den Zuschauer im Internet weitergeben. Genau diese Kameras möchte sich die FIFA jetzt zu Nutze machen und in nähere Zukunft den „VAR light“ auf die Amateursportplätze bringen. Bei den Lüner Trainern findet die Idee generell Anklang, muss aber dringend verbessert werden.

Es läuft die 89. Minute im Bezirksliga-Derby zwischen BW Alstedde und Westfalia Wethmar, Tim Hermes setzt den Ball ein letztes Mal in Bewegung, um die knappe Niederlage doch noch abzulenken. Er schießt aufs Tor, doch die Kugel wird von Kai Schinck doch noch abgeblockt. Aber war da nicht die Hand im Spiel?

Auch der Schiedsrichter ist sich dem nicht ganz sicher und möchte sich die Szene noch einmal anschauen. Nach einem kurzen Videostudium entscheidet er tatsächlich auf Elfmeter. Hermes tritt an und das Derby geht 3:3 aus. Was sich im ersten Moment wie eine komische Szene in der Bezirksliga anhört, könnte bald Realität sein. Die FIFA möchte sich mit der Idee des Amateurvideobeweises, mit dem „VAR light“, auseinandersetzen. Die Lüner Trainer sehen hierbei nicht unbedingt eine sinnvolle Neuerung.

Christian Hampel, Trainer des Westfalenligisten Lüner SV, beispielsweise hält nicht wirklich viel von der Idee der FIFA. „Das macht, denke ich, nicht wirklich Sinn. Du brauchst so viel Ausrüstung und Equipment am Platz – oder auch eine funktionierende Verbindung zwischen Kameras und Computer. Das lohnt sich alles nicht so richtig“, sagt er, wobei natürlich gerade für den Westfalenligisten die Möglichkeiten da wären, eine solche Ausrüstung zu besorgen.

„Generell finde ich die Idee auch sicher nicht falsch und vielleicht ist das in der Ober- und Regionalliga richtig sinnvoll. Aber da muss man ja immer fragen, wo man die Grenze zieht. Wieso wird so etwas beispielsweise in der Oberliga benutzt, aber dann vielleicht nicht in der Westfalenliga? Für die Kreisligen ist es aber spätestens Unsinn.“

Ähnlich unsicher ist sich auch Steven Koch, Trainer des Bezirksligisten Westfalia Wethmar: „Wenn es gut funktioniert, kann man da auf jeden Fall drüber nachdenken. Aber man sieht ja alleine in der Bundesliga, wenn da vier Schiedsrichter-Experten an den Computern sitzen, dass es nicht wirklich gut läuft. Ich denke, dass es gerade bei uns im Amateurbereich nicht so sehr geeignet ist. Es nimmt dem Spiel die Emotionen und zieht das Ganze ein bisschen auseinander. Für die Profis ist es okay, in der Kreis- oder Bezirksliga dagegen nicht.“

Gahmen-Trainer Bülent Kara hält überhaupt nichts von der Idee

Noch deutlicher wird man ein paar Kilometer weiter südlich, beim A-Ligisten von der SG Gahmen. Trainer Bülent Kara hält überhaupt nichts vom „VAR light“: „Ich habe das letztens gelesen und habe mir sofort gedacht, dass so etwas im Amateursport nichts zu suchen hat. Natürlich gibt es Spiele, in denen man durch eine Fehlentscheidung womöglich den Aufstieg oder so vergibt, aber das macht den Fußball doch letztendlich auch aus. Wir haben in dieser Phase so wenig Spaß am Sport, dann soll man uns nicht auch noch die Emotionen nehmen.“

Der Coach des Aufstiegs-Favoriten nimmt dann auch noch die Schiedsrichter in Schutz. „Schiedsrichter haben es bei uns so schwer und wenn man dann noch überprüfen könnte, ob sie nun falsch und richtig lagen, werden sie noch weiter verunsichert. Das will doch keiner“, sagt Kara.

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Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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Nico Ebmeier

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